Der Trend beruht auf den letzten 14 Tagen des Preisverlaufs und ist
keine Vorhersage. Gezeigt wird je Tag der niedrigste Preis aller bei uns
gelisteten Shops — Angebote, die wir nicht erfassen, sind nicht enthalten.
Browser-Benachrichtigung bei PreissenkungWir melden uns, sobald es günstiger wird als heute (14,00 €) — höchstens einmal am Tag. Ohne E-Mail, ohne Konto, jederzeit abbestellbar. Amazon-Angebote sind ausgenommen. Datenschutz
Hinweis: Amazon-Preise sind in der Preisverfolgung bzw. im
Preisverlaufsgraphen nicht enthalten. Wir versenden keine
Benachrichtigungen zu Produkten über Amazon.
Der Judas des Leonardo | Leo Perutz | Taschenbuch | 215 S. | Deutsch | 2005 | EAN 9783423133043
Bewertungen & Erfahrungen
4,8 von 5,0
5 Bewertungen
5 ★4
4 ★1
3 ★0
2 ★0
1 ★0
Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.
Wir bündeln Bewertungen aus verschiedenen Quellen
und geprüfte Nutzerbewertungen von testmonster.de, um dir ein ehrliches Gesamtbild zu geben.
Redaktion04.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein sehr interessanter und packender historischer Roman, der die Themen Kunst und menschliche Beziehungen wunderbar miteinander verknüpft. Die Geschichte fesselt von Anfang bis Ende, auch wenn man an einigen Stellen etwas mehr Tiefe hätte wünscht.
An der Wende von Quattro- zum Cinquecento arbeitet Leonardo an seinem berühmten „Abendmahl“, kommt aber nicht recht voran, weil ihm für die abzubildenden Personen, insbesondere den Judas, die naturalistische Vorlage fehlt. Ihm geht es darum, die für die Figur des Judas typische Sünde im Bilde einzufangen: den Verrat an der Liebe um des Stolzes Willen. Er findet seine Vorlage schließlich im Antlitz eines böhmischen Kaufmanns, der in der langen eingeschobenen Haupterzählung für das Eintreiben einer alten Schuld seine gerade erst erwachte Liebe zu einer jungen Frau opfert, von der er erfährt, dass sie die Tochter seines verhassten Schuldners ist. Als der Kaufmann nach langer Reise in das Türkenreich nach Oberitalien zurückkehrt, erlebt er eine böse Überraschung: alles Volk erschrickt vor dem scheinbar lebendig gewordenen Abbild des Judas des berühmten Wandgemäldes.Auf den ersten Blick ein Roman, der aus dem Werk von Leo Perutz etwas herausfällt – insoweit als die Erzählung keine mystischen Parallelerklärungen der Fabel anbietet, dafür aber eine klare Moral. Allerdings nur scheinbar. Tatsächlich eröffnet der knapp 200 Seiten lange Roman Fragen, die weit über die vordergründigen moralischen und historischen Bezüge hinausgehen. Besteht die Sünde des neutestamentarischen Judas tatsächlich in dem Verrat der Liebe an den Stolz? Was berechtigte den Leonardo, den böhmischen Kaufmann hinterrücks so an den Pranger zu stellen? Und: war der historische Bezugsrahmen womöglich tatsächlich die Geburtsstunde einer absoluten, keinem profanen Auftrag verpflichtete absolute Kunst und Wissenschaft, und was bedeutet deren Verabsolutierung für die gesellschaftlichen Bedingungen?Die Folie der Erzählung ist das Mailand an der Wende vom 15. Zum 16. Jahrhundert; viele – nicht alle! – Personen der Geschichte sind realen Personen dieser Zeit nachgebildet; dem Herzog Ludovico Maria Sforza, dem Leonardo da Vinci, dem Marco d’Oggiono (einem Maler und Schüler des Leonardo), dem Poeten Bernardo Bellincioli… Ohne ersichtliches Vorbild sind hingegen die hauptsächlich das Geschehen bestimmenden Figuren: der Kaufmann Joachim Behaim, seine Geliebte Niccola, ihr Vater und Geizhals Boccetta, wohl aber ein gewisser „Mancino“, der erklärtermaßen dem Dichter, Vagabunden und Raufbold Francois Villon nahempfunden sein soll; auf eigenartige Weise diejenige Person, die die größte Integrität zu verkörpern scheint.Was den Roman aus dem so gründlich niedergerittenen Genre des „historischen Romans“ haushoch heraushebt, ist der meisterhafte Umgang mit der historischen Kulisse. Der Roman fängt das Denken, Empfinden und Sprechen der damaligen Zeit vollkommen ein, der Leser findet sich tatsächlich am Beginn der Blütezeit der Renaissance wieder; trotzdem ist es weder ein Historienschinken noch eine in eine beliebige Zeit versetzte Belanglosigkeit – der historische Rahmen gibt den Gedanken der Erzählung Form und Struktur.
