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Unterwegs nach Chevreuse | Roman | Patrick Modiano | Buch | 160 S. | Deutsch | 2022
Bewertungen & Erfahrungen
4,0 von 5,0
4 Bewertungen
5 ★1
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2 ★0
1 ★0
Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion08.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein faszinierender Roman, der einen tiefen Einblick in die innere Landschaft bietet, allerdings ist die Lektüre sehr dicht und erfordert Konzentration.
Patrick Modiano, Unterwegs nach Chevreuse (deutsch von Elisabeth Edl)In diesem neuen Werk des Meisters der Erinnerungen lernt der Schriftsteller Jan Bosmans die von allen „Totenkopf“ genannte Camille kennen, die ihn in ihr Umfeld einführt. Ein Umfeld, das geheimnisvoll und dunkel bleibt. Die Menschen treffen sich in einer Wohnung in Auteuil, sie „bleiben Schatten in seiner Erinnerung, wegen des immer viel zu schwachen Lichts in der Wohnung“. An einem spätsommerlichen Nachmittag bricht er mit Camille und einer weiteren Bekannten, Martine Haywards, in das Chevreuse-Tal auf, um dort ein Haus zu besichtigen, das Marthe Haywards mieten will. In diesem Haus verbrachte Jean Jahre seiner Kindheit.Nach und nach wird ihm bewusst, dass diese Fahrt kein Zufall gewesen sein kann. Die Schatten seiner Erinnerung lichten sich und ihm wird klar, dass nichts Zufall ist. „Langsam war er überzeugt, all diese Leute webten ein Spinnennetz, in dem sie ihn zu fangen hofften. Doch mit welcher Absicht? Und seit wann verfolgten sie seine Spur?“Diese Fragen versucht er nachfolgend zu beantworten, in dem er vor allem seine trügerische Erinnerung befragt. Aus dem Nebel diffuser Erinnerungen tauchen die Antworten auf und scheinen Klarheit zu liefern. Aber nichts ist so trügerisch wie die Erinnerung.Wieder legt Modiano ein Meisterwerk vor. Die nur etwas mehr als 120 Seiten enthalten viele sprachlich bezaubernde Gedanken, die den Leser innehalten lassen. Eine gewinnbringende Lektüre für einen Abend.
"Die besondere Faszination der Romane des Nobelpreisträgers Patrick Modiano speist sich daraus, dass Modiano dem Anschein nach an all den Verrenkungen, die moderne Autoren oft um der schieren Innovation willen unternehmen, keinen Anteil nimmt. Nie hat man das Gefühl, Modiano suche diesen einen, einfach nur spektakulären Kniff. Und dennoch erzählt Modiano auch niemals nur eine Geschichte dröge von A nach B. Das sprunghafte Erinnern seiner Protagonisten verknüpft ganz zwanglos die zahlreichen Zeitebenen innerhalb einer Modiano-Erzählung, so auch noch die auktorialsten Passagen in der Schwebe haltend. Modiano schildert plastisch, jedoch nie mit dem Gestus des so-und-so-und-nicht-anders-war-es."Das schrieb ich anlässlich des Nobelpreises 2015 allgemein über die Romane Patrick Modianos.Das lässt sich nahtlos auch über das zuletzt erschienene „Unterwegs nach Chevreuse“ so sagen. Auch dieser Roman versammelt schöne, poetische, doch nie aufdringliche Beobachtungen und stellt uns seine Welt wie eine vor Augen, die wir schon aus hunderten Erzählungen kennen, und doch zugleich immer in neuem Licht (und Schatten), ganz wie es etwa Proust als das eigentlich zentrale der Kunst benannt hat. Und auch dieser Roman hat wieder mehr als einen doppelten Boden.Allerdings hatte ich zumindest mit dem Hörbuch gewisse Schwierigkeiten, der Handlung hinter den Momenten zu folgen. Die geht in etwa so:Ein Mann, wir erfahren später, Schriftsteller, kommt aus Paris nach Chevreuse, auf der Suche nach irgendetwas. Zuerst wandelt er auf den Spuren eines anderen, dann sind da einige Bekannte aus der Vergangenheit. Als sich herauskristalisiert, dass die ihn hierher gelotst haben, da sie glauben, er könnte irgendetwas aus der gemeinsamen Vergangenheit bezeugen, wird zugleich fragwürdig, wie real diese Menschen eigentlich sind, und inwieweit nicht nur verselbstständigte Figuren eines Romans, an dem der Protagonist gerade arbeitet.Wie gesagt, ich fand es ungewöhnlich schwierig, dieser Handlung zu folgen bzw. eine Art Progression auszumachen. Stattdessen hatte ich lang das Gefühl, eine Figur zu beobachten, die ziellos durch die Gegend läuft und reminesziert, während zum Schluss dann hastig ein paar Dinge aufgeklärt werden oder durch das verwischen der Grenzen zwischen Realität und Fiktion weniger wichtig werden.Allerdings kann es gut sein, das Modiano aufgrund der oben beschriebenen Komplexität oder speziell dieser Roman sich nicht gut für die „Erstlektüre“ per Hörbuch eignet, und die Zusammenhänge beim Lesen leichter klar würden.Vorgelesen wird der Text angenehm und ohne die heute bei Hörbüchern häufigeren exzessiven schauspielerischen Ambitionen (Piepsstimmen, Geschrei usw.).
Über den meisterhaften Stil eines Literaturnobelpreisträgers muss nichts weiter gesagt werden und ich möchte hier auch nicht bekritteln, dass quasi verbale Farbtupfer die Ereignisse der Vergangenheit enthüllen und dabei manches im Unklaren, unscharf, bleibt. Der Roman ist jedoch in gewisser Weise als Krimi angelegt und hier gibt es merklich Schwächen. Lässt man einmal beiseite, dass der Protagonist als Person und ebenso seine Biografie nicht greifbar werden und viele Fragen aufwirft - Was hatte er als Kind im Unterschlupf einer Verbrecherbande zu suchen? Wo waren seine Eltern? Wer mietet ein Haus und beherbergt darin regelmäßig die Vermieterin und deren Freund? War der kleine Jean eine Waise und nur zur Tarnung in besagtem Haus? Und was sollen diese erzählerischen Lücken beim Leser bewirken? -,so wird auch nicht schlüssig, warum ein kompliziertes Netz um eben jene Hauptperson gesponnen werden sollte, nur um zu erfahren, wo Diebesbeute versteckt worden war. Da hätte es direktere und wirksamere Methoden gegeben, um an diese Information zu gelangen. Warum monatelang raffinierte Manöver versuchen, um dann doch am Ende auf plumpe Drohgebärden zurückzugreifen? Ich hatte mir mehr versprochen.
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Letzte Aktualisierung: 14.10.2026 06:16 Uhr.