Nach „Caesar“ legt Markus Schauer nun sein zweites Buch über das Ende der Republik vor. Während bei „Caesar“ dessen Werk Bellum Gallicum im Mittelpunkt stand, ist „Triumvirat“ eine rein historische Darstellung, die die wohl bestbekannte und am reichsten überlieferte Epoche der römischen Antike zwischen zwei Buchdeckel packt. Allerdings kommen auch hier erfreulich viele Originalquellen zu Wort, v.a. Plutarch, Diodor und Cicero, der ja mit seinen Briefen ein unmittelbarer Zeitzeuge ist.Nach einer knappen Vorstellung der drei Männer zieht Schauer einen großen Bogen von der Gracchenzeit bis zum Tod Caesars, des letzten „Kopfes“ des „dreiköpfigen Ungeheuers“. Er widmet sich somit ausführlich den Zeitumständen, in denen die drei Männer aufgewachsen sind und die sie geprägt haben. Man muss wissen, woher sie (und ihre Zeitgenossen) kommen, um zu verstehen, wer sie sind – das wird hier sehr deutlich.Die Triumvirn werden in einer Art Dreifachbiografie dargestellt, Phase für Phase wechselnd zwischen einer allgemeinen Darstellung der geschichtlichen Ereignisse und einer Fokussierung auf jeden der Drei: Wo waren und was taten Pompeius, Caesar und Crassus in dem jeweiligen Zeitraum? Durch diesen Kunstgriff bringt Schauer es fertig, jeden von ihnen Profil gewinnen zu lassen – alle Drei waren von Ehrgeiz zerfressen, gierig nach Macht und Geltung, wie es ihrer Zeit und ihrer Klasse entsprach – und doch waren sie ganz unterschiedliche Charaktere.Wie schon das Caesarbuch, so punktet auch dieses durch den klaren, flüssigen und zugleich kühlen Stil, dem alles Reißerische fehlt und der doch zu packen versteht. Bei allem Verstehen, aller Anerkennung auch für ihre unbestreitbaren Leistungen, fehlt doch jede Anbiederung an diese Männer, die ihrem Ehrgeiz alles, viele Menschenleben und zuletzt auch die Republik opferten.Aber nicht nur der Stil macht das Buch lesenswert, sondern auch die Genauigkeit im Detail: Zahlreiche Einzelfragen finden sich hier klarer beschrieben, als zumindest ich sie bisher gelesen habe.Highlights in dem Buch sind für mich gerade die Darstellung der „Vorgeschichte“, einer beispiellos verworrenen und gewalttätigen, aber selten lesbar erzählten Epoche. Ein Geheimtipp für Geschichtsstudenten dürfte das Theoriekapitel sein, in dem Elias, Bourdieu und andere einschlägige Theoretiker ziemlich niedrigschwellig erläutert sind. Doch wie schon gesagt, der Rest des Buches verzichtet auf Fachchinesisch und spricht jeden an, der sich für die römische Republik und für die Mechanismen der Macht interessiert. Empfehlenswert!
Kurz und klar:• Lebendig geschriebenes, spannendes Panorama einer Umbruchszeit• Viele Originalstimmen zeigen die Sicht der Zeitgenossen• Beschreibt die Spätphase der Republik und warum ihr Münden in die Alleinherrschaft fast unvermeidlich war.Schauers Schilderung des Stolperns der römischen Republik in Bürgerkrieg und Untergang ist nicht nur spannend wie ein moderner Politthriller. Es ist zugleich auch ein Lehrstück, wohin eine Mischung aus Machtstreben, Ruhmsucht, Standesdünkel, Egoismus, Blindheit und Intrigantentum führen kann. So versteht man, warum die anschließende (maßvolle) Alleinherrschaft eines Einzelnen (Augustus) von der großen Menge des Volkes wie der Oberschicht als (Er)Lösung empfunden wurde. Diese Etablierung der römischen „Kaiserherrschaft“, deren Vorbild Europa bis 1918 prägen sollte, war die wohl gravierendste Folge des Scheiterns der Republik.Schon von antiken Autoren wurde der Beginn des „Untergangs“ auf die Zeit nach der Zerstörung Karthagos (146 v.Chr.) und der Eroberung Griechenlands datiert, als der große Angstgegner wegfiel und neue Provinzen immer mehr Geld nach Rom spülten. Entscheidend war auch die nach den Niederlagen