Richard Wagner und die Deutschen | Eine Geschichte von Hass und Hingabe
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EAN 9783406644559

Richard Wagner und die Deutschen | Eine Geschichte von Hass und Hingabe

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Produktfakten auf einen Blick

Hersteller
verlag becksche verlagsbuchhandlung
EAN
9783406644559
Ø Bewertung
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Farbe
White
Breite
27 mm
H├Âhe
219 mm
Länge
147 mm
Erscheinungsdatum
2013-03-13T00:00:01Z

Produktbeschreibung

Richard Wagner ist der Komponist über den die deutsche Gesellschaft bis heute nicht zur Ruhe gekommen ist. Nach Wagners Tod holte sie sich den Vergangenen in ihre Gegenwart zurück. Denn Wagner konnte beinahe allen alles verheißen. Sven Oliver Müller erzählt in diesem Buch die aufregende Geschichte des Wagner-Mythos zwischen Verklärung und Verdammung zwischen Hass und Hingabe.Politisch ließ sich Richard Wagner noch nie neutral bewerten. Und was wurde nicht alles aus ihm und seinem Werk gemacht. Monarchen und Präsidenten Unternehmer und Kleriker Bürger und Adelige Linke und Rechte sie alle

Bewertungen & Erfahrungen

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Redaktion 19.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Perfekt!
JR Ewing 19.05.2023 amazon.de
Sven-Oliver Müller betrachtet vor allem die politische Dimension von Wagners Werk, der sich selbst zwar politisch engagierte, dessen Musik aber viel häufiger durch unterschiedlichste politische Formen vereinnahmt wurde. Diese Instrumentalisierung entstand vor allem durch seine Hörer, die in Wagners Werk vermeintlich deutsche Charakteristika zu erkennen glaubten oder aus der von Wagner so umfassend verarbeiteten deutschen Geschichte Kraft für neue Zukunftsvisionen schöpfen wollten. Denn, so der Autor, eine wachsende Zahl von Bürgern, Adligen, Journalisten und Politikern glaubte in Wagners Werk Ansätze zur Lösung der politischen Probleme zu erkennen. Dieser Fokus der politischen Rezeption ist nicht zuletzt wegen der vielfach beschriebenen Affinität Hitlers zu Wagners Werk nachvollziehbar und schlüssig. Glücklicherweise beschränkt sich Müller hier nicht allein auf den Nationalsozialismus, der Wagner während des Zweiten Weltkrieges auch als eine Art politische Werbeveranstaltung im besetzten Europa missbrauchte, sondern stellt im ersten Kapitel anschaulich auch die Rezeption und Aneignung des Wagner-Oeuvres während des Kaiserreiches durch öffentlichkeitsscheuen Ludwig II. von Bayern oder den Machtmenschen Kaiser Wilhelm II. nebeneinander, die als Person höchst unterschiedlich, dennoch Wagner auf ihre eigene Weise eng verbunden waren. Während sich der König der Bayern in privaten Vorführungen Wagner annäherte und sich besonders ästhetisch an Wagner orientierte, ja sich sogar eine phantasievolle Gegenwelt schuf, in dessen Zentrum Wagners stand, inszenierte der deutsche Kaiser seine Besuche von Wagner-Opern als mediales Ereignis zur theatralischen, aber dennoch modernen Selbstpräsentation gegenüber seinen Untertanen und der Presse: zum „Fliegenden Holländer“ erschien er stets in der Admiralsuniform. In Müllers drittem Kapitel widmet er sich der Weimarer Republik und beschreibt unter anderem die Verarbeitung von Wagners Stoffen durch Fritz Lang zum modernen Medium Film. In epischer Länge und mit schwindelerregendem Aufwand schuf Lang mit der erzkonservativen Thea von Harbou zwei monumentale Werke, die schon von Siegfried Kracauer als antidemokratisch kritisiert wurden, da sie die Allmacht von Autorität und Diktatur darstellten. Hier verweist Müller auf die emotionale Identifikation des Publikums mit den dargestellten Helden: sie festigten ersehnte und bereits vorhandene Gefühle, die durch das Medium des Films und die zeitgleiche Präsentation von Bild, Mythen und Musik große Suggestionskraft entfachte. An dieser Stelle des Buches merkt man dem Historiker Sven-Oliver Müller seinen gegenwärtigen