Die Geschichte: Die Strafrechtsanwältin Rachel Eisenberg steht im Mittelpunkt der neuen Buchreihe von Andreas Föhr. Sie führt zusammen mit ihrem Noch-Ehemann Sascha eine erfolgreiche Kanzlei und lebt seit Kurzem allein mit ihrer 13-jährigen Tochter in München im Bezirk Neuhausen-Nymphenburg. Eigentlich übernimmt Rachel eher lukrativere Fälle und mimt nur selten den Part eines Pflichtverteidigers, doch ein aufsehenerregender Mord an einer jungen Frau hat ihr Interesse geweckt. Der mutmaßliche Täter Heiko Gerlach ist ein Obdachloser und die Sache scheint aufgrund belastender DNA-Spuren recht klar zu sein. Womit Rachel allerdings überhaupt nicht gerechnet hat: sie kennt ihren Mandanten von früher, hatte sogar zwei Jahre lang eine Beziehung mit ihm. Heiko Gerlach hieß früher Heiko Opitz und er ist ein hochintelligenter Physikprofessor, der nach der Trennung von seiner Frau in die Obdachlosigkeit abstürzte. Zunächst leugnet Heiko die brutale Tat, doch dann legt er plötzlich ein Geständnis ab. Rachel weiß nicht mehr, was sie glauben soll. Sie steckt in einem Wechselbad der Gefühle und stellt daraufhin eigene Nachforschungen an, denn die Polizei hat manche Spuren nur unzulässig verfolgt. Dabei stößt sie auf weitere Verbrechen und begibt sich selbst in größte Gefahr …Meine Meinung: Nachdem ich ja ein großer Fan der “Wallner & Kreuthner”-Reihe von Andreas Föhr bin, war ich auch sehr gespannt auf den Auftakt zur neuen Serie, in der nun die Anwältin Rachel Eisenberg die Hauptrolle spielt. Während es mit Leo Kreuthner immer recht humorvoll und teilweise fast skurril zur Sache geht, haben hier eher ernsthaftere und emotionalere Töne die Oberhand. Man merkt auch an vielen Stellen, dass der Autor sich damit richtig in seinem Milieu befindet, denn er ist ja selbst Jurist.Die Figuren sind sehr gut charakterisiert, wirken lebendig und glaubwürdig. Auch ihre Handlungen konnte ich größtenteils nachvollziehen und so habe ich schnell einen Draht gefunden zu Rachel, Sascha und Tochter Sarah. Auch einige weitere Personen sind recht sympathisch, so dass man auch gerne wissen will, wie es mit ihnen weitergeht: beste Voraussetzungen also für eine lange Bücherreihe. Rachel ist eine zielstrebige Frau, die auch ihre Meinung sagt, wenn sie damit aneckt. Die Zusammenarbeit mit ihrem Ex gestaltet sich nicht immer einfach, aber sie boxt sich durch.Die Story entwickelt sich langsam und wird zunächst noch von Ermittlungen und Nachforschungen geprägt. Da die Polizei sich so frühzeitig auf Heiko als Täter eingeschossen hat, bleiben andere Spuren fast gänzlich unbeachtet. Aus diesem Grund nehmen Rachel und ihre Mitstreiter das Ganze selbst in die Hand – manchmal auch etwas abseits der Legalität. Im weiteren Verlauf der Geschichte sorgen dann einige spektakuläre Wendungen für fesselnde Spannung. Je näher das Ende rückt, desto actionreicher wird es und alles wirkt mehr und mehr wie ein Thriller. In Thrillern geht es auch mal gern etwas übertrieben und unglaubwürdig zur Sache, dieses Gefühl hatte ich hier auf den letzten Seiten auch ein bisschen, aber dem Lesegenuss hat es keinen Abbruch getan. Allzu blutig wird es in diesem Buch nicht, trotzdem gibt es schon einige Stellen, an denen man sich wünscht, es würde besser enden. Die Spannung entsteht aus den vielen Geheimnissen und der Tatsache, dass man oft nicht weiß, wem man trauen kann und wem nicht.Fazit: Eine prima durchdachte, spannende Story mit vielen Wendungen und einem überraschenden Ende bildet den Auftakt zu einer neuen Reihe. Mir hat das Buch sehr viel Lesefreude bereitet und ich warte schon gespannt auf die Fortsetzung!
