"Warum ich nicht mehr glaube", ein Buch das mein Herz bewegt. Faix, Hofmann und Künkler stellen sich in "Warum ich nicht mehr glaube: wenn junge Erwachsene den Glauben verlieren" der Tatsache, dass junge Menschen aus verschiedensten Motiven dem christlichen Glauben den Rücken kehren. Aus acht qualitativen Interviews wurden Lebensberichte von jungen Menschen zusammengestellt, die einen ehrlichen und tiefen Einblick in ihr Erleben und Fühlen geben. So erzählt der „Zweifler“ Nicolo, welcher in einer Freikirche konservativer Tradition aufgewachsen ist:„Ich habe weiter als Christ gelebt und habe eigentlich mit niemandem darüber geredet (über die Dekonversion, Anm. DJ). Ich wollte das mit mir und mit Gott ausmachen. Ich habe viele Bücher gelesen und viel in der Bibel gelesen, über Monate ging das so. Und ich habe viel gekämpft und langsam, langsam merkte ich: Das passt hier nicht. Hier ist etwas falsch. Und dann habe ich gesagt: Ich glaube nicht mehr an Gott.“Die Autoren gehen der Frage nach, welche Motive zu einer Dekonversion führen sind und was darin die Verantwortung der Kirche ist. Der Kreis schliesst sich in den Anfragen der Interviewpartner wieder und führt zu den vorhergehenden Büchern: Wieso lässt Gott das Leid zu wenn er es verhindern könnte? Wieso werden gewisse Personengruppen von gewissen Christen ausgeschlossen (Homosexualität)? Wieso wird gesagt, dass die Bibel wörtlich genommen wird, aber nur dort wo es einem gerade so passt?Und das Buch führte bei mir selber zu weiteren Fragen: Gibt es in der Kirche Raum für Zweifel? Wo ist Glaube nur Religion und wo haben sich unmerklich Regelwerke herausgebildet die nicht hinterfragt werden? Wie sieht ein erwachsener Glaube aus? Wo findet sich die oft proklamierte Freiheit des christlichen Glaubens wirklich? Wo sind meine Anfragen an Gott, die Bibel, den Glauben und wage ich diese Fragen zu stellen?Ein erwachsener Glaube zeichnet sich doch gerade dadurch aus, dass man sich diesen Fragen stellt und sich von ihnen bewegen lässt, ohne bereits im Voraus zu wissen, worauf die Antwort hinausläuft. Dialog statt Diskussion, finden neuer Wege und Ansätze im Gespräch miteinander und der Bibel. Persönlich merke ich, wie mein Glaube an Gott dadurch nicht kleiner, sondern durch diese Faszination an der Freiheit gerade grösser wird! Wie befreiend ist es für mich, nicht glauben zu müssen, dass die Bibel wortwörtlich „eingegeben“ wurde, dass ich nicht glauben muss, dass Mose alle fünf Bücher in einem Zug selber runtergeschrieben hat. Vielleicht wurde an die klassische Bibelstelle (2Tim 3,16f.) zum „Beweis“ für die Inspiration ja einfach die falsche Frage herangetragen? Vielleicht geht es bei dieser Stelle weniger um die Frage nach der Inspiration als um die Aussage, dass uns die Bibel für „jedes gute Werk“ ausrüstet? Oder wie es N.T. Wright betont:„Mit anderen Worten: Die Bibel ist nicht für Menschen da, die einfach einige Dinge nachschlagen und sicherstellen wollen, dass sie recht haben. Sie ist dazu da, Gottes Volk auszurüsten, damit es die Absichten Gottes – den neuen Bund und die neue Schöpfung – vorantreiben kann. Sie ist dazu da, Menschen zu befähigen, für Gerechtigkeit zu arbeiten. Sie ist dazu da, den Menschen beim Kampf für Gerechtigkeit die Spiritualität zu erhalten. Sie ist dazu da, auf jeder Ebene Beziehungen herzustellen und zu fördern. Sie ist dazu da, jene neue Schöpfung hervorzubringen, die etwas von Gottes eigener Schönheit widerspiegelt.“Das Buch will, wie ich denke, bewusst keine Antworten auf die Fragen der jungen Leute geben sondern Raum schaffen für eben solche. Nicht die Verteidigung des Glaubens mit einem um sich Werfen von Bibelstellen ist das Ziel (siehe Kritik anderer Rezensionen), sondern die Anregung des Lesers, sich Gedanken zu einem empirisch nachgewiesenen Phänomen zu machen.Wieso aus diesem Buch der Glaube der Verfasser angezweifelt werden kann ist mir schleierhaft (siehe auch dazu das Urteil in anderen Rezensionen) und zeugt eben gerade vom Unverständnis und der Lieblosigkeit im christlichen Kontext, welche junge Leute dazu bewegt, einem solchen Glauben den Rücken zu kehren.
