Ich habe insgesamt 23 Bücher zu diesem Themengebiet in meinem Regal stehen – dieses ist mit Abstand das beste und wertvollste.Allerdings sei zu Anfang schon einmal vorgewarnt: Weder politisch Linke noch politisch Rechte werden bequeme, einfache Antworten darin finden.Koopmans analysiert nüchtern und wissenschaftlich, inwiefern es religiöse Ursachen für den aktuellen besorgniserregenden Zustand der islamischen Welt und den muslimischen Communities weltweit gibt.In diesem Buch erfährt man:- weshalb die Demokratisierung an der islamischen Welt vorbei gegangen ist- wo die religiösen Ursachen der Unfreiheit liegen- wie sich der radikalislamische Fundamentalismus ausbreiten konnte- wo die Ursachen für die wirtschaftliche Stagnation der islamischen Welt liegen- wieso die Integration muslimischer Migranten weniger erfolgreich verläuft als die anderer Einwanderergruppen- und schlussendlich das Fazit, ob und inwiefern sich der Islam vom Fundamentalismus befreien kannDas Besondere an Koopmans ist, dass er keine Agenda verfolgt. Weder will er den Islam per se schlecht machen, noch versucht er, aus pädagogischer Intention Probleme schönzureden. Er sieht sich einzig und allein dem Erkenntnisgewinn verpflichtet und lädt in seinem Buch ausdrücklich dazu ein, seine Gedanken und Ergebnisse zu hinterfragen, zu korrigieren und zu ergänzen. Als Leiter des Bereichs Migration und Integration des WZB (das europaweit größte sozialwissenschaftliche Institut) und gefragter Experte in diesem Themengebiet zählt Koopmans zu den renommiertesten und meistzitierten Sozialwissenschaftlern der Gegenwart.Ich kann jeden - egal welcher politischen oder konfessionellen Coleur - nur dazu einladen, dieses Buch zu lesen. Ihr werdet es nicht bereuen.
Interessantes und wichtiges Buch. Ich hätte mir gewünscht, dass der Autor im ersten Kapitel unter "Vergangener Ruhm" sich sehr viel differenzierter und ausgewogener mit der Geschichte auseinandersetzt.Neben "vergangenem Ruhm" gab es zur gleichen Zeit auch sehr viel Elend.Empfehlenswert diesbezüglich u.a. :Brian Catlos:" Geschichte des islamischen Spanien"Artikel: "Pflichtlektüre: Der Mythos von Al Andalus"S. Gouguenheim: "Aristoteles auf dem Mont Saint Michel", das, obwohl sachlich und fundiert, linientreu verrissen wurde...
Wenn das Buch seinen Untertitel, die Ursachen der Gewalt in der islamischen Welt zu erforschen wahr machen würde, wäre dies wirklich großartig. Nur geschieht dies nicht, außer mangelnder Bildung bis zu hohen Prozentzahlen bezüglich Analphabetismus bis zu einem starren Gesellschaftssystem, welches immer weniger Antworten auf die moderne Welt findet, kommt da nichts.Damit möchte ich nicht sagen, dass es ein schlechtes Buch ist, nur analysiert der Autor nur Zahlen und fragt nicht nach, was hinter ihnen steckt. So schreibt er z.B. dass libanesische Christen in Australien mehr verdienen als muslimische Libanesen. Dabei bleibt er auch, und schreibt z.B. nicht, dass Christen im Libanon zur gut gebildeten Oberschicht gehören, was sich bei den Erfolgen in Australien fortpflanzt.Insgesamt ist sein Ansatz, Länder zu vergleichen, welche sich in Bezug auf Kolonisationsdauer, Bevölkerung und geographische Lage gleichen durchaus interessant. So sind Länder mit langer Kolonisationsdauer in der Regel häufiger demokratisch als Länder mit kürzerer – außer in der islamischen Welt. Nur fängt mit dieser Feststellung die eigentliche Untersuchung erst an, warum dies so ist, der Autor belässt es beim Vergleich. Als Soziologe sollte man eigentlich über Bildung damit verbundenes Einommen Bescheid wissen.Ein anderes Beispiel ist der Vergleich zwischen den islamischen Maledieven und dem hinduistischen Mauritius, welche ähnlich Daten aufweisen. Während Mauritius sich gut entwickelt hat, schafften die Malediven erst 1981 die Sklaverei ab und verfolgen faktische Sklaverei trotz Verbotes kaum. Weitere Erklärungen zu der unterschiedlichen Entwicklung gibt es nicht.Auch zu den blutigen Rädern des Islam fällt ihm nur ein, dass es sie eben gibt, geschweige denn zu innerislamischen Konflikten.Letztendlich habe ich nur die Studien zu Deutschland als wirklich interessant empfunden, wie dass Iraner deswegen erfolgreicher sind, da sie vor religiösen Konflikten geflohen sind, und entsprechend weniger religiös und in ein gesellschaftliches Korsett gezwängt als Türken oder Araber, welche religiös sind und unter sich bleiben. Pflegen die Leute gemischte Freundschaften, so gebt sich die Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt auf. Auch ist es zwangsläufig nachteilig, wenn nur ausländische Medien konsumiert werden, und man über die Lage im Inland gar nichts weiß.Ein wenig verlogen fand ich, dass aufgeführt wurde, dass liberale Moscheen, in denen auch Frauen predigen dürfen, bedroht werden. Wer die Rechte der Frauen in der katholischen Kirche kennt, weiß, was ich meine.FazitDas Buch hört mit den Analysen da auf, wo sie eigentlich erst anfangen.