Rot und Schwarz: Chronik aus dem 19. Jahrhundert
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EAN 9783446204850

Rot und Schwarz: Chronik aus dem 19. Jahrhundert

Hersteller: Hanser Fachbuchverlag  ·  MPN: 9404
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Rot und Schwarz | Chronik aus dem 19. Jahrhundert | Stendhal | Buch | Lesebändchen | 872 S. | 2004

Bewertungen & Erfahrungen

4,5 von 5,0
6 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 01.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Stendhal: Rot und Schwarz ist eine absolute Meisterleistung und eine großartige Neuübersetzung dieses großen Romans. Ich habe die Geschichte von Julien Sorel mit großem Vergnügen und tiefem Eintauchen gelesen.
Redaktion 01.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Eine sehr gute und fesselnde Neuübersetzung des Klassikers, die Geschichte von Julien Sorel ist spannend und gut geschrieben. Allerdings empfand ich die Übersetzung an einigen Stellen als etwas weniger flüssig als erwartet.
Redaktion 01.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Super!
Caliban 11.03.2024 amazon.de
Ich gebe zu: Etikette wie "psychologisches Meisterwerk" und eine lange Liste von Lobpreisungen beginnend bei Goethe und wer weiß wo endend können falsche Erwartungen wecken, und dennoch: Hier handelt es sich um einen der Spitzenromane des 19. Jahrhunderts.Dies zeigt sich schon an der überzeitlichen Themenstellung: der gehemmten Entfaltung des Individuums in einer ihn erdrückenden Gesellschaft. Julien Sorel passt nicht in die Zeit der Restauration der 1830er. Mit der Gier nach Geld und politischer Macht, die das Denken in seinem nur scheinbar idyllischen Heimatort regiert, kann er nichts anfangen: Seine Vorbilder liegen in der Vergangenheit, wie die Lektüre der Memoiren Napoleons auf St. Helena zeigt. So strebt er nach heroischer Größe, erorbert Frauen nach ausgeklügelten Schlachtplänen, verfällt ihnen danach aber - überaus sympathisch übrigens - umso bedingungsloser. Stets aber scheitert er an den kleingewirkten Funktionären des Systems. Trotz überragender intellektueller Fähigkeiten schafft er es nicht den Abgrund zwischen seiner niedrigen Abstammung und einem anerkannten Platz in der Gesellschaft zu finden. Er wird - so empfindet er es nicht ohne Grund - für diese Abstammung am Ende sogar zum Tode verurteilt.Bei der Darstellung der Liebe Sorels zu Mme. Renal und vor allem zu Mathilde de la Mole gelingen Stendhal tatsächlich psychologische Meisterstücke. Präziser und plastischer hat keiner das abstoßende Gefühl des Triumphs über den anderen Liebespartner beschrieben, der vermeintlich dem eigenen Ego verfallen ist; humorvoller aber auch nicht den Fall des Überheblichen, der unter der nachfolgenden Abkehr des Liebespartners wie ein Hund leidet. Gerade den widersprüchlichen und dafür umso reizvolleren Charakter von Mathilde de la Mole, die zwischen den Dünkeln der Standesgesellschaft, heroischer Romantik und Erotik schwankt, kostet Stendhals bis ins Detail aus. Hier schmelzen die Seiten des Buches unter der Hand des Lesers dahin, weil Menschen über alle Zeit in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit wahrhaftig geschildert werden.Drittens zeigt sich Stendhal wie in der Karthause von Parma als ein intimer Kenner der Mechanismen politischer Macht. Dies beginnt schon bei der Schilderung der Umstände im Priesterseminar, wo es nur scheinbar um das Erlernen von Wissensinhalten, tatsächlich aber um die Einübung von Unterwerfungsgesten gegenüber dem klerikalen Machtansprüchen geht. Der Naivling Sorel muss deshalb mit seinen überlegenen intellektuellen Fähigkeiten scheitern, weil er zu spät erkennt, dass es nicht um die brillante Beherrschung der lateinischen Sprache oder kirchlichen Dogmatik geht, sondern vor um Selbstverleugnung, Heuchelei und Unterwerfungsgesten: Ein schönes Spiegelbild zahlreicher Machtapparate bis zum heutigen Tage.Der Roman belohnt den Leser schließlich mit einer Vielzahl unvergesslicher dichter Szenen, etwa wenn der hohl-pompöse Bürgermeister Renal der Abendsoiree in seinem Garten langweilige Ausführungen über seine politischen Visionen macht, Sorel aber im Dunkeln die Hand von Renals Gattin hält und sich beide über einen Händedruck vielmehr als durch Worte sagen.Die vorliegende Übersetzung kommt dem Original, das ich gut kenne, bisher am nächsten, da sie die Sprache von allen Künstlichkeiten und vermeintlichen Reminiszenzen an den Stil des 19. Jahrhunderts entschlackt. Das Lakonische und Pointierte von Stendhals Stil kommt deshalb in bemerkenswerter Weise auf den Punkt.Sicher muss jeder über das Werk selbst urteilen können: Aber lassen Sie sich durch die auf dieser Seite geäußerte Kritik nicht von einem eigenen Versuch abhalten!