Forschungsschwerpunkt an: die Schaffung von Gemeinschaften durch Emotionen in der Musik. Dieser Blick ist vor allem für das veränderte gesellschaftliche und kulturelle Umfeld der Nachkriegsjahre interessant. So gewann die SPD 1948 die Stadtratswahlen in Bayreuth nicht zuletzt mit dem eindeutigen Bekenntnis zur Wiedereröffnung der Wagner-Festspiele mit der politisch belasteten Familie Wagners, während die private „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ deutschlandweit Spenden für das erste Spieljahr sammelte. Nach Müller ist dieser Rückgriff auf Wagners Stoffe beispielhaft für das starke Interesse an kulturellen Traditionen, die als Kompensation für die politische Schmach des verlorenen Krieges gelten kann. So ist es nur folgerichtig, dass zur Wiedereröffnung der Festspiele nach dem Krieg politische Diskussionen jedweder Art offiziell als verpönt galten. Durch Ambivalenz wurde Müller zufolge der Umgang mit Wagners Werk im Westen wie im Osten geprägt, wobei in der DDR zusätzlich die Chance gesehen wurde, neben der neuen Politikform mit Hanns Eisler und Paul Dessau auch eine neue Musikkultur zu erschaffen. Durch die Betonung auf die humanistische und bildende Komponente seiner Werke erfolgte auch hier eine rasche Wiederentdeckung, die in zahlreichen Aufführungen vor allem in Dessau mündete. Einen eigenen Abschnitt widmet Müller den zahlreichen Interpretationen der Regisseure und Bühnenbildner. Sie gewannen aufgrund des Einflusses der Familie Wagner in Bayreuth erst in der Nachkriegszeit an Bedeutung. Ausführlicher geht Müller hier auf die umstrittene Inszenierung von Chéreau ein, dessen Interpretation des „Ring der Nibelungen“ 1976 von den Besuchern zunächst mit Trillerpfeifen begleitet und zeitgenössisch von vielen „Wagnerianern“ als „Vergewaltigung“ beschrieben wurde. Heute gilt sie als Klassiker und Maßstab. Folgerichtig reflektiert Müller anschließend über die Zuhörer und Zuschauer der moderneren Wagner-Interpretationen. Nicht zuletzt mit den gesellschaftskritischen Inszenierungen der 70er Jahre sei es Müller zufolge gelungen, ein jüngeres und nicht zuletzt „linkeres“ Publikum nach Bayreuth zu locken. Mit zwinkerndem Auge weißt der Autor hier auf den Bayreuth-Polemiker Horst Krüger hin, der bemerkte, dass sich trotz aller gesellschaftlicher Veränderung und Inszenierung der Wagner-Opern eines nicht geändert hätte: die Abendgarderobe.Sven-Oliver Müller ist es gelungen, das durchaus komplexe Thema der Wagner-Rezeption in Deutschland in einem Buch zu verarbeiten, dass durch angenehme Gestaltung und gute Lesbarkeit überzeugt. Dem sicher dramatischen Leben und der schwierigen Persönlichkeit Wagners setzt er nicht eine weitere von unzähligen Biografien entgegen, sondern betrachtet viel mehr, was an Wagners Werk politisch und ästhetisch die deutschen Gesellschaften der letzten 130 Jahre interessierte. Die Frage zu beantworten, was genau die Epochen an seinem Werk bewegte und warum sich erstaunlich wenig an seiner emotionalen und politischen Präsenz ändert, war längst überfällig. Den Hörer als zentrale Figur des Wagner-Kultes zu entdecken und dadurch die Personen einzelner gesellschaftlicher Gruppen wie auch die zahlreichen „Wagner-Freunde“ und „Wagner-Vereine“ zu betrachten, erweitert die Perspektive gewinnbringend. So regt Müller damit den dem Leser an, letztlich auch sich selbst und sein eigenes Interesse an Wagner zu reflektieren. Frei von jedwedem sprachlichen Überschwang und vorbehaltloser Lobhudelei, wie ihn mancher Wagner-Fan sicher unbeabsichtigt anbringen würde, wählt Müller seine Worte stets bewusst und mit Bedacht. Entstanden ist ein Buch, dass auf fast 300 Seiten anschaulich und nachvollziehbar sowohl für den allgemeiner interessierten Leser geeignet ist, aber auch für historisch und musikalisch gut Bewanderte allerlei Neues und interessante Perspektiven enthält. Auf breiter Quellenbasis entstanden, ist dieses Werk auch für Fachleute der Musik- und Zeitgeschichte von Interesse. Für die zweite Auflage wäre allerdings wünschenswert, wenn der Autor seine wichtigsten Aussagen in einer kurzen Zusammenfassung am Kapitelende zusammenfasst. Das würde einem weniger vorgeprägten Leserkreis den Zugang noch einfacher machen.
