Diese Bilderbuchgeschichte zieht einen sogleich in Bann. Hier wird eine ruhige Geschichte erzählt vom Fremdsein, von Armut, vom Ausgestossensein, von Behaglichkeit sowie von Freude, Genügsamkeit und Ermutigung."Als ich Maria war" erzählt von dem Mädchen, das als Ich-Erzähler die Geschichte in kindgerechter Weise in Worte fasst. Das Mädchen ist mit der Mutter umgezogen und lebt am Fluss, wo es sehr kalt ist. Das Zuhause ist aber behaglich in aller Armut und so mag das Mädchen eigentlich gar nciht nach draussen in die kalte Welt. Doch es muss zur Schule und merkt dabei, dass das Mädchen Brigitte Sulot sie nur wiederwillig dorthin begleitet. In der Schule erlebt es Ausgeschlossensein, erträgt Hänseleien, Gemeinheiten und die Strenge des Lehrers. Wenn das Kind schon nicht in der Klasse eine Rolle spielt, möchte es wenigstens im Krippenspiel die Hauptrolle spielen; doch diese ist Brigitte zugedacht und ihr bleibt "das schwarze Schaf" zu spielen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt und das Mädchen findet doch seinen rechten Platz in der Gemeinschaft. Mehr sei nicht verraten von der eindrucksvollen, von Jutta Richter einfühlsam erzählten Geschichte, die mit indirekten Sprachspielen bezaubert und ohne Vorwürfe auskommt. Vielmehr werden hier Zustände beschrieben, wie sie nicht nur in der Vorweihnachtszeit vorkommen. Und doch bekommen diese hier eine besonders komprimierte Darstellung. Diese wird neben der Sprache besonders von den stimmungsvollen Bildern Jacky Gleichs unterstützt. In überwiegend pastellenen Farbtönen - hier behaupten sich vor allem Beige, Braun, Schwarz und Weiß - stellt Jacky Gleich eine Szenerie vor, die von eindrucksvollen Mimiken der Figuren und vielen Freiflächen geprägt ist. Die Personen stehen hier im Vordergrund, ohne dass alle Figuren sogleich mit Gesicht gezeigt werden; vielmehr gelingt es der Illustratorin mit ihrem ganz persönlichen Malstil zu In-Frage-Stellungen aufzurufen, dem Menschen ins Gesicht zu sehen und über das klar Erkennbare hinauszudenken und Vorurteile zu hinterfragen.Ein künstlerisch und pädagogisch ausgezeichnetes und auszuzeichnendes Buch, das gerade jungen Menschen, die sich fremd und allein fühlen, eine großartige Stärkung und Ermutigung bescheren dürfte!Eine Geschenk, das in Kindergarten und Schule Fremde und Heimat zugleich erfahrbar macht!
Mit dem Versand war ich sehr zufrieden.. mit dem Buch allerdings nicht. Es hat meiner Meinung nach keine Nachricht und wirkt diskriminierend. Das Mädchen, welches auf Grund ihrer Hautfarbe ausgeschlossen und diskriminiert wird bleibt bis zum Ende als der Außenseiter stehen. Dadurch, dass das Gesicht des Kindes erst spät gezeigt wird und auch kein Name genannt wird, kann sie als Beispiel für viele Kinder in ähnlichen Situationen stehen..
Ich halte das Buch „Als ich Maria war“ für nicht empfehlenswert, weil kein positives Bild von Vielfalt vermittelt wird und weil keine Wege aufgezeigt werden, mit Unterschieden konstruktiv umzugehen. Die Hauptfigur bietet keine Identifikationsmöglichkeit. Sie bleibt im Hintergrund und erscheint nicht als gleichwertig zu den anderen Personen im Buch. Zu großen Teilen des Buches erscheint sie gesichts- und namenlos. Es entsteht der Eindruck als würde sie sich, so wie sie ist, nicht mögen (sie mag ihre Hautfarbe nicht und ihre Haare nicht). Eher ist es so, dass die Protagonistin zum Objekt des Mitleids stilisiert wird. Auf vielen Abbildungen ist sie allein und wirkt traurig und verloren. Sie wird von den anderen Kindern geärgert, ohne sich zu wehren, sie duldet es stillschweigend, weil sie Angst vor dem Lehrer hat. Das Buch zeigt nicht, wie sich Kinder gegen Ausgrenzung und Diskriminierung zur Wehr setzten können. Auch bleiben die Erwachsenen reine Beobachter von Diskriminierung, schauen weg oder bagatellisieren. Die Lösung die angeboten wird, ergibt sich durch einen Zufall. Denn das andere Mädchen was Maria spielen sollte, ist krank und erscheint nicht zur Aufführung. Ihre Mutter nimmt die Befindlichkeiten des Kindes nicht ernst, sie beschwichtigt nur. Das Mädchen sagt als Ich-Erzählerin: „Als ich noch klein war, habe ich geglaubt, ich müsste mich mit Schnee waschen, um so weiß zu werden wie die anderen Kinder. Aber Mama hat gesagt, das wäre Blödsinn und sie fände es schön, dass ich dunkel wäre. Sie hat dunkel gesagt, dabei bin ich schwarz.“ Wenn wir genau sein wollen, dann ist sie braun und das ist auch die Selbstbezeichnung der meisten Kinder. Auf dem Buchrücken steht „So gerne wäre das Mädchen im Krippenspiel die Maria! Aber als Neue in der Klasse kann man sich nicht aussuchen welche Rolle man spielen darf....“ Aus dem Subtext entnehme ich aber, dass das Mädchen die Rolle der Maria nicht bekommt, weil sie Schwarz ist. Alle haben gelacht, als der Lehrer dem Mädchen die Rolle des Schafs gibt. Brigitte Sulot hat gekichert und gesagt das passt zu dir, ein schwarzes Schaf. Hier wird das Kind auf seine Hautfarbe reduziert und seine Wünsche und Talente werden nicht gesehen. Die Botschaft für Schwarze Kinder ist: du gehörst nicht dazu, du bist anders und Weiß-sein ist die Norm, ich kann mich nicht wehren und mir hilft auch keiner, erst recht versteht mich keiner. Bücher sollten Kindern helfen ein positives Selbstbild zu entwickeln und dies gelingt diesem Buch leider nicht. Zudem sind die Illustrationen düster und beklemmend, die Figuren wirken bedrohlich.