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Der Stammhalter | Roman einer Familie | Alexander Münninghoff | Taschenbuch | broschiert | 334 S.
Bewertungen & Erfahrungen
4,3 von 5,0
6 Bewertungen
5 ★3
4 ★2
3 ★1
2 ★0
1 ★0
Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion11.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist einfach unglaublich und hat mich von Seite zu Seite gefesselt; ich habe es wirklich atemlos gelesen. Eine fantastische Lektüre für alle Fans von spannenden Familiengeschichten.
Redaktion11.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist wirklich überwältigend und ich habe es atemlos gelesen, es ist ein großartiges Leseerlebnis. Die Geschichte über den findigen Großvater und seine Familie ist sehr fesselnd.
Sprachlich und vom Stil ist dieses Buch sicher kein Leckerbissen, doch das Leben des Stammhalters und seiner Familie ist ein spannender Ritt durch die Geschichte Europas. Höchst unterhaltend !
Eine solche Familiengeschichte kann sich ein Autor fiktiver Romane kaum ausdenken; das muss man einfach erlebt haben: Auf eine Zeitspanne von hundert Jahren oder drei Generationen blickt der niederländische, 1944 noch in Posen geborene Journalist und Autor Alexander Münninghoff (74) in seiner Autobiografie „Der Stammhalter“ zurück, deren holländisches Original (2015) zweifach prämiert wurde, in den Niederlanden gerade als zehnteilige TV-Serie verfilmt wird und im Juli beim C.H. Beck-Verlag in deutscher Übersetzung erschien. Es ist eine abenteuerliche Familiensaga über den teils historisch bedingten, größtenteils aber selbst verschuldeten Niedergang seiner einst wohlhabenden Industriellenfamilie.Mitten im Ersten Weltkrieg baut sich Großvater Joannes Münninghoff als Niederländer im lettischen Riga ein mächtiges Industrie-Imperium, wozu vermutlich auch der Waffenhandel gehört, sowie ein weit verzweigtes Netzwerk in den deutsch-baltischen Adel auf. Mit Ehefrau Erica, einer russischen Gräfin, führt er in den Jahren zwischen den Kriegen ein entsprechend mondänes Leben auf eigenem Gutshof. Erst durch die sowjetische Okkupation verliert die Familie alles und muss in die Niederlande zurückkehren. Joan ist es in diesen Jahren nicht gelungen, seinen Erstgeborenen Frans zu einem echten Niederländer zu machen, um ihn zum Stammhalter seines in den Niederlanden neu geschaffenen Imperiums zu machen, das er sich dank seiner alten Verbindungen in höchste katholische und politische Gesellschaftskreise sowie nicht immer mit legalen Mitteln aufbauen konnte.Denn Frans Münninghoff fühlt sich trotz niederländischer Staatsangehörigkeit als echter Deutscher, bedingt durch seine Jugend im deutsch-baltischen Adel. Er tritt als der Waffen-SS bei, kämpft an der Ostfront und heiratet gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters eine Deutsche. Da Frans demnach nicht zum Erben taugt, sieht Joan bald seinen Enkel Alexander als Stammhalter. Doch seine Mutter, inzwischen von Frans geschieden, flieht mit ihrem kleinen Sohn nach Deutschland zu ihrer Mutter. Allerdings lässt ihn sein Großvater in die Niederlande entführen, wo der „Stammhalter“ zunächst beim Vater Frans aufwächst.Alexander Münninghoff beschreibt einerseits spannend, andererseits sachlich den Niedergang seiner Familie, die durch familiäre Verbindungen nach Dänemark, Russland und in den deutsch-baltischen Adels und nach Wohlstandsleben in Lettland nun in den wirren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg erfolglos versucht, in den Niederlanden neue Wurzeln zu schlagen. Aber gerade diese Wurzellosigkeit des Autors, der zudem fern der leiblichen Mutter und ungeliebt vom Vater von Kindesbeinen an auf sich allein gestellt ist, macht es ihm wohl möglich, mit erstaunlichem Abstand und völlig unaufgeregt, gelegentlich sogar mit humoristischem oder satirischem Unterton, den Lebensweg seiner beiden Vorfahren und ihres familiären Umfeldes wie fremde Personen