gegen die Kimbern und Teutonen um 100 v. Chr. von Marius durchgeführte Heeresreform, die die bis dahin den wohlhabenden Bürgern (die sich den unbezahlten Ehrendienst in der Armee leisten konnten) vorbehaltenen Legionen auch den armen Schichten öffnete. Diese neuen Soldaten machten das Kämpfen zu ihrem Beruf, was der professionellen Effizienz zugute kam. Sie waren zugleich aber für ihre Besoldung und ihre Abfindung auf den Erfolg und das Wohlwollen ihres jeweiligen Feldherrn angewiesen. So galt ihre Loyalität bald mehr diesen starken Männern als der abstrakten, vom Politklüngel beherrschten Republik.Aber nicht nur deswegen ist die (oft verwirrende) Zeit der späten römischen Republik auch heute noch faszinierend, sondern auch wegen der kreativen Intrigen und Winkelzüge, mit denen die Akteure sich gegenseitig auszutricksen versuchten, und die stark an moderne Verhältnisse (z.B. in den USA) erinnern. Dabei wurden die verschachtelten, auf Machtbalance ausgerichteten Strukturen der Republik z.B. bei der Diskussion der Ackergesetze zur Veteranenversorgung skrupellos zur Behinderung politischer Gegner missbraucht. Catos die Tagesordnung sprengenden Dauerreden gehörten dabei noch zu den harmlosen Mitteln; in einem anderen Fall ließ ein Volkstribun einen Konsul ins Gefängnis werfen, worauf dieser die Mauer aufbrechen ließ, um dort seine Sitzungen mit Senatoren abhalten zu können (S. 262). Als besonders kreativ erwiese sich Bibulus, Mitkonsul und Gegner Caesars, der ausgiebig die Möglichkeit nutzte, durch unheilverkündende Vogelschauen sämtliche Senatsbeschlüsse des jeweiligen Tages im Nachhinein für ungültig zu erklären (S. 276). Kein Wunder, dass den betroffenen starken Männern Pompeius und Caesar irgendwann der Kragen platzte und sie durch ein Dreierbündnis mit dem reichen Crassus die Macht an sich rissen. Interessant ist auch der Vergleich der faktischen Alleinherrscher Sulla und Caesar: Während ersterer seine politischen Gegner auszurotten trachtete, ließ Caesar - ganz in der Tradition römischer Herrschaftsexpansion - seine berühmte Milde walten, um auch ehemalige Feinde in sein System einzubinden. Dass dies nicht immer gelang, zeigt der Fall des Brutus, des späteren Caesarmörders.Aus dem Fundus an Originalzitaten, die alleine schon das Buch so überaus lesenswert machen, seien hier nur drei herausgegriffen.So meinte der Starredner und Senator Cicero einst frustriert:„Aber sage ich in der politischen Debatte, was sich gehört, erklärt man mich für verrückt; sage ich, was zweckmäßig ist, gelte ich als Knecht (der Triumvirn); schweige ich, so heißt es, ich sei gefangen und geknebelt. (…) Ich hätte schon Lust zu streiken und mich in den Hafen des Nichtstuns zu flüchten.“ (S 286).Über Cato den Jüngeren, einen unbeugsamen Vertreter der alten Senatsrepublik, schrieb Cicero an einen Freund: „Gewiss, unseren Cato schätze ich nicht weniger als du, aber in seiner anständigen Gesinnung und unerschütterlichen Zuverlässigkeit richtet er doch bisweilen Unheil in der Politik an. Er stellt Anträge, als ob er sich in Platons Idealstaat und nicht im Schweinestall des Romulus befände.“ (S. 253).Cassius Dio, Senator und Verfasser einer Römischen Geschichte, berichtet über Catos resignierende letzte Worte an seinen Sohn: „Ich bin in einer freien Welt, die sich der Redefreiheit erfreute, aufgewachsen und kann mich auf meine alten Tage nicht mehr ändern und auf Sklaverei umlernen. Du hingegen wurdest unter solchen Verhältnissen geboren und großgezogen und musst der Gottheit dienen, die dein Schicksal bestimmt.“ (Cato nahm sich lieber im Kreise seiner Freunde das Leben, anstatt sich vom siegreichen Caesar begnadigen zu lassen; S. 363).Mein Fazit: Ein unbedingt lesenswertes Buch!