Soeben habe ich "Gefahrenzone" von Tom Clancy ausgelesen.Leider wird das wohl der letzte Thriller mit Jack Ryan und all den anderen mir im Laufe der Jahre liebgewordenen Protagonisten gewesen sein - außer Tom Clancy hatte noch einen weiteren Teil in der Schublade. Ich werde Tom Clancy vermissen, denn ich habe mich immer wie ein Schneekönig gefreut, wenn es wieder einen neuen Jack Ryan-Thriller gab.Ich habe sie ausnahmslos alle gelesen und alle haben mir gefallen - das eine mehr das andere weniger, aber wirklich enttäuscht war ich nie. Und das ist auch diesmal nicht anders."Gefahrenzone" gehört meiner Meinung nach zu den besseren Büchern von Tom Clancy und hat mich die letzten zwei Tage nicht mehr losgelassen. Gerne hätten es noch mehr als diese 848 Seiten sein können.Diesmal geht es um weltweite Computerspionage und wieder einmal um das immer mächtigere China, das sich allerdings in einer wirtschaftlichen Flaute befindet. Für das Politbüro wird es immer schwieriger, die Menschen weiterhin so total unter ihrer Kontrolle zu halten, wie sie sich das wünschen. Ein hoher Militär liebäugelt mit Taiwan, Hongkong und der Alleinherrschaft im südchinesischen Meer und schafft die Voraussetzungen für seine Machtansprüche.Die so ausgefeilte Technik für Waffensysteme, die Tom Clancy perfektioniert hat, ist hier kaum erwähnenswert. Vorerst ist Cyberkrieg angesagt.Die Amerikaner unter Präsident Jack Ryan sind darauf nicht besonders gut vorbereitet. Ihnen ist entgangen, was die Chinesen sich seit dem mit ihrer Hilfe abgeschmettertem Angriff der Chinesen auf Russland alles angeeignet haben.Über die ganze Welt verstreut hat der überragende IT-Spezialist Dr. Kwon Kwan Tong seine infizierten Rechner stehen. Sein Code-Name ist Center und Center ist überall.Ich habe sehr viel über das Hacken, über Botnetze, über Bitcoins, Malware, Command-Server, Trojaner, über Sicherheitssysteme usw. gelernt und alles war so gut innerhalb der Story erklärt, dass selbst ich mit meinen sehr begrenzten Computerkenntnissen verstanden habe, was tatsächlich alles machbar ist - und es hat mich das Fürchten gelehrt.Auch in "Gefahrenzone" spielt der Campus wie in den drei Vorgängern wieder eine große Rolle. Jack Ryan Junior ist dort inzwischen fest etabliert und entwickelt sich immer mehr zum Außenagenten. Bereits am Anfang bekommen er, John Clark, Dom Caruso, Sam Driscoll und Domingo "Ding" Chavez es ohne ihr Wissen mit Center zu tun. Bei einem Außeneinsatz in Istanbul beschränkt er sich aber noch auf die Zuschauerrolle, was er später bitter bereut. Immer wieder einmal kommt ihm der Campus in die Quere.Spannend beginnt das Buch und steigert sich immer mehr. Für mich gibt es nicht nur einen Showdown, sondern gleiche mehrere. Der Inhalt ist so komplex, dass es zu weit führen würde, hier an dieser Stelle noch näher darauf einzugehen.Ich möchte auch einfach nichts mehr davon im voraus verraten, um anderen Lesern nicht die Spannung zu nehmen.R.I.P. Tom Clancy
Taiwan kann nur froh sein, dass es unter Schutz von Jack Ryan Senior als Präsident der USA steht.Tom Clancy schrieb einst herausragend recherchierte Polit-Thriller und die große Spannung wurde durch Szenarien aufgebaut, die nicht weit von der Realität entfernt waren. Bereits 7 Jahre vor 9/11 schrieb er mit "Befehl von oben" ein Buch in dem mit einer Boeing 747 ein Terroranschlag verübt wurde. Im Jahr vor der Annexion der Krim schrieb er "Command Authority: Kampf um die Krim", trotz oftmals schlechten Kritiken waren die Bücher Bestseller. Dafür