Der Roman "Lautlos" bietet Einblicke in weitgehend unbekannte Zusammenhänge aktueller und vergangener Konflikte nahezu weltweit. Die Handlung des Romans mutet an wie ein Tatsachenbericht, bis auf die letzten Sekunden vor dem Höhepunkt. Menschliche und technische Aspekte werden nachvollziehbar beschrieben, ebenso wie detaillierte Einblicke in die Welt der Whisk(e)ys... Ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch für L e s e r !
Die zentralen Themen dieses Romans beschäftigen sich mit Terrorismus und der Kosovo-Krise. Der G8-Gipfel wird geschickt genutzt um diese beiden Themen miteinander zu verbinden und im Gegensatz zu „Breaking News“ konnte der Roman hier mit genau der richtigen Menge an politischen Hintergrundwissen punkten. Die Dialoge gaben genügend Infos um die Hauptprobleme zu verstehen und waren doch begrenzt genug um keine ermüdende Geschichtsstunde entstehen zu lassen. Das, was man als zu viel empfunden haben könnte, wurde stattdessen in einem extra Anhang genauer erläutert, was ich persönlich sehr begrüßt habe.„Alle werden kontrolliert. […] Die SI kontrolliert uns, die Polizei kontrolliert die SI, der Secret Service kontrolliert die Polizei und wird wiederum von denen kontrolliert, und wenn das BKA nix zu tun hat, kontrolliert es wahrscheinlich noch sich selbst“ S. 463Wer bereits das Vergnügen hatte, eines der jüngeren Bücher von Frank Schätzing zu lesen, wird mir sicherlich zustimmen, wenn ich sage, dass hier stets eine gewisse Brutalität geherrscht hat. Es gab viele Tote und viele grausame Arten des Todes, teilweise geschah etwas ganz unvorhersehbar. Die Spannung wurde meist schon recht früh steil angezogen und nur selten durchbrochen. In „Lautlos“, welches vier Jahre vor „Der Schwarm“ erschien, ist von dieser Brutalität nur sehr wenig zu spüren, was mich in Anbetracht des Themas doch etwas gewundert hat. Ständig habe ich damit gerechnet, dass jetzt doch noch der große Schock-Moment kommt, etwas unvorhersehbares. Doch dieser Wunsch blieb leider unerfüllt. Im Gegenteil, Schätzing schafft es auch noch, dass man mit der Terroristin Mitleid empfindet und sie gern hat!Neben der fehlenden Brutalität wurde auch der Spannung etwas mehr Zeit gegeben. Es dauert eine Weil bis die Geschichte richtig in Fahrt kommt, doch von da an reißt der Spannungsfaden auch nicht mehr ab. Zumindest bis kurz vor dem Ende. Ich hatte Hoffnung. Große, große Hoffnung, dass es diesmal klappt mit dem Ende. Aber Frank Schätzing hat es auch hier wieder geschafft, ein paar Seiten (in diesem Fall ein ganzes kurzes Kapitel) zu viel zu schreiben. Wäre dieses Kapitel nicht gewesen, und das letzte Kapitel minimal gekürzt worden, hätte das Buch einen wunderbaren Abschluss gehabt.Ein weiteres typisches Element aus Schätzings Romanen stellt in meinen Augen die Selbstbetrachtung der Charaktere dar. Hier befassen sich gleich mehrere der Personen in ihren Gedanken mit ihrem eigenen Werdegang, wer sie sind und wie sie sein wollen. Allen voran natürlich der irische Physiker Liam O’Connor, der von sich selbst nur zu gut weiß, wie er auf andere wirkt und nicht unbedingt immer der Liebling der Runde ist.Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass Schätzing hier mit einem wunderbaren Schreibstil gearbeitet und viele tolle Sätze hinterlassen hat. Ich markiere mir selten Stellen in Büchern, aber hier gab es doch die ein oder andere Stelle, die mich auch zum Nachdenken angereget hat. So wie diese hier:“ Wir sind ernsthaft der Meinung, Menschen unsere Werte verordnen zu können, ohne uns über ihr Leben, ihre Besonderheiten, ihre Kultur und ihre Geschichte kundig machen zu müssen, und wenn sie genauer hinschauen, stellen sie fest, dass wir selbst gar keine klar umrissenen Werte haben.“ -S. 632Fazit: Sowohl Spannung, als auch die Unberechenbarkeit von Schätzing waren hier nicht ganz so stark ausgeprägt, wie ich es von seinen anderen Romanen gewohnt bin. Und obwohl mich „Lautlos“ nicht vollkommen umhauen konnte, hat es mir ganz gut gefallen. Besonders einige zitierfähige Stellen sind mir im Kopf geblieben.