Das Land, von dem wir träumenInhalt:Der 1. Weltkrieg hat auch der Familie des Südtiroler Bauern Ludwig Bruggmoser tiefe Wunden geschlagen, denn zwei der vier Söhne sind gefallen. Als Ludwig den Vorgaben der neuen italienischen Regierung gemäß allzu bereitwillig den Namen der Familie in »Ponte« ändert, bringt er nicht nur seine Tochter Franziska gegen sich auf.Ludwig ahnt nicht, dass Franziska einen gefährlichen Weg beschritten hat: Weil sie kein Italienisch spricht und deshalb nicht als Lehrerin arbeiten darf, gründet sie eine verbotene Katakombenschule, wo sie Deutschunterricht gibt. Unterstützung erhält sie dabei überraschend vom Knecht ihres Vaters, Wilhelm Leidinger. Doch auch Wilhelm verbirgt ein Geheimnis – und die Verhältnisse in Südtirol spitzen sich unaufhaltsam zu.Die Autorin:Anna Thaler ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die vor einigen Jahren die wechselvolle Geschichte Südtirols für sich entdeckt hat. Ihr größter Traum wäre eine Eselsfarm mit Blick auf die Dolomiten. Bis sie sich diesen erfüllen kann, entführt sie ihre Leserinnen und Leser in Romanwelten voller Berge, Flusstäler und Alpencharme.Das Cover:Ist ein Traum, eine Frau, die in ihr Tal schaut mit den Dolomiten im Hintergrund. Farblich in mattem blau gehalten, mit einer lila Schrift im Prägedruck auf der Vorderseite bzw. Rückseite und Buchrücken machen es zu einem visuellen, als auch haptischen Erlebnis.Fazit:Wie habe ich mich gefreut, als ich an der Leserunde mitmachen durfte, kenne die Gegend um Meran sehr gut und auch die Einstellung der Südtiroler zu den Welschen wie sie die Italiener nennen.Der erste Teil spielt in der Zeit vom Frühjahr 1925 bis zum Februar 1928 auf dem Bruggmoserhof in der Nähe von Meran in Südtirol. Der Schreibstil ist flüssig und die Charaktere authentisch, die Szenen lassen einen mitfiebern, hoffen, bangen, ja auch hassen. Manchen wird es wundern, dass Franziska ihre Eltern mit Sie anredet, aber das war zu dieser Zeit ganz normal (ich erinnere mich an Briefe, die mein Vater seinen Eltern aus dem 2. Weltkrieg schrieb, in denen sie auch mit Sie anredete – er war Jahrgang 26).Anna Thaler hat einen wunderbar flüssigen, bildhaften und spannenden Schreibstil, der einen sofort in die Handlung eintauchen lässt und einen mitnimmt in diese Geschichte mit all ihren Fassetten, Intrigen, und Rauhheit. Man riecht das Heu, die Kühe, die Ziegen und spürt den Wind und die Liebe zur Heimat. Freut sich mit den Bruggmosers, als das Ausflugslokal gut angenommen wird und die Apfelplantage sich gut entwickelt. Was für eine Freude, als sich für Franziska alles zum Guten wendet und sie den Mann, den sie liebt, heiraten kann und den Hof erbt. Es gab keine einzige Stelle, die langweilig oder überflüssig war, jede Seite hat mich gepackt und ich konnte nicht aufhören weiterzulesen.Deshalb eine klare Leseempfehlung und volle Punktezahl von mir! Dieses Buch ist mein zweites Lesehighlight 2022!
Mit „Das Land, von dem wir träumen“ begebe ich mich in eine für mich eher ungewöhnliche Ecke, nämlich nach Südtirol vor hundert Jahren. Die Welt der Südtiroler Bauernfamilie Bruggmoser wird auf den Kopf gestellt. Schlimm genug, dass sie zwei ihrer Söhne im ersten Weltkrieg verloren haben, nun wird ihnen auch noch das ureigenste genommen, nämlich der eigene Name und deutsch sprechen zu dürfen, wir sie es von klein auf gelernt hatten. Die Donaumonarchie war nach dem Ersten Weltkrieg in ihre Bestandteile zerfallen und die italienischen Truppen zögerten keinen Moment lang Südtirol zu besetzen und neben der italienischen Sprache natürlich auch italienische Pflichten und Verbote einzuführen. Vater Ludwig beugt sich recht bereitwillig und hat den Namen der Familie bereits in Ponte umgewandelt. Doch Tochter Franziska, die von einer Karriere als Lehrerin träumt, tut sich schwer und beschließt dagegen anzukämpfen. Trotz der Unterstützung durch den Knecht Wilhelm Leidinger droht ihr Vorhaben zu scheitern. Wenn sie auffliegt, hat sie mit einer schlimmen Strafe zu rechnen, will sie dieses Risiko auf sich nehmen?Der Auftakt der großen Südtirol-Saga hatte mich aufgrund des spannenden Themas schnell in seinen Bann gezogen. Ich war überrascht, wie wenig ich über die Geschichte und Entwicklung dieses österreichischen Landstrichs wusste und kam aus dem Staunen und Recherchieren gar nicht raus. Der Erzählstil ist flüssig und so wunderbar von Sabine Arnhold umgesetzt, dass man sich direkt in die Region versetzt fühlt. Hier vergebe ich gerne vier von fünf Sternen und werde mir bestimmt bald die nächsten beiden Teile anhören.