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EAN 9783423290067
The Journey of Humanity – Die Reise der Menschheit durch die Jahrtausende: Über die Entstehung von Wohlstand und Ungleichheit | »Mehr Weltverständnis ist (…) kaum zu haben.« Deutschlandfunk
The Journey of Humanity - Die Reise der Menschheit durch die Jahrtausende | Oded Galor | Buch | 2022
Bewertungen & Erfahrungen
4,2 von 5,0
5 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion18.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Als Nobelpreiskandidat ist dieses Buch ein ambitioniertes und spannendes Werk, das tief in die Theorie der Menschheitsgeschichte eintaucht. Es bietet viel Material, ist aber für Einsteiger möglicherweise etwas dicht auf den ersten Blick.
Das Buch von Oded Galor bringt zwar nicht in allen Punkten eine neue Sicht auf die Gründe für unterschiedliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung aber ist insgesamt sehr fundiert und mitreißend in seinen Aussagen. z.B. im Hinblick auf die Bedeutung des Humankapitals und der unterschiedlichen Chancen der weiblichen Bevölkerung in den verschiedenen Gesellschaften und Zeiten.Insgesamt ein sehr gelungenes Buch mit sehr wichtigen und diskussionswerten Aussagen. Nach meiner Meinung sollte Galor mindestens ein Kandidat für den Wirtschaftsnobelpreis sein.Es weicht in vielen Aussagen zwar vom leider letzten Buch von David Graeber ab, aber beide Bücher zusammen stellen einen unverzichtbaren Betrag zum Verständnis unserer heutigen Welt dar.
Jahrtausende lang war die Menschheit wie jede andere Tierart dem täglichen Kampf ums nackte Überleben unterworfen. Zwar gab es immer wieder technologischen Fortschritt von Steinwerkzeugen über die Landwirtschaft bis hin zum Buchdruck. Doch führten diese jeweils nur zu einer vorübergehenden Erhöhung des Lebensstandards. Denn wie der englische Gelehrte Thomas Malthus Ende des 18. Jahrhunderts feststellte: Jeder durch technische Innovationen erreichte Überschuss an Nahrungsmitteln führte zu einem Bevölkerungszuwachs, welcher die Nahrungsüberschüsse aufzehrte, sodass die Lebensbedingungen wieder auf das Existenzminimum zurücksanken.Doch in den letzten Jahrhunderten kam es – zunächst in Europa und Nordamerika - zu einem sprunghaften Anstieg des Wohlstands, der nicht nur einen Ausweg aus dieser Armutsfalle bedeutete, sondern auch zu großer Ungleichheit zwischen verschiedenen Gesellschaften führte.Der Wirtschaftswissenschaftler Oded Galor spürt hier den Gründen für diese in der Geschichte der Menschheit (und des Lebens) einzigartige Entwicklung nach und untersucht auch, warum sie in verschiedenen Weltgegenden so unterschiedlich verlief.Als unmittelbare Ursache für die Überwindung der malthusianischen Falle identifiziert er die steigende Bedeutung von Fähigkeiten und Kenntnissen für Arbeitskräfte, die notwendig waren, um sich in einem neuen technologischen Umfeld zurechtzufinden. Deshalb wurden Eltern dazu animiert, weniger Kinder zu bekommen und dafür mehr in deren Erziehung und Bildung zu investieren.Doch diese Umwälzungen kamen nicht so plötzlich wie es auf den ersten Blick scheint, sondern beruhen auf langfristigen unterschwelligen Strömungen.Während der Autor daher im ersten Teil des Buches dem Weg des Menschen von der Steinzeit ins Industriezeitalter folgt, geht er im zweiten Teil in der Zeit zurück, um die tieferliegenden Ursachen für die heutige Ungleichheit in der Welt zu finden.Auch diese Kapitel enthalten zahlreiche interessante Gedanken. Beispielsweise, dass Beschaffenheit der Böden und klimatische Bedingungen (und damit die Frage, ob sich die Gründung großer Plantagen rentierte) in ehemaligen Kolonien die dortigen politischen Institutionen und damit auch die Gegebenheiten nach dem Ende des Kolonialismus beeinflussten. Oder dass das richtige Verhältnis von Homogenität und Diversität in einer Gesellschaft über ihren Wohlstand entscheidet. Weshalb sogar die geographische Entfernung von Afrika einen Faktor darstellt, der Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen erklären kann.Fazit: Geschichte und Gegenwart der Menschheit werden hier aus einer ungewöhnlichen und faszinierenden Perspektive betrachtet. Der Autor hat das große Ganze im Blick, verdeutlich seine Ausführungen aber auch mit zahlreichen konkreten Beispielen. So erklärt er etwa, woher die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Norditalien und Süditalien rühren, oder dass die Regierungen von Bolivien und Äthiopien völlig konträre Strategien verfolgen müssten, um das Pro-Kopf-Einkommen ihres Landes zu steigern.Auch der Aufbau hat mir sehr gut gefallen. Er ist klar strukturiert, ein Argument folgt logisch auf das andere. Jede Aussage wird dabei gründlich belegt. Der Autor kann auf umfangreiche Kenntnisse der Menschheits- und Wirtschaftsgeschichte zurückgreifen und beruft sich beispielsweise auf natürliche Experimente (bei denen etwa der Zustand von zwei Ländern verglichen wird, die sich nur in einem Faktor unterscheiden). Zahlreiche Grafiken veranschaulichen die Ergebnisse.Zwar ist nicht jede der hier verarbeiteten Ideen neu. Die Art, wie sie zusammengestellt und zu einer konsistenten Erklärung verarbeitet werden, inspiriert aber immer wieder zu interessanten Gedankengängen und ließ mich die gegenwärtige Weltlage mit anderen Augen sehen.
