Männer sterben bei uns nicht: Roman
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Männer sterben bei uns nicht: Roman

Hersteller: Hanser Berlin  ·  MPN: 1670694
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Männer sterben bei uns nicht | Roman | Annika Reich | Buch | 208 S. | Deutsch | 2023 | Hanser Berlin

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 05.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Ein sehr provokantes und tiefgründiges Buch, das viele spannende Gedanken über menschliche Beziehungen und das Selbstbewusstsein aufwirft. Es ist eine packende Lektüre, die zum Nachdenken anregt.
Redaktion 05.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Interessant.
Dauerleserin 12.03.2024 amazon.de
Es ist ein stattliches Anwesen mit Seeblick: fünf Häuser, die zusammengehören, in vier der Häuser leben mehrere Frauen, die mehr oder weniger zusammenwohnen. Die Frauen sind alle mehr oder weniger miteinander verwandt, und über allem herrscht die Großmutter.Doch eines Tages stirbt die Matriarchin. Und ihre Enkelin Luise fragt sich, warum es in ihrer Familie keine Männer gibt, und was es mit dem fünften, unbewohnten Haus nun wirklich auf sich hat.Cover und Schreibstil:Das Cover von „Männer sterben bei uns nicht“ und hat mich sofort neugierig gemacht. Man sieht im Vordergrund eine kleine blauweiße Schale. Daneben liegen zwei alt aussehende Äpfel, und im Hintergrund ist ein großer Blumenstrauß, der überwiegend aus Rosen besteht, zu sehen. Bemerkenswert an diesem Stillleben der besonderen Art ist, dass einige Blüten schon verblüht sind, und dass aus der Schale eine kleine Ecke herausgebrochen ist. Man sieht drei eigentlich hübsche Dinge, aber alles ist nicht ganz makellos, genau wie die Familie, um die es in Männer sterben bei uns nicht“ geht!Annika Reichs Schreibstil gefällt mir sehr gut. Durch die gewählte Ich-Form (aus Luises Perspektive) wirkt der Text sehr lebendig und authentisch. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, ein Teil der Handlung spielt in Luises Kindheit, der Rest in der Gegenwart, und zwar im Wesentlichen während der Beerdigung der Großmutter.Die Art der Schilderung ähnelt Ingrid Noll, was für mich ein Kompliment darstellt. Allerdings nutzt die Autorin nicht den schwarzen Humor, sondern nutzt beim Schreiben den Sarkasmus. Humorig ist da gar nicht, außer vielleicht ein paar Passagen, die den Lesenden aufgrund einer Situationskomik ein zaghaftes Lächeln entlocken können.Der Titel („Männer sterben bei uns nicht“) ist genial, denn er macht neugierig und sagt in einem Satz, worum es in dem Buch eigentlich geht. Dies versteht man allerdings erst, wenn man das Buch gelesen hat, und auch dies ist ein raffinierter Schachzug der Autorin.Fazit und Leseempfehlung:Für mich ist „Männer sterben bei uns nicht“ ein Kriminalroman ohne Mord und Totschlag. Tatsächlich tauchen zwei Leichen auf, die aber für die eigentliche Handlung eine eher untergeordnete Rolle spielen.Das Mörderische, Kriminelle wird in „Männer sterben bei uns nicht“ ganz anders eingebaut, was viel perfider daherkommt als in einem herkömmlichen Krimi oder Thriller.„Männer sterben bei uns nicht“ ist ein mutiges Buch, das meiner Meinung nach beachtet werden muss. Haben wir nicht alle etwas merkwürdige Verwandte? Gibt es nicht in jeder Familie ein schwarzes Schaf oder jemanden, der über alle anderen bestimmen möchte?Fast liebevoll webt Annika Reich ihr Netz mit all den etwas schrullig daherkommenden Protagonistinnen. Mitten in ihrem Netz sitzt als dicke, schwarze Spinne die Großmutter. Als diese stirbt, wackelt das Netz, und es zeigt sich, dass die Fäden nicht so fest verwoben sind, wie es zunächst den Anschein hat. Viele Wahrheiten und auch Lügen treten auf einmal an die Oberfläche, und keine der Frauen kann sich dem entziehen.Die Hauptprotagonistin stellt fest:„Je mehr ich über meine Großmutter nachdachte, desto rätselhafter wurde sie; und das obwohl ich als Kind immer gedacht hatte, sie wäre lupenrein wie ein Diamant.