Willibert Pauels, der katholische Diakon und Kabarettist, ist ein großer Erzähler. Er erzählt von Menschen und deren vielen Erfahrungen. Noch mehr: Seine Geschichten faszinieren die Menschen, sie schenken ihm alle Aufmerksamkeit, die sie Pauels schenken können. Das Buch „Unseren täglichen Trost gib uns heute“ zeigt einmal mehr, dass der „Bergische Jung“, als der Willibert Pauels im Rheinland bekannt ist, die Menschen begeistern kann.Was ist das Geheimnis seines Erfolgs? Letztendlich kann man sich dem Geheimnis des Erfolgs sicher nur annähern. Pauels bleibt in jeder Zeile des Buchs der Theologe, aber auch der heitere Zeitgenosse, der einen menschennahen Bogen von der Heiterkeit zum Glauben und auch zum Alltag der Menschen schlagen kann. Und er gewinnt den Phänomenen des Alltags das Positive ab.Dabei weiß der Theologe und Kabarettist Pauels, dass das Leben ganz bösartig zuschlagen kann. Seit vielen Jahren erlebt er depressive Episoden, hat sich mit seiner tiefen Traurigkeit auch klinisch behandeln lassen. Für Pauels ist der Kern der Religion, des gelebten Glaubens der Trost: „Trost, der Tränen trocknet. Und Trost, der irgendwann wieder lachen lässt. Trost in der Seele, damit sie lieben kann und sich freuen: Religion“ (S. 17).Pauels erzählt unter anderem viele Geschichten aus der eigenen Familie. Dabei zeigt sich, welche Anerkennung er seinem Vater entgegenbringen kann. Es sind die kleinen Erlebnisse, die für den einen oder anderen die Welt bewegen und vielleicht auch hier und dort den Frieden bringen können. So bewegt es, wenn er von Erfahrungen des Vaters im Zweiten Weltkrieg berichtet. Unter anderem wird offensichtlich, welche Kraft ein Rosenkranz haben kann, um Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Pauels schreibt: „Das größte Geschenk in der Bauernstube war, so sagte mein Vater, nicht der Proviant, sondern erleben zu dürfen, wie sich Angst in Liebe verwandeln kann“ (S. 36).Der Diakon und Kabarettist Pauels erzählt auch von eigenen Erfahrungen, die durch gesellschaftlich-politische Umstände geprägt waren. So wurde er bei Reisen mit dem Kaplan Hans Börsch in den 1970er Jahren zum Schmuggler. In den Zeiten des Kalten Krieges hatte dies eine besondere Qualität. Und über die Menschen in der damaligen Tschechoslowakei schreibt er: „Von diesen Menschen … habe ich gelernt, dass der Glaube, sei er auch noch so ein zartes Pflänzchen, die Kraft hat, jede Betondecke zu durchstoßen – wie Löwenzahn“ (S.67).Es gelingt dem Autoren Pauels, immer wieder aus dem Konkreten des alltäglichen Lebens heraus auch das große Ganze in den Blick zu nehmen. Seine Erzählungen haben das Potential, als pars pro toto dazustehen. So haben die Leser_innen die Gelegenheit, immer auch nach dem Sitz des Ganzen im eigenen Leben zu schauen, dem eigenen Dasein vielleicht auch eine Tiefgründigkeit zu geben, die so nicht erwartbar war.Willibert Pauels ist ein Mensch, der Menschen um sich herum Hoffnung geben kann. Es geht ihm beileibe nicht darum, eine Botschaft in aller Rechtschaffenheit und Orthodoxie zu verkünden. Sein Ziel ist es wohl, die Menschen an den Orten abzuholen, wo sie stehen. Seine Geschichten und Gedanken vermitteln Trost und Hoffnung, wenn es schwierig ist. Gleichzeitig sind sie Farbtupfer im grauen Alltag.„Unseren täglichen Trost gib uns heute“ – er weiß, was Menschen Tag für Tag brauchen, so ganz nebenbei.
Da ich im Rheinland nahe Köln lebe, ist mir der "bergische Jung" als Büttenredner im Karneval gut bekannt. Da mag ich ihn auch sehr. Ebenso wusste ich, dass er katholischer Diakon ist. Das klingt auch in seinen Büttenreden immer wieder mit.Ich war gespannt, wie er sich als Autor macht. Da ich mich auch selber oft mit dem Thema Glauben beschäftige, hat mich auch das Thema seines Buches angesprochen.Und es gefällt mir tatsächlich gut. Der Autor betrachtet den Glauben und den Sinn von Religion nicht wissenschaftlich, sondern eher "aus dem Bauch heraus". Er erzählt ein paar Geschichten, die zum Thema passen, immer wieder vermischt mit Episoden aus seinem eigenen Leben.Wie er selbst zum Glauben gefunden hat was die Religion für ihn bedeutet, wann er Gott in seinem Leben ganz nah war, warum er Diakon und nicht Priester geworden ist usw.Ich fand seine persönlichen Geschichten sehr viel interessanter als die anderen. Und die eingefügten teilweise recht langen Bibeltexte hätte ich nicht gebraucht. Vom Aufbau her fand ich das ganze Buch etwas konfus.Ich bin auch nicht sicher, wie gut das Buch bei Lesern ankommt, denen der "bergische Jung" kein Begriff ist. Daher würde ich ihm 3 von 5 Sternen geben.