Oded Galor ist israelischer Wirtschaftswissenschaftler und Makroökonom. Seit den späten 1980ern veröffentlichte er akademische Schriften wie „Discrete Dynamical Systems“ (2007). Zuletzt entwickelte er die Unified Growth Theorie, mit der Wachstum über alle Phasen der Menschheit und alle Nationen in einem einzigen Modellrahmen erklärt werden soll. „The Journey of Humanity“ (2022) ist sein erstes Buch, in dem er seine dbzgl. Ideen einer allgemeinen Öffentlichkeit präsentiert.Während vorherrschende Theorien sich auf die westliche Welt, die Neuzeit oder die Zeit seit der industriellen Revolution beschränken, präsentiert Galor eine allgemeine und umfassende Betrachtung der gesamten Menschheitsgeschichte aus wirtschaftlicher Sicht. Die deutsche Übersetzung „Die Reise der Geschichte durch die Jahrtausende“ hat den Untertitel „Über die Entstehung von Wohlstand und Ungleichheit“. Dieser vollumfassende Erklärungsversuch erinnert in seinem universellen Anspruch an epochale Manifeste wie „Die Entstehung der Arten“ von Charles Darwin oder „Das Kapital“ von Karl Marx. Der Darlegung des Modells, das sich zeitlich über mehrere zehntausend Jahre erstreckt, werden gerade mal knapp über 300 Buchseiten eingeräumt, unterteilt in die zwei Oberkapitel „Odyssee der Menschheit“ (hier geht es um Wachstum und Entwicklung) und „Ursprünge von Wohlstand und Ungleichheit“.Der erste Teil des Buches beschreibt die Anfänge der Zivilisation. Galor geht hier klassisch aus von der Idee der Wiege der Menschheit in Ostafrika und dem Exodus hin nach Nord-Osten. Im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, östlich des Nils erfolgt durch etliche günstige Faktoren der Übergang nomadischer Stämme von Jägern und Sammlern zu Verbänden sesshafter Bauern, die Viehzucht und Pflanzenanbau kultivieren, was schließlich zu einer Gesellschaft mit immer mehr Reichtum und Bildung führt, die sich in Dörfern, Ortschaften, Städten, Ländern und Nationen zusammenschließt. Der vermeintliche wirtschaftliche Aufstieg wird jedoch immer wieder zurückgeworfen durch einen Mechanismus, den Galor die malthusianische These nennt. Bessere Versorgung führt zu verbesserten Lebensverhältnissen, was zu größerem Bevölkerungswachstum führt, was wiederum zu schlechterer Versorgung und somit zu schlechteren Lebensverhältnissen führt. Die Erträge steigern sich, die Bevölkerung wächst, das Wachstum pro Kopf sinkt, ein teuflischer Kreis, die Bevölkerung wächst, aber die Lebensverhältnisse des einzelnen verändern sich über Jahrtausende nicht. Das ändert sich erst in der Neuzeit. Die Idee der malthusianischen Falle stammt nicht von Galor, sondern von dem britischen Ökonom Thomas Robert Malthus (1766-1834) und Galor macht sie zum eigentlichen Kern seiner Schrift. Nachdem er sie einmal ausgeführt hat, wird sie nach akademischer Manier über das ganze Buch hinweg immer wieder erwähnt, herangezogen und erläutert. Als Leser hat man diverse Déjà-vus und den Eindruck, dass Galor während des Schreibens das bereits geschriebene nicht mehr ganz parat hatte bzw. Bücher schreibt, die im akademischen Umfeld nur Ausschnittsweise gelesen werden. So viele Wiederholungen und Redundanz kann man sich im regulären Publikationen als Autor nicht erlauben, zumal, wenn die grundlegende Idee nicht einmal von einem selbst und auch nicht neu ist.Der zweite Teil über Wohlstand und Ungleichheit ist da schon vielseitiger und interessanter, zieht auch in Betracht wie Kolonialisierung, Sklaverei, Ausbeutung, Raub, Völkermord und massivste Zerstörung von natürlichen Ressourcen zu vermeintlichem Wohlstand oder gar Reichtum geführt haben. Bereicherung des einen ist selbstverständlich immer auch ein oftmals schmerzlicher Verlust eines anderen. Dies wird nicht verschwiegen, aber in seiner gnadenlosen Brutalität über die Geschichte der Menschheit hinweg zu wenig ausgeführt. Als Faktoren für Wachstum sieht Galor Institutionen, Kultur, Geografie und den Grad der Diversität. Ausbeutung ist für ihn erstaunlicherweise kein wesentlicher Faktor. Die Lösung für Ungleichheit sieht er in mehr Bildung für alle und einer geringeren Geburtenrate.Fazit: Eine im Grunde erhellende, universelle Betrachtung, leider sehr akademisch und langatmig erzählt mit zu vielen Wiederholungen und zu wenig eigenen Ideen. Hätte Galor bestimmt gut getan mal aus seiner akademischen Blase auszubrechen. Immerhin ist das aktuelle Buch ein erster Versuch.
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Letzte Aktualisierung: 02.10.2026 06:22 Uhr.