“ (Kindle-Position 918)Der Buchtitel lügt nicht, denn hier sterben eigentlich keine Männer, nur der Großvater, aber was mit den Männern, die es mal gab, geschehen ist, wird in dem Buch nicht beantwortet. Man erfährt nur dies:„Männer starben bei uns nie, Männer kamen und gingen.“ (Kindle-Position 17).Annika Reichs Buch hat mich von vorne bis hinten bestens unterhalten, aber gleichzeitig auch nachdenklich gestimmt. Dass die Autorin nicht alle Fragen, die beim Lesen aufkommen, auch tatsächlich beantwortet, ist geschickt, aber auch herausfordernd.Zum Schluss noch ein echter Gänsehaut-Satz:„Man betrauert auch Menschen, mit denen es schwierig war im Leben, vielleicht betrauert man die sogar noch ein bisschen mehr.“ (Kindle-Position 592)Ich empfehle „Männer sterben bei uns nicht“ allen, die Sarkasmus mögen und allen Ingrid Noll-Fans. Vier Sterne von mir.Die Dauerleserin
Literaturhexle 12.03.2024 amazon.de
Luises Großmutter ist gestorben. Die alte Dame war die Patriarchin der Familie. Aus ihrer Ahnenreihe stammt das immense Vermögen, von dem die Familie lebt und von dem nicht ganz klar ist, ob ihm der Schmutz des Krieges anhaftet. Dazu gehört „das Anwesen“: Ein wunderschön am See gelegenes Grundstück mit fünf Häusern, von denen vier von den Frauen der Familie bewohnt werden. Männer sucht man in diesem Kontext vergebens, sie bilden höchstens Schatten und Hintergrund: „Meine Großmutter ertrug Männer im realen Leben nicht, aber sie stellte nie in Frage, dass Männer die angenehmeren Zeitgenossen waren.“ (S. 92)Die Großmutter legt viel Wert auf ihren Status, auf anständiges Benehmen, korrektes Erscheinen und Etikette. Sie unterteilt die Welt in Gut und Böse, wer ihren Standards nicht entspricht, wird ausgemustert oder fällt in Ungnade. Dieses Schicksal haben fast alle Familienfrauen erlitten. Sie dürfen zwar auf dem Anwesen leben, müssen sich ansonsten aber dem Willen der Patriarchin beugen und ihren bissigen Spott ertragen. Einzige Ausnahme bildet von Klein auf Luise. Sie ist Großmutters Augenstern und wurde als ihre legitime Nachfolgerin auserkoren. Dazu gehört auch die komplette Erbschaft des Vermögens. Dass das bei den anderen Familienmitgliedern nicht auf Sympathie stößt, kann man sich vorstellen.Die Geschichte wird von Ich-Erzählerin Luise erzählt. Die Kernhandlung findet während der unmittelbaren Trauerfeier statt. Luise beobachtet den von der Großmutter geplanten höchst eigenwilligen Ablauf der Beerdigungszeremonie. Immer wieder schweifen dabei ihre Gedanken ab. Sie beschäftigt sich intensiv mit Episoden und Erlebnissen aus ihrer Kindheit und Jugend, die die komplizierte Familienkonstellation und -historie erklären, die aber auch zeigen, dass Luise keine unbeschwerte Kindheit hatte. Die Übergänge der Zeitebenen gestalten sich fließend: Die mittlerweile 30-jährige Erzählerin stößt auf ein Stichwort oder eine Beobachtung, die sie direkt zu ihren episodischen Rückblicken führen. Die kurzen Kapitel sorgen diesbezüglich für Struktur, so dass man keinerlei Mühe hat, der Handlung zu folgen.Der Roman startet mit einem Paukenschlag, als die neunjährige Luise innerhalb weniger Monate zwei tot angeschwemmte Frauen am Ufer des Sees findet. Luise ist sehr geschockt, zumal sie zunächst ihre ältere Schwester Leni im Wasser zu erkennen glaubt. Leni ist Luises Bezugs- und Vertrauensperson gewesen – bis sie fort- und auf ein englisches Internat geschickt wurde. Dieser Verlust schmerzt Luise unendlich. Die Reaktionen der Erwachsenen auf die toten Frauen fallen höchst seltsam aus, lediglich die Großmutter gibt dem Kind Sicherheit, erwartet aber auch ein schnelles Vergessen des Ganzen. Luises Mutter wirkt indessen hochgradig instabil und ihren wechselhaften Stimmungen unterworfen. Sie kann keine Gefühle zulassen: „Meine Mutter verschob ihre und meine Gefühle nicht nur, um ihnen irgendwann besser begegnen zu können, sie verschob sie auf Nimmerwiedersehen.