In ihrem neuen Roman „Grenzgänger“ erzählt die bekannte Schriftstellerin Mechthild Borrmann „Die Geschichte einer verlorenen Kindheit“.Anfangs ist es etwas schwierig, sich in die Handlung des Romans hinein zu finden, denn Frau Borrmanns Buch wechselt zwischen verschiedenen Zeitebenen, zwischen verschiedenen Orten und Personen.Doch wenn man den Roman genau liest, und er ist wirklich und wahrhaftig sehr lesenswert, dann findet man schnell den „roten Faden“ und erkennt schreckliche, verzweifelte und düstere Geschichten von Kindern, die unmittelbar nach dem Krieg ganz auf sich alleine gestellt sind. Die Mutter hat sich im wahrsten Sinne des Wortes für ihre vier Kinder „tot gearbeitet“, der Vater wurde, bereits als relativ älterer Mann in den letzten Kriegsjahren noch zu einem Bombenentschärfungs-Kommando eingezogen. Als er wieder heimkehrt, ist er ein anderer Mensch: Arbeits- und lebensunfähig, nervlich zerrüttet, bigott und völlig unfähig, der Realität ins Gesichts zu sehen und seinen vier Kindern – nach dem Tod der Mutter – eine Stütze und Hilfe zu sein. Genau das Gegenteil ist der Fall: Seine Kinder sollen so schnell wie möglich unter den Verwandten verteilt werden, damit er sich ganz Gott - und seinem, von ihm so verehrten Pfarrer, der den zerstörten Mann für seine Zwecke ausnutzt, widmen kann.Doch die älteste Tochter Henni nimmt das der sterbenden Mutter gegebene Versprechen sehr ernst, und kümmert sich hingebungsvoll und gegen den lebensuntüchtigen Vater, um ihre jüngere Schwester und die kleinen Brüder. Unmittelbar nach dem Ende des Krieges, wird sie zu einer sogenannten „Grenzgängerin“ zwischen der Eifel und Belgien. Sie schmuggelt Kaffee – wie viele andere auch - um Holz, Lebensmittel und etwas Kleidung für die Geschwister und (ein wenig) auch für sich, kaufen und überleben zu können…. Dann passiert, was passieren musste: Henni wird vom Zoll gefasst.Nun nimmt ein elendes, grausames Schicksal seinen Lauf, dass die Geschwister fast vernichten und an den Rand des Todes bringen wird. Kinder, die alleine auf sich gestellt sind und an ihrem Los keinerlei Schuld tragen.Ich habe das Buch der Bestsellerautorin Mechthild Borrmann in 1 ½ Tagen ausgelesen. Es hat mich tief beeindruckt, unheimlich traurig gestimmt und ich bin entsetzt darüber, was Menschen, die sich angeblich ja Gott geweiht haben, kleinen, armseligen, unschuldigen und wehrlosen Kindern antun können. Wie kann ein erwachsener, angeblich gläubiger Mensch, der solche Gräuel gegen Hilflose verübt, vor seinem Gott, an den diese Menschen ja zu glauben vorgeben, an seinem Lebensende dastehen? Reicht es aus, dann um Gnade zu winseln?„Grenzgänger“ ist ein Roman mit fiktiven Protagonisten, aber mit wahrheitsgemäßem und sich gerade in der heutigen Zeit bestätigenden Zuständen in sogenannten „Kinderheimen“ der damaligen Zeit. Im allgemeinen schreibe ich am Ende meiner Rezension, dass der Roman eine spannende Handlung hat. Bei „Grenzgänger“ verzichte ich darauf, denn die Worte würden gegenüber dem Buch nicht ausreichen.