Ich muß gestehen, dass ich zuerst mit der Geschichte sehr wenig anfangen konnte. Ein Buch eben, bei der es um wiedergefundene Liebe geht, zumal die verschiedenen Zeitzonen ziemlich schnell gewechselt wurden. Doch dann mußte ich meine Meinung revidieren, denn das Buch nahm mich gefangen. Jenn und Robbie sind nach einer längeren Trennung wieder seit ein paar Tagen zusammen. Jenn ist damals sang- und klanglos aus Robbies Leben verschwunden und hat ihre Zeit in Südamerika und in Australien verbracht. Doch zur Hochzeit ihrer besten Freundin ist sie wieder nach Schottland zurück. Und Jetzt befinden sich Jenn und Robbie auf dem Heimweg, sie will ihm unbedingt etwas wichtiges erzählen, als plötzlich ein LKW ihnen die Vorfahrt nimmt und voll in ihr Auto fährt. Und in diesen Sekunden spielt sich das ganze Leben der Beiden vor ihren Augen ab. Besonders Robbie hat eine besondere Nahtoderfahrung und sieht mit akribischer Genauigkeit, was zwischen ihnen falsch gelaufen ist. Jenn hatte eine sehr schwierige Kindheit, seit der Vater sie und ihre etwas lebensunfähige Mutter, eine Künstlerin, verlassen hat. Das Geld war immer sehr knapp und Jenn hat während ihrer ganzen Schulzeit und wahrend des Studiums immer gearbeitet, sie hat sich kein Vergnügen gegönnt, um so schnell wie möglich als Ärztin arbeiten zu können. Robbie war das Jüngste von drei Kindern und wurde sehr verwöhnt. Er ging viel aus, machte zwar gute Arbeit als Koch, aber er trank sehr gerne und er genoß seine Freizeit in den Clubs, bis sich die Beiden bei einer Geburtstagsfeier kennen und lieben lernten. Die ersten Jahre waren voller Harmonie, doch mit der Zeit entfernte sie sich emotional voneinander, bis Jenn schließlich die Konsequenzen daraus zog. Das Buch ist in einfacher Sprache geschieben und läßt sich schnell lesen. Die einzelnen Kapitel sind kurz und man sieht im Rücklblick das ganze Leben bis hin zur Kindheit,. Und dann erhält Jenn anscheindend einen für sie sehr wichtigen Brief. Aber wir erfahren erst ziemlich am Schluß, was Inhalt des Briefes war und auch das, was Jenn bei der Autofahrt Robbie wichtiges mitteilen wollte, bleibt bis zum Schluß ein großes Geheimnis und so haben wir praktisch bis zum Ende zwei Pageturner, die wir ja erfahren wollen. Die Autorin greift das heikle Thema der Nahtoterfahrung auf und wir erleben mit Robbie, wie er in das Leben der Jenn eingreifen will, aber nicht kann, da er ja nicht leiblich anwesend ist sondern nur auf geistiger Ebene. Wenn man das Buch so liest, kommt man schon ins Nachdenken und macht sich über den Tod Gedanken. Die Geschichte endet sehr sehr traurig, wenn nicht gar traumatisch. Jedenfalls ist das Cover erfreulich gestaltet. Es zeigt eine wunderschöne Frau, wie von einem Expressionisten gemalt, die mit großem Hut sinnend in die Ferne schaut. Soll dieses Bild vielleicht Bezug nehmen auf den Beruf der Malerin, der Mutter Jenns?