Zlatan S. 11.03.2024 amazon.de
Sehr guter Roman. Ein Muss für jede Buchsammlung.
ZuBewertungenNeigenderCharakter 11.03.2024 amazon.de
Wer ein wenig in seinem Balzac, ein wenig in seinem Flaubert geblättert hat, der erkennt in Stendhals „Rot und Schwarz“ schnell ein sehr beliebtes Sujet des französischen Romans der Restaurationszeit wieder: ein blutjunger Mann aus niederen Verhältnissen macht sich auf, hinaus in die Welt zu treten, sie sich anzueignen. Seiner Klassenzugehörigkeit zum Trotz nach Karriere, Macht und Ruhm zu streben. Und es damit nicht zuletzt aus der tiefsten bäuerlichen Provinz nach Paris zu schaffen, es in Paris zu schaffen.Wie Flauberts Frederic Moreau („Erziehung des Herzens“, 1869) und Balzacs Lucien Chardon („Verlorene Illusionen“, 1837) ist auch Stendhals Julien Sorel nicht nur äußerst begabt, sondern enorm gutaussehend. Nicht zu unterschätzende Eigenschaften, die allen drei Protagonisten enorm weiterhilft, wenngleich – für den heutigen Geschmack – auch immer etwas schablonenheft. Die mächtigen Männer aus Adel, Klerus und wohlhabendem Bürgertum wissen die Talente auszunutzen, derweil deren Ehefrauen und Töchter sich reihenweise in die Knaben verlieben, die mitunter noch keine 20 Lenze zählen. Und die, als strippenziehende Maitresen im Hintergrund, den jungen Männern letztlich den Aufstieg erst ermöglichen – um sie schlussendlich dann ins Verderben zu jagen mit ihrer Herztümelei, ihrer Unentschlossenheit, ihrer Empfindsamkeit und immer wieder, ja, Rachsucht.Wie erwähnt ist es mit Sichehreit der Luxus des spätgeborenen Lesers, sich bei derart eintönigen Klassen- und Geschlechtbeschreibungen ab und an ein wenig überheblich zu amüsieren oder aber genervt die Augen zu rollen, da alle drei Seiten jemand verhuscht zur Seite schaut, errötet, Wangen und Arme des Geliebten in einem schattigen Winle des Garten schnell und hast mit glühenden (immer glühenden) Küssen bedeckt. Derwiel der Tonfall der Männer untereinander in Höflichkeit und Ehrerbietung erstarrt, bis es einem zuviel wird, der Kragen platzt, zum Duell aufgefordert wird. Bei meiner Ehre, Monsieur! – und so weiter und so fort.Das ist 200 Seiten lang ganz charmant, velleicht (ganz sicher) waren die Zeiten damals halt auch einfach so. Es würde auf 700 Seiten auch in Stendhals „Rot und Schwarz“ jedoch in entsetzlichem, schwer erträglichem Kitsch enden, wenn es sich – wie auch bei Flaubert und Balzac – um lupenreine Gesellschaftsromane handeln würde. Und im Fall von Stendhal: Politik. Denn diesem Julian Sorel bdeutet sein gutes Aussehen wenig, er ist weit davon entfernt ein eitler Gockel zu sein. Im Gegenteil, von seinem Vater, einem grobschlächtigen Zimmermann, und seinen älteren Brüdern eine Jugend lang verprügelt, sinnt der sensible, schmächte Julien nach Vergeltung. Und bildet eines Argwohn, um nicht zu sagen Hass gegen jegliche Autoritäten aus. Obwohl früh von Priestern und Äbten intellektuell gefördert, ist im der Klerus zutiefst zuwider, so dass er ihn zu nutzen, nicht jedoch zu schätzen vermag. Ebenso verhält es sich mit dem schwerreichen Fabrikanten Rênal, in dessen Wohnsitz er eine erste Stelle als Hauslehrer antritt. Um es, beseelt von seinem großen geheimen Vorbild Napoleon, auf dessen Ehefrau abgesehen zu haben:„Gewisse Dinge, die Napoleon über die Frauen sagt, verschiedene Erörterungen über den Wert von Romanen, die unter seiner Herrschaft in Mode waren, brachten ihn zum ersten Mal auf den Gedanken, die