Solide Handwerksarbeit kennzeichnet diesen Krimi von Andreas Föhr, mit dem er seine Eisenberg-Reihe eröffnet. Rachel Eisenberg ist ein interessant gezeichneter Charakter, der in meinen Augen ausbaufähig ist, und der taffen Anwältin stellt Föhr eine Reihe von angenehm skurrilen Nebendarstellern zur Seite. Es ist zu erwarten, dass da in den kommenden Büchern weitere Begegnungen des Lesers mit vielen Personen aus diesem Ensemble erfolgen. Das würde mich sehr freuen.Die Handlung ist teilweise sehr verworren und macht überraschende Wendungen, bei denen man hinterher Zweifel hat, ob das nicht doch etwas dick aufgetragen ist. Besonders das Ende kann aus meiner Sicht nicht überzeugen. Und bei anderen Nebensträngen der Handlung wiederum hat man den Eindruck, dass das betreffende Happy End allein den Zweck hat, den Handlungsstrang nicht offen zu lassen, denn einen Beitrag zum Fortschritt der Haupthandlung leisten diese Beschreibungen nicht.Beispielhaft sei hier der Kater Moritzla genannt, der sehr gut das Personal rund um Rachel Eisenberg dauerhaft hätte bereichern können. Aber er kehrt zu seinem ursprünglichen Besitzer zurück, und dass er überhaupt erst bei der Familie Eisenberg eingezogen war, macht in der Rückschau keinen Sinn. Wollte Föhr ursprünglich doch mehr daraus machen und hatte sich dabei verzettelt? Ansonsten hätte es dramaturgisch absolut seinen Zweck erfüllt, wenn Eisenberg dafür gesorgt hätte, dass die Nachbarn das Tier versorgen. Zumal sie anfänglich auch als eine Person geschildert wird, die augenscheinlich eine Angsterkrankung in Sachen Hygiene hat und sich aus diesem Grund von Haustieren fernhält. Empathie gegenüber Hunden und Katzen zu schildern, um die Figur dem Leser näher zu bringen, hätte auch durch die Sorge um Moritzla in der oben genannten Weise umgesetzt werden können.Von diesen Unebenheiten gibt es in dem Krimi leider etliche, zu viele, um sie hier aufzuzählen. Dennoch hat der Haupterzählungsstrang einen tüchtigen Drive und liest man über diese Hindernisse letztlich auch hinweg.Was mich persönlich mehr nervt, sind diese Ansätze von Perfektion, die ich in anderen Romanen ebenfalls hasse: Eisenberg hat u. a. einen schweren Autounfall und steht doch einen Tag später wieder im Gerichtssaal. Genauso geht es einer anderen Figur, die - nach einer schweren Attacke von einem Angreifer - als Stehaufmännchen unverzüglich wieder durch die Gegend hüpft. So etwas muss aus meiner Sicht nicht sein und gehört eher in die Welt von James Bond und anderen frommen Märchen. ;)Weil ich trotzdem häufig schmunzeln und auch lachen musste über die teilweise sehr skurrilen Szenen und den genauen Blick auf Volkes Maul (hier eher: des Juristen Maul ^^) und weil die Handlung insgesamt sehr spannend ist, gibt es vier Punkte statt der sonst eher passenden drei (eigentlich gehören für die ganzen Holperigkeiten usw. eher zwei Punkte abgezogen als einer).Aber ich mag die Hauptperson und ihren ganzen Clan von irrationalen Mitarbeitern, Freunden, Feinden und Gegnern und freue mich auf die nächsten Bücher.