in den geschichtlichen Turbulenzen des 20. Jahrhunderts zu beschreiben. Vieles ist von ihm selbst beobachtet, vieles aus Briefen angelesen, manches von Angehörigen zugetragen. Münninghoff lässt die Leser seiner Autobiographie nachempfinden, wie sich seine Familie spätestens nach dem Tod ihres Patriarchen, seines Großvaters, allmählich auflöst und die in einst besseren Zeiten noch eingeschworene Gemeinschaft zerfällt.Nicht immer ist es als unbeteiligter Leser einfach, dem Geschehen in jeder Konsequenz zu folgen und alle Ereignisse in ihren chronologischen oder causalen Zusammenhang zu stellen, da Münninghoff allzu viele Nebenfiguren – entfernte Verwandte und Freunde, Schul- oder Kriegskameraden – in seine Familiengeschichte einbezieht. Manche Fakten, die für seine eigene Biografie und die seiner Familie wichtig sein mögen, sind für uns unbeteiligte Leser verzichtbar. Der Spannungsbogen wäre dichter gewesen, hätte der Autor auf solche Abschweifungen verzichtet. Davon abgesehen, ist „Der Stammhalter“ eine lesenswerte Autobiographie und Familiengeschichte auch für deutsche Leser, zumal vor allem das politische Verhältnis in den Nachkriegsjahren zwischen den Niederlanden und Belgien auf der einen und Deutschland als einstige Besatzungsmacht auf der anderen Seite treffend geschildert wird.
Anfangs habe ich den Roman gerne gelesen - allein der Einstieg ins Buch ist gut, der hält einen erstmal bei der Stange.Allerdings ergeht sich der Autor, der erst unlängst verstorben ist, dann in sehr ausschweifenden Episoden über meist völlig unwichtige Leute; mir kam das irgendwann vor wie einer dieser alten russischen Literaturschinken, in denen man sich auch immer endlos viele Namen merken muss - da steige ich dann irgendwann aus, weil ich immer Sorge habe, die eigentliche Familiengeschichte aus den Augen zu verlieren.Zudem - das muss man leider so sagen - war Alexander Münninghoff kein begnadeter Autor, dem die Romanform wirklich lag, vielleicht ist es auch schwierig, einen Roman über die eigene Familie zu verfassen, weil man zu nah dran ist, jedenfalls finde ich den Roman über weite Stellen "zu journalisitisch": Ein Journalist, und das war Alexander Münninghoff ja in erster Linie - kann eben nicht automatisch auch gute Romane schreiben, weil es dafür einen ganz anderen Stil benötigt, der dem Autor leider nicht gegeben war.Ein wenig hatte ich immer den Eindruck, Alexander Münninghoff wollte so etwas Ähnliches wie "Die Buddenbrooks" abliefern - das Werk von Thomas Mann trägt den Untertitel "Verfall einer Familie", Alexander Münninghoff wählt für seinen Roman den Untertitel "Roman einer Familie".Nüchtern betrachtet ist seine Geschichte zwar interessant - nicht zuletzt, weil ein Bogen zwischen Lettland und den Niederlanden gespannt wird, zwei Länder, die in der Roman-Welt ja sonst eher stiefmütterlich behandelt werden - letztlich aber doch auch nicht so ungewöhnlich, wenn man sie im Kontext der damaligen Zeit betrachtet. Ich glaube, da gibt es viele ähnliche Familiengeschichten, nicht zuletzt meine eigene, und ja, sie sind immer tragisch, immer traurig, und man merkt da erst, was man selber für eine Hypothek seiner Vorfahren auf den eigenen Schultern mitschleppt, aber so wahnsinnig außergewöhnlich sind sie eben auch nicht.Ich gebe es zu: Gegen Ende habe ich den Roman nur noch quergelesen, stellenweise langweilte mich das alles dann auch etwas, zumal es eben stilistisch auch nicht herausragend ist.3 wohlverdiente Sterne gibt es aber trotzdem, denn grundsätzlich hat ja jeder das Recht, die eigene Familiengeschichte auf seine Weise aufzuarbeiten, und außerdem hat sich der Autor - Journalist hin, Journalist her, tatsächlich stets darum bemüht, seine Protagonisten nahbar zu machen, indem er sie - zwar teilweise zu ausufernd - aber doch meist einfühlsam beschreibt.
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Letzte Aktualisierung: 15.10.2026 06:19 Uhr.