jeder andere junge Mann seines Alters längst gehabt hätte.Die heißen Tage kamen. Man gewöhnte sich an, die Abende unter einer mächtigen Linde zu verbringen. Hier war es stockdunkel. Eines Abends redete Julien besonders angeregt; hingebungsvoll genoß er das Vergnügen, so gut zu reden und noch dazu vor jungen Frauen; im Gestikulieren berührte er Madame de Rênals Hand, die auf der Lehne eines jener lackierten Holzstühle lag, wie sie in Gärten aufgestellt werden. Die Hand wurde blitzschnell zurückgezogen; aber Julien dachte nun, es wäre seine Pflicht zu erreichen, dass diese Hand nicht zurückgezogen wurde, wenn er sie berührte. Der Gedanke, eine Pflicht erfüllen zu müssen und sich lächerlich zu machen oder sich vielmehr einem Gefühl der Unterlegenheit auszusetzen, wenn es ihm nicht gelang, vertrieb au der Stelle jedes Vergnügen aus seinem Herzen.“Es ist Stendhals großes Verdienst, dass er seinen Protagonisten Julien als äußerst ambivalenten Charakter zeichnet, mit dem der Leser bis zum Romanende nicht recht warm werden kann, der ihm – wie auch vielen Nebenpersonen, die es an verschiedenen Stellen auch so formulieren – eine Menge Rätsel aufgibt. Gleichermaßen berechnend wie hochemotional, gleichermaßen brutal wie hochsensibel stolpert Julien nach oben. Gelangt, nachdem die unzulässige Beziehung zu Madame de Rênal ein Verbleiben unmöglich macht, in noch höhere, ja höchste Pariser Kreise – um dort mit der Tochter des Hauses, Mathilde, anzubändeln, die er, heiter wechselnd, mal als wenig reizvoll, dann wieder als sehr reizvoll beschreibt. Die Krux an der Geschichte: wie auch schon die Vertreter des Klerus, erweist sich auch die Aritokratie als Juliens Förderer, begegnet ihm nur selten schlecht, lässt ihn in keine Hinterhalte und Fallen tappen, auch wenn Julien solche sieht, immer und überall. Und so scheint es tatsächlich als hätte Julien, auch wenn er es sich nicht eingesteht, als einzelner Revolutionär den Kampf gegen ein ganzes Klassensystem aufgenommen. Indem er es, und das ist die einzige Eitelkeit, die er sich erlaubt, es mit seinen Mitteln schlagen zu können denkt.„Diese Dame, die offenbar so empfänglich war für die Freuden des Besitzes, hatte gerade eben beim Essen einem Dienstboten eine gräßliche Szene gemacht, weil er ein Kelchglas zerbrochen und eines ihrer Dutzend ruiniert hatte; und dieser Dienstbote war auch noch unverschämt geworden. Feine Gesellschaft! sagte sich Julien selbst wenn sie mir die Hälfte gäben von allem, was sie stehlen, möchte ich bei ihnen nicht erleben. Eines schönen Tages würde ich mich verraten; die Verachtung, die sie mir einflößen, könnte ich nicht unterdrücken.“Nein, dieser Sorel lässt sich keinesfalls vergleichen mit Balzacs Lucien oder Flauberts Frederic. Denn wo diese beiden qua Naivität zu Opfern von Verhältnissen, Intrigen und Vertrauensbrüchen werden, zurück in die Provinzlöcher geschickt werden, denen sie entstammen, agiert Stendhals mehr wie, tja, wie eine Kriemhild, von Sinnen, wie blind den eigenen Untergang geradezu ansteuernd, das eigene Ende forcierend.Wo Flauberts Roman meiner Ansicht nach zu vernachlässigen ist, Balzac einen sehr empfehlenswerten Einblick in die eitlen Gelüste und schiefen Egos einer Künstlergeneration liefert, betreibt Stendhal Klassenkampf par excellence. Da sind im die paar Situationen aus Schmonz und Kitsch, derer es zuviele gibt in diesem Roman, schnell verziehen.
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