HEIDIZ 19.05.2023 amazon.de
Man muss wissen, dass es in diesem Buch nicht um das Werk sondern um das Wirken – eigentlich mehr die Wirkung Wagners geht – und zwar zu seiner Zeit bis ins Heute. Eine sehr interessante Thematik wie ich finde für Leser, die Wagner mögen – aber auch für Leser, die einfach mehr wissen möchten …. – die diesen Menschen, der für uns so zwiespältig ist mit seinem Werk und seinem Leben, seinen Einstellungen usw. – Ich habe versucht, ihn zu begreifen, zu verstehen, welche Wirkung sein Wirken, Denken und Handeln noch heute auf uns hat. Dazu habe ich folgendes Buch zu Hilfe genommen und war begeistert, wie verständlich hier erklärt wird, wie der Autor hinterfragt, Fragen aufwirft und diese beantwortet, dem Leser die Möglichkeit gibt nachzudenken und selbst für sich zu antworten …Inhalt und Gliederung:================Ouvertüre im Februar 1883 – der Tod in Venedig und die Geburt eines GeniesErster Auszug: Viel Feind, viel Ehr – Wagner im deutschen KaiserreichZweiter Auszug: Verletzter Stolz - Wagner in der Weimarer RepublikDritter Auszug: Verherrlichung und Zwang - Wagner und NationalsozialismusVierter Auszug: Schuld und Sühne - Wagner in der frühen Bundesrepublik und in der DDRFünfter Auszug: Sinn und Sinnlichkeit - Deutschland nach der WiedervereinigungFinale: Verliert sich die Spur Richard Wagners im 21. Jahrhundert?Bildmaterial:=========Über das gesamte Buch verteilt ist zahlreiches informative und aussagekräftige Bildmaterial verteilt. (schwarz/weiß) Beispielsweise: Abbildung der Totenmaske Wagners, Trauerzug durch Bayreuth, Abbildung des Handzettels zur Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele im Jahr 1951, Bundeskanzler Gerhard Schröder und der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi in Bayreuth am 18. August 2003 usw. usw. …Leseprobe:========Zu den besorgniserregenden politischen Ereignissen schwieg Hitler sich aus und versuchte stattdessen, den Dirigenten mit Schmeicheleien – freilich gepaart mit einem hohen Bewusstsein des eigenen Wertes– zu beeindrucken und für Bayreuth zu halten. Ähnlich wie Toscanini im Oktober 1931 versucht hatte, die Kunst als politikfreien Raum darzustellen, wurde auch hier ein Kunstraum konstruiert, in dem der deutsche „Führer“ nur dankbar-dienender Zuhörer wie jeder im Publikum war. Die gleichzeitig veranlassten Schritte belegen das Gegenteil: am 4. April 1933 erging in Berlin ein umgehendes Sendeverbot der Aufnahmen oder Kompositionen von sämtlichen Unterzeichnern des Protesttelegramms – nach Toscaninis Absage für die Festspiele wurden sämtliche Aufnahmen mit ihm vom Markt genommen …Dieses Buch ist tiefgründiges Betrachen, ist recherchiertes Darstellen und Beantworten, ist gleichzeitig aber auch Berichten und Erzählen und das alles literarisch auf höchster Ebene. Qualitativ echt sehr wertvoll aus jedem Blickwinkel.Es ist schon Wahnsinn, für was alles auch und gerade heute Wagner „missbraucht“ wird – so hat man z. B. auch eine Cd „Walking with Wagner“ angeführt und sich darüber ausgelassen. Vielseitig wird die Person Wagner dargestellt und beleuchtet. Wagner bietet aufregende und anregende Betrachtungen und so ist auch die Herangehensweise, die uns Leser dieses Buches trägt. Einige verklären ihn, andere wieder verdammen ihn – was ist nun dran am Mythos? Mir wurde einiges klarer vor Augen geführt und erläutert, und deshalb muss ich sagen, dass es das Buch aus vielerlei Sicht wert ist, gelesen zu werden. Man muss sich dafür interessieren, man muss offen sein für die Gedanken – so kann man mit dem Buch durch die gesamte Wagner-Geschichte gehen bis ins Heute.100 Punkte von 100 Punkten !!!!
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