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Gebranntes Kind sucht das Feuer | Roman | Cordelia Edvardson | Buch | 144 S. | Deutsch | 2023
Bewertungen & Erfahrungen
5,0 von 5,0
5 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion16.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Cordelia Edvardsons Roman ist ein tief bewegendes und literarisch beeindruckendes Werk, das man unbedingt lesen sollte. Eine wahre literarische Wiederentdeckung, die viel zum Nachdenken anregt.
Redaktion16.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Cordelia Edvardsons Roman ist ein tief bewegendes und wichtiges Werk, das man unbedingt lesen sollte. Eine literarische Wiederentdeckung, die sehr berührend ist.
Um nicht weniger kreisen die Gedanken von Cordelia Edvardson in ihrem Erinnerungsroman. Die unvorstellbaren Grauen des NS-Regimes, sie werden in diesem Buch deutlich, nüchtern benannt. Und dies nicht als abstrakter geschichtlicher Abriss, sondern in den Erinnerungen einer Zeitzeugin, die als Jugendliche in Auschwitz inhaftiert war. Edvardson schreibt in einer Eindringlichkeit, die beim Lesen erschaudern lässt. Dabei gelingt ihr sich nicht nur mit dem auszudrücken, was sie schreibt, sondern sagt in manchen Passagen ebenso viel, wenn nicht noch mehr zwischen den Zeilen. Die Sprachlosigkeit und Gefühllosigkeit angesichts des Erlebten, man spürt sie in jeder Zeile, zwischen den Zeilen, sie hängt förmlich bleischwer zwischen den Buchstaben. Es ist als ob ein Teil von ihr sterben musste, um zu überleben, um das Erlebte überhaupt ertragen zu können.Damit unterscheidet sich die Erinnerung in der Form ihrer Umsetzung, deutlich von Imre Kertész Roman eines Schicksallosen, Kertész wie Edvardson 1929 geboren und auch zeitweise in Auschwitz inhaftiert. Wie beschreibt man, das Unbeschreibliche? Die Altersgenossen eint, eine Antwort darauf gefunden zu haben. Beide suchen in ihrem Ausdruck eine Form der Distanz. Bei Kertész ist dies der unbedarfte Blick eines Kindes, der es ermöglicht das Unvorstellbare niederzuschreiben. Edvardson wählt die dritte Person, schreibt über „das Mädchen“, zu unbegreiflich bleibt, dass dies ihr Leben, ihre Erfahrung ist. Mengele, Magdl, die Tötungsmaschinerie im Lager werden, wie im Anschlag einer Schreibmaschine Wort für Wort dokumentiert, selten nur erlaubt sich das Mädchen wirkliche Emotion, darf sie sich nicht erlauben, wenn sie überleben will.Das Überleben, es ist für mich das größte Geschenk in der Wiederentdeckung des Erinnerungsromans von Cordelia Edvardson. Denn das „Weiterleben“ ist etwas, was ich bisher in noch keinem Zeitzeugenbericht so eindringlich beschrieben oder überhaupt thematisiert gefunden habe. Wie gehen wir als Gesellschaft mit den Überlebenden um? Cordelia Edvardson begegnet einem gesellschaftlichen Verdrängen, einem Weitermachen, nach vorn blicken. Doch Verdrängen funktioniert nur für die, die nicht gesehen, die nicht erlebt haben - Edvardson nennt sie die Lebenden. Was macht die gesellschaftliche Verdrängung als kollektive Vergangenheitsbewältigung mit denen, die überlebt haben und nun weiterleben müssen? Nimmt man den Überlebenden damit nach der Entmenschlichung des Lagers ein zweites Mal ihre Identität, oder zumindest einen Teil davon, indem man das Erlebte ignoriert, negiert, nicht hören will?Auch diese Fragen machen den Erinnerungsroman heute noch genauso aktuell wie bei seiner Ersterscheinung.Die schwierige Beziehung zur Mutter bleibt lange nicht wirklich greifbar. Es schadet sicher nicht vor der Lektüre zu Elisabeth Langgässer einen kurzen Überblick zu haben. Spätestens im Nachwort kann hiermit jedoch auch Daniel Kehlmann dienen.Es ist sicher kein leichtes und auch kein schönes Buch, im herkömmlichen Sinne, aber dafür um so mehr ein wichtiges Stück Erinnerung und Zeitgeschichte, an dem Cordelia Edvardson uns teilhaben lässt.Die Zeilen von Cordelia Edvardson werden mich noch lange beschäftigen. Und das ist das Beste, was man von einem Buch erwarten kann.
"Es war zu viel und doch zu wenig, es wurde vom Feuer gesprochen, aber über die Asche geschwiegen."Cordelia Edvardson ist die Tochter der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer, einer glühenden Katholikin mit einem jüdischen Elternteil und des jüdischen Staatsrechtlers H. Heller. Das Mädchen gilt somit zu NS Zeiten als Dreivierteljüdin.Aber auch schon vor der Judenverfolgung hat das Mädchen keine einfache Zeit. Die Familienkonstellation ist für die Zeit ungewöhnlich und sie wird ausgegrenzt. Die Mutter bietet keinen wirklichen Rückhalt in ihrem Wunsch nach Selbstverwirklichung, Sicherheit und dem Wunsch sich durch eine Ehe besser zu stellen. Es fehlt an Liebe und Zuwendung. Als die Zeiten immer bedrohlicher werden, versucht die Mutter die Tochter ins Ausland zu schaffen. Als sie bei der Gestapo vorgeladen werden, muss sich das Mädchen entscheiden: entweder wird die Mutter des Verrats angeklagt oder sie unterwirft sich den Rassegesetzen. "...nichts musste gesagt werden, es gab keine Wahl..." Durch ihre Unterschrift besiegelt Cordelia ihr Schicksal. Sie wird nach Auschwitz deportiert, erlebt dort den blanken Horror und muss für Josef Mengele als Schreibkraft arbeiten. Gerade die kleinen Episoden, die hier so distanziert geschildert werden, transportieren spürbar das Grauen. Cordelia überlebt und wird vom Roten Kreuz nach Stockholm gebracht. Der Kontakt, den sie ein Jahr nach der Rettung zu der Mutter sucht, verläuft unsäglich schlecht. Sie bleibt in Schweden und übersiedelt 1973 nach Israel.Dieser Überlebensbericht ist gerade mal 134 Seiten stark, aufgrund der Inhaltsschwere jedoch nicht schnell gelesen. Die Autorin berichtet überaus distanziert von ihrem Leben, dabei geht sie nicht chronologisch vor. Sie nennt sich: das Mädchen, die Tochter, die Frau und bleibt damit konsequent ohne Namen und in der dritten Person. Sie ist für die Freiheit der Mutter nach Auschwitz gegangen und hat dort ganz andere Liebesbeweise von Müttern erlebt. Es sind kleine Begebenheiten, die sie so eindringlich schildert, das man meint man wäre mit dabei. Die Betroffenheit, die das auslöst, hinterlässt lange Zeit Erschütterung. Es ist beeindruckend, wie emotional die Auswirkungen eines so distanziert geschriebenen Textes ist.Ein unglaublich beeindruckendes Zeitzeugnis, das nicht in Vergessenheit geraten sollte. Durch das Nachwort von Daniel Kehlmann werden nochmal Fakten angereichert und Dinge gut erläutert.Lesenswert
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Letzte Aktualisierung: 01.10.2026 18:11 Uhr.