Bei aller Sakrileg-Hysterie müßte dieses Buch eigentlich auch wieder im Kommen sein: Es erklärt die Hintergründe von Leonardo Da Vincis "Letztem Abendmahl" und der Maler selbst hat einen Gastauftritt. Allerdings geht es hier weniger um kirchliche Verschwörungen, als vielmehr um das Erkennen einer bestimmten Seelenqualität bei Da Vincis Mitmenschen. Platt ausgedrückt sucht der Meister für sein Abendmahl noch ein Modell, das dem Judas sein Gesicht leihen soll. Er findet es schließlich in einem Kaufmann - und weshalb ausgerechnet der wie Judas sein soll, davon handelt die Geschichte.Interessant ist hier Da Vincis Aussage, daß er die Modelle für seine Bilder nur der Natur entnimmt und dabei nicht so sehr auf das Äußere achtet, sondern Menschen zu finden versucht, die den Aposteln und Christus CHARAKTERLICH möglichst ähnlich sind. Wobei man sich dann schon fragt, nach wem Da Vinci seinen Christus gemalt hat, denn nicht nur für die Darstellung des Judas, auch für die des Christus braucht es ja einen Menschen mit ganz speziellen Eigenschaften.Die Geschichte befaßt sich allerdings nur mit dem "Judas", der einen schweren Verrat begeht und am Ende vor aller Welt als geächtet dasteht (was man ihm dann auch irgendwie gönnt). Phantastische Elemente, wie man sie sonst von Perutz kennt, fehlen hier etwas, es sei denn man bezieht Da Vincis Können und die Amnesie eines des Charaktere als übernatürliche Fügungen ein. Trotzdem übersteigt das Buch das, was man gewöhnlich mit "Historischem Roman" verbindet, bei weitem und ist vollständig in sich geschlossen. Ein Genuss zu lesen!
Der titelgebende Leonardo da Vinci spielt eigentlich eine Nebenrolle in diesem Roman von Leo Perutz, den ich unter seinen anderen historischen Romanen besonders liebe und nun wieder einmal gelesen habe. Leonardo malt in Mailand gerade an seinem berühmten letzten Abendmal, nur für die Figur des "Judas" fehlt ihm eine geeignete Vorlage, ein Mann, der trotz hingebungsvoller Liebe einen Verrat begeht. So bleibt das Gemälde lange unvollendet, seine Auftraggeber haben dafür wenig Verständnis.Zur gleichen Zeit befindet sich Joachim Behaim, ein Kaufmann aus dem Norden, in Mailand. Nach dem Verkauf seiner Ware hat er noch eine Aufgabe in der Stadt: Er möchte eine Schuld von 17 Dukaten, die ein gewisser Boccetta schon seinem Vater schuldete, endlich eintreiben. Seine Versuche das zu erreichen, schlagen fehl, statt dessen wird er von Boccetta hereingelegt und von seinen Mailänder Bekannten verhöhnt, auf seinen Wegen durch die Stadt verliebt er sich jedoch in die schöne Niccola, eine Liebe, die von der Angebeteten auch erwidert wird. Große Pläne werden geschmiedet, gleichzeitig sind Behaims Gedanken immer bei den 17 Dukaten, die er unbedingt eintreiben will. Als er schließlich erfährt, dass Niccola Bocettas Tochter ist, weiß er, dass er nur eines von beiden haben kann: Niccola oder das Geld. Er entscheidet sich nicht nur für letzteres, sondern benutzt Niccola vielmehr, um an das Geld zu gelangen, danach verlässt er sie umgehend.Leonardo hört von dieser Geschichte und verwendet daraufhin Behaim als Vorlage für den Judas auf seinem Abendmahl-Gemälde. Als Behaim Jahre später wieder einmal nach Mailand kommt, wird er von allen Menschen sehr sonderbar angeschaut, weil er als Judas auf dem Gemälde wiedererkannt wird.Ein ruhig dahinfließender Roman mit wenigen Höhepunkten, der aber dennoch spannend und durch die schöne Sprache sehr angenehm zu lesen ist. Wie Behaim seine Liebe verrät um die ihm angetane Kränkung - als solche empfindet er den Umstand, dass ihm sein Geld vorenthalten wird - auszugleichen, wie also Stolz, Selbstliebe über die Liebe zu Niccola, von der er erfüllt zu sein scheint, siegt, ist schon ein großes, zeitloses Thema. Perutz hat sich damit vielleicht nicht ein so berühmtes Denkmal gesetzt wie da Vinci mit seinem Gemälde, es hat mich aber auch beim Wiederlesen schwer begeistert, so wie vor vielen Jahren, als ich alle Romane von Leo Perutz quasi in einem Aufwaschen gelesen habe.
Deine Bewertung *
0/2000
Bewertungen werden nach Prüfung veröffentlicht. Bitte bleibe sachlich und fair.
* Alle Preise inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versandkosten. Preise und Verfügbarkeit können sich seit der letzten Aktualisierung geändert haben.
Beim Klick auf „Zum Angebot" oder „Zum Shop" verlässt du testmonster.de und wirst zum jeweiligen Händler weitergeleitet.
testmonster.de erhält ggf. eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten.
Letzte Aktualisierung: 30.09.2026 10:12 Uhr.