Der Messias kommt nicht - Walter Homolka Juni Hoppe Daniel Krochmalnik Gebunden
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Der Messias kommt nicht - Walter Homolka Juni Hoppe Daniel Krochmalnik Gebunden

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Produktbeschreibung

Der Messias kommt nicht | Abschied vom jüdischen Erlöser | Walter Homolka (u. a.) | Buch | 272 S.

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Benedikt Bögle 28.03.2024 amazon.de
Der Mensch sehnt sich nach Heil und nach Erlösung. Gerade angesichts einer kriegerischen und gewaltsamen Welt stellen wir uns die Frage: War es das schon? Ist das Ziel der Welt Tod und Grausamkeit und Ungerechtigkeit? Judentum und Christentum können auf diese Frage mit ihrer Hoffnung auf den Messias antworten – der in beiden Religion freilich unterschiedlich gedeutet wird. Bei Herder ist nun ein Sammelband der jüdischen Theologie erschienen, der einen auf den ersten Blick ernüchternden Titel erhalten hat: „Der Messias kommt nicht. Abschied vom jüdischen Erlöser“. Die Hoffnung auf einen Messias, so schreibt Walter Homolka in seinem Vorwort, „stieg in Zeiten des nationalen Unglücks, etwa nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer im Jahr 70 u.Z.“.Das Buch besteht im Wesentlichen aus drei großen Kapiteln: Juni Hoppe schreibt über die Messiasvorstellungen im antiken Judentum, Daniel Krochmalnik über den Messias im rabbinischen Judentum, Walter Homolka schließlich über die Neuzeit bis hin zur Gegenwart. Den Band durchzieht dabei ein tiefes Verständnis dafür, dass sich Messiasvorstellungen einerseits gewandelt haben, andererseits immer schon vielfältig waren: Der Messias konnte etwa in der Antike als eher priesterlicher, aber auch als kriegerische Gestalt verstanden werden. Gleichfalls konnte vom Messias erwartet werden, er würde frühere (politische) Zustände wiederherstellen oder aber einen bisher noch nicht gekannten utopischen Zustand bringen. Der Titel – „Der Messias kommt nicht“ – kann daher in doppelter Weise verstanden werden: Einerseits gab es immer wieder Menschen, die als Messias auftraten oder das baldige Kommen des Messias ankündigten – zu Unrecht. Andererseits entwickelt sich im Judentum allerdings eine Vorstellung, dass unter dem Messias vielleicht keine bestimmte Person, sondern eher ein (eschatologischer) Zustand zu verstehen sei.Der katholische Theologe Magnus Striet hat ein Nachwort verfasst, was den Band auch zu einem Beitrag des jüdisch-christlichen Dialogs macht. Dabei stellt Striet heraus, dass das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Messias ein trennendes Element zwischen Judentum und Christentum darstellt, wenngleich dies den Blick auf das Verbindende nicht verstellen darf. Ob Jesus seinen Tod wirklich nicht wollte – das wird man mit einem kleinen Fragezeichen versehen dürfen, stellt aber eher ein Problem christlicher Theologie dar.Alles in Allem ist dieser Band sehr gelungen, weil die drei großen Kapitel einen sehr guten, knappen, aber mehr als fundierten Überblick über die Entwicklung jüdischer Messiastheologie geben.
Dr. Stefan Hartmann 28.03.2024 amazon.de