Ich habe mich entschieden 5 Sterne zu vergeben, weil sich die Autoren mit einem wirklichen Problem der Kirchen und Gemeinden beschäftigen wollen, was nicht unbedingt schön ist, aber sehr ernst. Martin Hoffman sagte in einem Interview bei Bibel TV, Einige wenden sich sogar komplett von Gemeinde und Glauben ab, nur weil sie umgezogen sind. Das widerspiegelt nur oberflächlich betrachtet schon die Problemlage, die Relevanz des Christentums in unseren Breitengraden hat deutlich abgenommen. Die Autoren gehen dem traurigen Tatbestand nach, das wir ganz nüchtern betrachtet, nicht nur ein verschwinden des christlichen Glaubens im Westen verzeichnen können, sondern dass auch noch Kirchen und Gemeinden aktiv dazu beitragen.Wir wissen, wenn man wirklich ein Problem hat sucht man auch wirklich eine Lösung, wenn ich im Kleiderschrank nichts mehr wieder finde werde ich aufräumen, oft ist es ein Schmerz, der uns zum Handeln bewegt. Sicher ist das auch so bei diesem Buch, so mansch eine Geschichte kann einen traurig stimmen, und die Autoren wollen bewusst machen, sensibilisieren und analysieren, was vor sich geht. Für mich ist das eine zutiefst liebevolle Auseinandersetzung mit Kirche und Gemeinde und den Menschen, die Jesus folgen möchten, weil dieses Buch so gut aufzeigt, wie man mit Anderen eben nicht umgeht. Ich finde es ganz ausgesprochen gut, wie die Autoren über die Personen schreiben, die schlechte Erfahrungen gemacht haben und ihnen den Glauben nicht absprechen, das zeugt doch von einer starken Reife, die leider immer wieder christliche Leiter vermissen lassen.Ich habe mir mal den Spass gemacht und geschaut, ob das Buch in der theologischen Abteilung der Umpolt Universität zu Berlin gelistet wird, weil ich da ab und zu Sachen suche und tatsächlich, es ist im Bestand. Das finde ich eine ganz tolle Entwicklung, die Autoren haben hier wissenschaftlich gearbeitet, ganz einfach, aber sauber und ich finde das passt auch. Sie arbeiten im Buch mit der Kombination einer quantitativen und qualitativen Forschung. Am Ende kristallisieren sie 4 Motive heraus, die so mancher Christin und so manchem Christ Land auf, Land abwärts Bauchschmerzen bereiten und sie vor Herausforderungen stellen. Herausforderungen, die so nicht sein müssten. Schön, ich freu mich über dieses Buch, das ist ein Schritt in die richtige Richtung und das Buch spricht die Sprache unserer Zeit. Die Autoren geben Gemeinde und Kirche keineswegs auf, sondern im Gegenteil, sie wünschen sich auch Gemeinschaften, die ein Segen sind. Ich würde sagen es geht im weitesten Sinne auch um die Gemeindekultur, den Charakter einer christlichen Gruppe und der darf nicht antithetisch sein, weil die Gruppe sich sonst selbst zerstören könnte, wie wir gesehen haben. Die Autoren leisten einen wirklichen Beitrag für eine gute reflektierte Gemeindkultur und eine liebesvolles, soziales Miteinander. Ich muss sagen, ich bin wirklich begeistert von dem Ansatz des Buches und ganz überwältigt, wie gut sie das machen.Das Buch ist auf jeden Fall Pflichtlektüre für angehende Multiplikatoren, die in der Gemeinde mal Verantwortung übernehmen wollen und solche, die es schon tun, einfach um sensibilisiert zu werden für diese Fragen in unseren Breitengraden. Dazu muss man dann eigentlich noch ein Buch lesen, was sich mit Bekehrung beschäftigt oder dem Weg dahin, weil die Kirche im Westen komplett gesehen schrumpft und dringend eine Neubelebung benötigt. Dazu ist mir positiv aufgefallen: Johannes Reimers Buch Hereinspaziert: Evangelisation und Willkommenskultur.Beste GrüßeTripleact Centerflow / YouTube