Auf Messers Schneide: Wie das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg verlor
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EAN 9783406719691

Auf Messers Schneide: Wie das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg verlor

Hersteller: Holger Afflerbach  ·  MPN: 1481221
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Auf Messers Schneide | Wie das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg verlor | Holger Afflerbach | Buch

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 3 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 10.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein faszinierendes und sehr gut recherchiertes Werk, das die Geschichte des Ausgangs des Ersten Weltkriegs auf beeindruckende Weise darstellt. Die Darstellung von Holger Afflerbach ist hervorragend und man wird tief in die Epoche eintauchen.
Redaktion 10.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Klasse!
Benjamin 18.05.2023 amazon.de
Holger Afflerbach ist ein renommierter Historiker, der sich in mehreren (teils sehr ausführlichen) Abhandlungen mit wichtigen Einzelaspekten des großen Kriegs auseinandergesetzt hat. Das vorliegende Buch ist nun eine daraus abgeleitete Gesamtdarstellung des Kriegs.Afflerbach geht chronologisch/strukturell vor, d.h. er nimmt den Kriegsverlauf zwar als Richtschnur, baut gleichzeitig aber strukturell-analysierende Passagen ein, etwa zur Lage der "Heimatfront". Tatsächlich wird das militärische Geschehen nicht vernachlässigt, es ist aber nicht der Schwerpunkt der Darstellung. So wird der Krieg in den Kolonien oder auf hoher See (letzterer spielte aber - außer im U-Bootkrieg - ohnehin keine wichtige Rolle) nur sehr punktuell gestreift. Schwerpunkte sind einerseits die Handlungen auf militärischer Ebene, andererseits deren Rückkoppelung auf der politischen Ebene. Dieses Wechselspiel sowohl auf der Seite der Mittelmächte als auch auf Seite der Alliierten ist für Afflerbach entscheidend. Auf Grundlage breiter Quellenkenntnisse und Studium der modernen Fachliteratur, zeichnet Afflerbach ein Bild krasser Fehlanalysen und daraus entstandenen fatalen Entscheidungen.Afflerbachs zentrale These lautet, dass der Erste Weltkrieg keineswegs ein unausweichliches Ende hatte, der Ausgang stand vielmehr lange Zeit auf "Messers Schneide". Er entlastet keine Seite von ihrer Mitschuld am jahrelangen und letztlich völlig sinnlosen Zerfleischungskrieg. Die Mittelmächte nahmen den Konflikt eher leichtfertig in Kauf und gerade die deutsche Heeresleitung war in den ersten Wochen siegestrunken - ungerechtfertigterweise, wie sich schnell herausstellen sollte. Der militärischen und politischen Führung des Kaiserreichs unterliefen fatale Fehler, die zu Massenschlachten wie Verdun führten, die einen hohen Blutzoll forderten, aber keine Entscheidung herbeiführten. Hinzu kamen teilweise haarsträubende Fehlinterpretationen, so bei der Einschätzung der Kampfkraft der eigenen Truppen, denen das Oberkommando an der Westfront Übermenschliches abverlangte und nicht die Erschöpfung physischer und psychischer Art einkalkulierte, die der Grabenkrieg mit seinen hohen Verlustraten für nur minimale Geländegewinne abforderte.Auch den Alliierten unterliefen einige Fehler, doch für Afflerbach ist entscheidend, dass sie sich für jede Art von deutschen Friedensbemühungen im Krieg systematisch sperrten, obwohl die deutsche Seite dreimal Verhandlungen anbot. Auf alliierter Seite gab es nur eine Vorgabe: ein vollständiger Sieg über Deutschland und seine Verbündeten. Dies war ein Grund für die lange Dauer des Krieges und die sich steigernde Verbissenheit. Deutschland schwenkte 1918 ebenfalls auf diese Linie ein, nachdem die Versorgungslage sich dramatisch verschlechtert hatte und alle Friedensangebote abgewiesen worden waren.Afflerbach kommt zu dem Schluss, dass ein alliierter Sieg nicht einmal der wahrscheinlichste Ausgang gewesen ist, vielmehr wäre es ein Unentschieden an der Westfront gewesen. Das deutsche Heer hätte auch nach Ankunft amerikanischer Truppen die innere Linie im Westen nutzen können, vor allem, nachdem im März 1918 Russland als Gegner ausfiel. Die Versorgungslage mit Maschinengewehren und Munition war gut und die Geländebefestigungen ausreichend - Tanks waren einschüchternd, aber durch Artillerie und Tankgewehre bezwingbar. So meint Afflerbach, dass das Westheer in der Defensive ein erschreckender Gegner gewesen wäre - doch Ludendorff setzte sich mit einem Plan einer Frühjahrsoffensive durch, die fatal für das deutsche Heer endete. Deutschland hatte sich damit praktisch selbst aus dem Spiel genommen.Am Ende des Buches hat man von der politisch-militärischen Führung beider Seiten einen wenig guten Eindruck - vor allem weil es möglich schien, die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" vielleicht nicht völlig zu vermeiden, aber sie drastisch zu verkürzen und so eine vergiftete politische Landschaft wie nach 1918 zu vermeiden, mit all den bekannten Folgen, wie sie Robert Gerwarth in seinem Buch "Die Besiegten" meisterhaft beschrieben hat.Afflerbach hat ein interessantes, überaus lesenswertes und lehrreiches Buch geschrieben - und das zu einem Thema, wo fast alles geschrieben worden ist. Abseits der bekannten Standardwerke (Leonhard, Strachan, Mommsen, Hirschfeld, Krumeich u.a.) sollte man für einen etwas anderen Blick nun auch Afflerbach lesen. Es lohnt sich in jedem Fall.
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