Drei Potsdamer Theologen des Judentums haben in der Veröffentlichung „Der Messias kommt nicht. Abschied vom jüdischen Erlöser“ mit einer Einleitung von Walter Homolka jüdische Messiasvorstellungen historisch beschrieben und mit einer zeitaktuellen Deutung versehen. Homolka zitiert eingangs den Satz von Yeshayahu Leibowitz “Jeder Messias, der in die Gegenwart kommt, ist ein falscher Messias“. Er nennt Messias-Prätendenten wie den am Ende zum Islam übergetretenen Kabbalisten Sabbatai Zwi (1626-1676) und seinen Wiedergänger Jakob Joseph Frank (1726-1791), über den die polnische Autorin Olga Tokarczuk den großen Roman „Die Jakobsbücher“ schrieb und dafür 2018 den Literaturnobelpreis erhielt. Wissenschaftlich verortet ist das Thema bei Gershom Scholem, Jacob Neusner, R. J. Zwi Werblowsky und Manfred Voigts. Es folgt ein Blick auf die sich wandelnde Begriffsgeschichte von Messias und Messianismus.Juni Hoppe beschreibt die Messiasvorstellungen im antiken Judentum wie sie vor allem aus den davidischen Texten der hebräischen Bibel hervorgehen. Es wird von Gesalbten gesprochen, die nicht an eine konkret-geschichtliche oder eschatologische Person gebunden sind, in denen aber Gottes Herrschaft rettend durchscheint als „Licht der Völker“ (48). Eine direkte Verbindung messianischer Erwartungen zu christlichen Deutungen existiere nicht. Ausführlich schildert Daniel Krochmalnik mit Original-Talmud-Texten sodann das Messiasbild im rabbinischen Judentum, das sich über Gestalt, Umfeld und Zeitpunkt des Kommens des Messias Gedanken macht. Ein volkstümlicher davon wäre, dass der Messias käme, wenn alle Juden das Gesetz und den Shabbat einhalten würden. Es ist aber nicht die Rede davon, „dass der Messias ein Übermensch oder Gottmensch sein müsse“ (144). Auch bei Maimonides und im Talmud gebe es keinen „Persönlichkeitskult um den Messias“ (167).Walter Homolka behandelt neuzeitliche Messiasvorstellungen im Judentum, unterscheidet „restaurativen“ Messianismus, der sich auf ein goldenes Zeitalter zurückbezieht, von „utopischen“ Messianismus, der sich prophetisch auf die Zukunftsgestaltung ausrichtet. Der Messiasgedanke wird vom Chassidismus über Aufklärung/Emanzipation bis in die Gegenwart nach der Schoa verfolgt. Immer wichtiger wird gegenüber einer personalen messianischen Einzelgestalt die Orientierung an den messianischen Zuständen universaler Gerechtigkeit, zu denen trotz aller Brüche auch die aus orthodox-jüdischer Richtung abgelehnte Gründung des Staates Israel 1948 gezählt werden kann. Modernes Judentum will mitwirken an der „Heilung der Welt“ (tikkun olam), wie ein schon alter liturgischer Begriff sagt (225). In einem Nachwort (229-247) formuliert der Freiburger Theologe Magnus Striet, für den die Existenz Gottes nicht „sicher“ ist, einige provokative aber durchaus konstruktive Fragen an beide Seiten. Die Messiasidee kann jedenfalls keine Brücke zwischen Judentum und Christentum sein, auch wenn es nun eine vorzügliche Christologie von Helmut Hoping unter dem Titel „Jesus aus Galiläa. Messias und Gottes Sohn“ (Freiburg ²2020) gibt. Walter Homolka fasst Inhalt und Thema des Buches in seiner Einleitung treffend zusammen: „Die Aufgabe des Messias besteht im Judentum darin, das Volk Israel aus seinem Leid und der Bedrängnis zu erlösen. Das heißt, dass alle Verfolgung, Entwürdigung und Verachtung aufhören und das Volk Israel zu seinem Recht in dieser Welt finden wird. Mit Erlösung ist nicht die von Schuld und Sünde gemeint. Denn das Judentum kennt – anders als das Christentum – keine Vorstellung von einer Erbsünde. Vielmehr geht es um eine Art nationale Befreiung, shalom als allumfassendes Heil für alle Völker und um die völlige Durchsetzung der Gottesherrschaft“ (10). Dem sehr lehrreichen und friedfertigen Buch sind ein hilfreiches Glossar und eine Bibliographie beigegeben.
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