„Da haben wir uns ein paar Jahre lang ziemlich nah beieinander die Hintern plattgesessen. Das nennt man Pech.“ (Zitat Seite 135)InhaltDer junge Morseassistent Léon Le Gall ist siebzehn Jahre alt, als er Louise Janvier im Frühling 1918 kennenlernt. Pfingsten 1918 hat er drei Tage dienstfrei und er fährt mit ihr an den Ozean. Auf der Heimfahrt geraden sie in einen Angriff der Deutschen, Léon wird schwer verletzt und er erhält die Nachricht, Louise habe nicht überlebt. Auch Louise sagt man, dass Léon tot sei. 1928 begegnen sie einander zufällig in Paris wieder, doch Léon ist inzwischen mit Yvonne verheiratet und Vater, obwohl er nie aufgehört hat, an Louise zu denken.Thema und GenreIn diesem Roman geht es um eine große Liebe, die sich durch ein ganzes Menschenleben zieht, die durch schicksalshafte Ereignisse jedoch nur heimlich gelebt werden kann, mit jeweils jahrelangen Unterbrechungen. Es geht um Familie, Verantwortung und Entscheidungen. Gleichzeitig ist dies die Geschichte Frankreichs während der beiden Weltkriege.Erzählform und SpracheEs ist der Enkel von Léon Le Gall, der die Lebensgeschichte seines Großvaters schildert, aktuell beginnend mit den Ereignissen vom 16. April 1986, an dem eine Frau eine Fahrradklingel in den Sarg seines Großvaters legt. Von hier aus schwenkt die Geschichte direkt in die Vergangenheit und beginnt mit dem Tag, an dem der junge Léon dieses besondere Mädchen mit der gepunkteten Bluse zum ersten Mal sieht. Von da an zieht sich diese besondere Liebesgeschichte durch das ganze Leben von Léon und Louise und wird durch Details aus der großen Familie Le Gall auch zu einer Generationengeschichte. Die fiktiven Ereignisse fügen sich in die historischen Fakten ein, besonders in die Zeit der beiden Weltkriege und damit verbunden, das Leben in Paris während der deutschen Besatzung. Die Sprache erzählt eindrücklich, einfühlsam, doch immer mit leichtem Humor und niemals kitschig.FazitEine ungewöhnliche, mit charmanter Leichtigkeit erzählte Liebes- und Lebensgeschichte, deren Ereignisse eingebettet sind in den realen historischen Hintergrund Frankreichs im 20. Jahrhundert.
Mit viel Humor und Lebensweisheit wird die Geschichte von Leon und Louise erzählt, die sich vom ersten Weltkrieg, über den Zweiten hinweg erstreckt. Eine Liebe, die auch durch die Kriegswirren nicht zerstört werden kann, obwohl die Beiden sich im ersten Weltkrieg aus den Augen verlieren und erst viel später wiedertereffen. Jeder hat sich mittlerweile in seinem Leben eingerichtet, da Einer den Anderen für tot hält, und ein gemeinsames Leben scheint nicht mehr möglich zu sein. Dann kommt auch noch der zweite Weltkrieg dazwischen... aber mehr soll nicht verraten werden.Wie Capus es schafft, all die dramatischen Dinge trotzdem mit einer gewissen Leichtigkeit und Humor zu erzählen, ohne sich in Belanglosigkeiten zu verstricken oder in Banalitäten abzugleiten ist schlichtweg genial. Das ist große Erzählkunst. Die Geschichte einer unerschütterlichen Liebe, ohne Kitsch und Pathos, humorvoll und trotzdem ernst, dramatisch und trotzdem optimistisch, erzählt. Dem Autor gelingt hier ein beachtlicher Spagat.Auch die deutsche Besatzungszeit in Paris ist sehr interessant geschildert. Man kann sich in die Figuren hineinversetzten, quasi mit ihnen mitleben.Fazit: eines meiner Lieblingsbücher der letzten Zeit-unbedingt empfehlenswert.
Diesmal ein älteres Buch, welches ich geschenkt bekommen habe - vielleicht motiviere ich jemanden, es zu lesen.Leon und Luise lernen sich während des 1.Weltkrieges in einer französischen Kleinstadt, wo beide arbeiten, kennen und finden Gefallen aneinander. Nach einem Ausflug ans Meer geraten sie in einen Fliegerangriff, werden verletzt und glauben, dass der jeweils andere diesen Angriff nicht überlebt hat. Nach Jahren und durch einen Zufall sehen sie sich in Paris wieder, Leon ist verheiratet und Familienvater und Luise lebt ein emanzipiertes, eigenständiges Leben. Dennoch ist die Anziehung nach wie vor sehr groß und es beginnt eine Dreiecksgeschichte, bei der aber klar wird, das der verantwortungsbewusste Leon seine Familie nicht verlassen wird.Die Zeit der Besatzung ist für beide schwierig - Leon versucht sich "durchzuwursteln", kleinen Widerstand zu leisten und Luise verschlägt es nach Senegal, wo sie als Mitarbeiterin der Staatsbank die von der Deutschen Besatzung dorthin deponierten Goldreserven Frankreichs zu "bewachen" hat.Erst nach dem Krieg kehrt Luise nach Paris und auch zu Leon zurück .....Es ist eine sehr schön geschriebene Liebesgeschichte, ein bißchen wie die "Zwei Königskinder" und absolut lesenswert.