schilderte kein Thriller-Autor den politischen Apparat der USA, anderer Länder, Militärtaktiken oder technische Details zu U-Booten und Kampfjets mit besseren Kenntnissen als Tom Clancy. Er hatte sogar befreundete Experten, die ihn hierfür unterstützten."Gefahrenzone" schildert wieder ein realistisches Szenario, denn China will Taiwan einnehmen. Tom Clancy geht von einem Diplomaten aus, der in China an die Macht kommt. Eigentlich ein Grund zur Hoffnung für Entspannung, doch aufgrund wirtschaftlicher Flaute, wird er von anderen Parteimitgliedern geputscht. Der Vorsitzende über das Militär unterstützt den Präsidenten jedoch unerwartet gegen den Putsch, steht nun in dessen Schuld. Weil er weiterhin befürchtet seine Macht doch noch zu verlieren, zeigt er sich auf einmal als Agressor. Was bei ihm jedoch Strategie ist, nutzt der Vorsitzende des Militärs für die Planung einer kriegerischen Einvernehmung Taiwans.Tom Clancy war schon immer patriotisch, es gab jedoch ein Buch von ihm, das ich wirklich widerlich fand. Nach 9/11 schien er immer noch radikaler zu werden, "Das Auge des Tigers" war schon grenzwertig und mäßig spannend, "Dead or Alive" rechtfertigte dann nicht nur das Foltern von Terroristen, sondern zelebrierte es gegen Ende sogar regelrecht. Da musste Clancy die Taten auch noch seitenlang schildern, in den grausamsten Einzelheiten. Es war auch nicht nur das notwendige Mittel zum Zweck, für Clancy waren dies Heldentaten.Wenn man dies ausblenden kann, so ist "Gefahrenzone", ebenso wie sein Vorgänger "Ziel erfasst", wieder spannende Unterhaltung geworden. Klar, hat sich der Autor sicher nicht mehr geändert, doch er konzentrierte sich hier zum Glück wieder auf die spannenden Konflikte. Jack Ryan Senior ist ja wieder Präsident in zweiter Amtszeit, seine diplomatischen Bestrebungen mit dennoch nötiger, agressiver Härte in den Verhandlungen sind spannend geschildert, ebenso die Agentenstory um seinen Sohn Jack Ryan Junior, die Sequenzen um die Kampfjet-Piloten "Trash" und "Cheese" sind richtige Highlights oder welche Rolle Jack Juniors Freundin wirklich spielt. "Gefahrenzone" hat so viele Handlungsstränge, die jedoch für diesen komplexen Polit-Thriller auch notwendig sind.Welche Rolle mit gar nicht mehr gefällt, ist die von John Clark. Der alte Mann hat eine zertrümmerte starke Hand, geht deshalb in Rente und tritt kurz danach wieder richtig in Action. Eine Rolle als Stratege wäre noch nachvollziehbar gewesen, aber hier überspannt Tom Clancy den Bogen mit Heldentum.Die Stärke des Buches ist der spannende Plot, ansonsten gibt es durchaus auch Schwächen. Die ganz großen Highlights schrieb Tom Clancy in den 80ern und 90ern mit "Jagd auf Roter Oktober", "Der Schattenkrieg" oder "Operation Rainbow" , doch "Gefahrenzone" ist zumindest wieder ein solider Thriller. Auch grobe Fehler gibt es bei den Helden nicht mehr, bei "Das Echo aller Furcht" waren es ja nur glückliche Umstände, dass eine Atombombe nicht noch größeren Schaden angerichtet haben. Hier gibt es solche Fehler von den Bösen nicht mehr, aber Amerikaner sind halt noch perfekter."Gefahrenzone" ist zwar einerseits überzogener US Patriotismus-Quark, anderseits ist das ganze Szenario wiederum sehr realitätsnah. Interessant ist, dass Tom Clancy technisch mit der Zeit ging und es jetzt auch zu kriegerischen Cyber-Attacken kommt. Die Konflikte sind richtig interessant und dadurch ist das recht spannend geworden.Man kann für Taiwan in Zukunft nur hoffen, dass wahre US Präsidenten die Größe von Jack Ryan Senior haben.