Geschichte der Juden in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart Gebunden
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Bücher EAN 9783406637377

Geschichte der Juden in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart Gebunden

Hersteller: C.h. Beck  ·  MPN: 9783406637377
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Produktbeschreibung

Geschichte der Juden in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart | Politik, Kultur und Gesellschaft

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Jaroschek 18.06.2024 amazon.de
‚Juden in Deutschland‘ oder ‚deutsche Juden?‘Man lebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in dem Gefühl, die Juden seien weitgehend in die Gesellschaft integriert. 1812 waren ihnen die Bürgerrechte zuerkannt und 1869 alle bisherigen Beschränkungen aufgehoben worden waren. Von absoluter Integration konnte aber keine Rede sein, denn noch war ihnen in vielen Bereichen die Teilnahme verweht. Sie konnten kaum Offizier werden, wurden an Universitäten nicht gern gesehen, in Korporationen nicht aufgenommen. Selbst die Taufe änderte an all dem nichts. Man hatte zwar beruflich mit ihnen Kontakt, aber kaum im privaten Bereich. Dabei empfanden viel Juden sich absolut als Deutsche. Der Schritt vom Juden in Deutschland zum deutschen Juden war noch nicht endgültig vollzogen. Vielleicht hätte eine größere Verbundenheit der Menschen untereinander das entsetzliche Verbrechen der Shoah verhindert.Über die Fortsetzung der Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945, haben 9 Autorinnen und Autoren ein bemerkenswertes Buch geschrieben. Sechs der Autoren sind Professoren, vermutlich sechs von ihnen kommen aus Familien, die der Judenverfolgung im NS-Staat ausgesetzt waren. Alle wurden unmittelbar nach dem Krieg bis zu 30 Jahre nach dem Krieg geboren. Herkunft und Geburtsdatum muss man berücksichtigen, wenn man dem Buch gerecht werden will.Nach einem Einführungskapitel werden von jeweils zwei Autoren die Zeitabschnitte von 1945-1949, von 1950-1967, von 1968-1989 und schließlich von 1990-2012 behandelt. Es ist der Weg von der beabsichtigten totalen Ächtung Deutschlands. Juden lehnten es strikt ab, noch jemals in Deutschland zu leben und verurteilten die Juden, die nach Deutschland zurückkehrten. Durch den Holocaust war weltweit ein jüdisches Kollektivbewusstsein entstanden, in dem der Staat Israel nun als die wahre Heimat aller Juden angesehen wird. Speziell deutsche Juden hatten offenbar Schwierigkeiten, sich nun endlich als deutsche Juden zu fühlen. Die aus dem Osten, vor allem aus Russland eingewanderten Juden leben da offenbar entspannter. Hier wird dem Leser bewusst, wie sehr unterschiedlich dieses furchtbare Vergangenheit von denen gesehen wird, die unmittelbar betroffen waren und die Ermordung vieler Angehöriger erlebt hatten. Für Deutsche war die Shoah ein Ereignis neben vielen anderen Schrecklichkeiten der Vergangenheit, wenn man sich auch klar darüber war, dass die Shoah die kaum fassbare Steigerung der Untaten war.Verständlich ist, dass Betroffene und die Nachfahren der Betroffenen überaus sensibel auf jegliches Anzeichen von Antisemitismus und jede Untat gegen Juden reagieren. Hier gibt es eine offenbar eine nicht überwindbare unterschiedliche Sicht.Leser, die die NS-Zeit selbst erlebt haben, werden über manche Äußerungen erstaunt sein. Man sollte nicht vergessen, dass es um 1933 nur ungefähr 520 000 Juden in Deutschland gab, sie bildeten damit also weniger als 1 % der Gesamtbevölkerung. Man geht vielleicht auch zu wenig durchdacht mit dem Wort Antisemitismus um. Hätte es einen ausgeprägten Antisemitismus in Deutschland gegeben, hätten die Juden kaum wirtschaftlich, geistig und kulturell eine so große Rolle spielen können. Es gab gewiss Ressentiments gegen Juden, die aber kaum größer waren als damals die Ressentiments zwischen Katholiken und Protestanten. Von daher ist verständlich, dass ehemals untergetauchte Juden, man denke nur an Rosenthal, die wenigsten Ressentiments hatten und haben. Die Behauptung, die Deutschen hätten die Verbrechen an Juden nicht nur geduldet, sondern sogar gebilligt, ist mit Sicherheit falsch. Kortner hatte sicherlich recht, als er erklärte, der NS sei ein den Deutschen aufgezwungenes System, wie auch Adenauers Aussage stimmt, die Mehrheit der Deutschen sei gegen den NS gewesen.Natürlich ist es schlimm, dass jüdische Einrichtungen heute noch des besonderen Schutzes durch die Polizei bedürfen, schlimm auch jede wirklich antisemitische Äußerung und Schmiererei. Aber unverbesserliche Narren und Verbrecher gibt es in jedem System.Wer die Geschichte der Juden in Deutschland kritisch beobachtet, kann durchaus der Meinung sein, dass das, was durch die NS unterbrochen wurde, nun allmählich Wirklichkeit wird, jüdische Mitbürger werden ganz einfach als Mitbürger gesehen, ohne sie wegen ihrer Religion, Geschichte, Bräuche als Sondergruppe zu betrachten. Das Buch ist wichtig, aber es sollte durchaus kritisch gelesen werden, wenn es um die Darstellung der Vergangenheit geht.
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