“ (S.33)Die Verzahnung der Ebenen wird gekonnt gelöst. Die Figuren wirken in all ihrer Ungewöhnlichkeit glaubwürdig. Luise ist eine brillante Beobachterin der Szenerie rund um den Friedhof. Die spitzen Dialoge tun ihr Übriges, den Charakteren zahlreiche Facetten zu verleihen. Währenddessen sorgen die Episoden aus der Vergangenheit dafür, dass sich das Netz der komplexen familiären Beziehungen immer mehr komplettiert. Tragische Verluste und traumatische Erlebnisse, die sich Luise meist aus Erinnerungsfragmenten erschließen muss, säumen die Familienbiografie. Die Großmutter wirkt meistens unnahbar, spielt gegeneinander aus. Ihr selbstgerechtes Verhalten gepaart mit der deutlichen Bevorzugung eines Enkelkindes erzeugt ein Klima des Misstrauens und der Eifersucht. Die Großmutter als Zeremonienmeisterin steuert und manipuliert, hat Geheimnisse und verschweigt vieles. Die aufgestauten Konflikte drohen, bei der Trauerfeier zu eskalieren. Luise ist die beobachtende Außenseiterin des Szenarios. Mit dem Tod der Großmutter muss sie sich über ihre neue Rolle klar werden: „Ich war Erbin der Steine und des Anwesens, der toten, aussortierten und verschwundenen Frauen, ob ich es wollte oder nicht.“ (S. 78)Über weite Strecken habe ich diese leicht beklemmende Atmosphäre als sehr fesselnd empfunden. Die Autorin erzählt bewusst nicht alles aus, sie arbeitet mit Andeutungen und (wiederkehrenden) Motiven, woraus sich mein latentes Interesse speiste. Annika Reich kann schreiben. Sie hat einen unaufgeregten Stil, schildert bildlich und intensiv. Der Schauplatz, auf dem sie das unglückliche Leben der Reichen aufmarschieren lässt, ist wunderbar gewählt und verspricht zunächst eine spannende Familiengeschichte. Doch irgendwo im letzten Drittel hat mich der Roman verloren. Ich kann gar nicht sagen, woran es konkret gelegen hat. Ich habe kein Problem mit offenen Enden, doch dieser Ausgang bleibt mir zu vage, zu sehr in der Luft schwebend. Mir fehlt eine finale Entwicklung. Die einzelnen Rückblicke lesen sich interessant, aber wo ist ihr Zusammenhang, wo ist die Grundaussage des Romans? Vielleicht habe ich ihn trotz intensiven Lesens nicht komplett verstanden, vielleicht habe ich Bausteine übersehen. Die letzten Seiten decken auch eine starke feministische Botschaft nach Frauensolidarität auf, die sich mir aus dem Text allein nicht erschließt und daher übergestülpt auf mich wirkt.Ich bin sicher, dass der Roman seine Leser finden wird. Titel und Cover wurden wunderbar gestaltet und machen neugierig. Von mir gibt es leider nur eine eingeschränkte Leseempfehlung.
Viergiebel 12.03.2024 amazon.de
Rechtlich funktioniert das Buch nicht. Selbst wenn die Großmutter alles ihrer einen Enkeltochter vererbt hat, müsste diese eine Enkeltochter (Louise) Pflichtteile ausbezahlen, nämlich an ihre Tante und an ihre Schwester. Das gilt aber nur, wenn ihr Vater tot wäre. Ob er das ist, weiß man nicht. Würde ihr Vater noch leben, hätte die Großmutter also noch zwei lebende Kinder, würden diese jeder zur Hälfte erben. Hätte die Großmutter stattdessen jemandem anderen alles vererbt (Louise), würden die beiden Kinder immer noch ihren Pflichtteil bekommen, d.h. jeder die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, das bedeutet jeder 1/4, zusammenn also die Hälfte des Anwesens. Hinzukommen bei einem Anwesen dieser Größe und in dieser Lage mit fünf Häusern jede Menge Erbschaftssteuer.Als Schmuckdesignerin wäre Louise meiner Meinung nach aber nicht in der Lage, diese Pflichtteile und die Erbschaftsteuer zu bezahlen, ohne das Anwesen selbst zu versilbern. Aber ich weiß: darum geht es in diesem Buch nicht. Aber das zeigt, dass die Geschichte irgendwie nicht ganz passt.
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