Zu dritt sind sie nun: der letzte Revolvermann, der Ex-Junkie und die Farbige im Rollstuhl. Doch das Ka-Tet - die Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Schicksal - ist noch nicht vollständig. Durch Rolands Eingreifen in die Zeit (siehe Band 2 "Drei") hat er ein Paradaxon verursacht, wodurch der totgeglaubte Jake wieder in seiner Zeit/Realität weiterlebt, und das nicht ohne Folgen: In Rolands Kopf schwirren nun die Erinnerungen an zwei Realitäten, was ihn an den Rand des Wahnsinns zu treiben droht, während der Junge in seinem Glauben bestärkt wird, dass er nicht mehr in seine Welt, sondern in die des Revolvermannes gehört. Der einzige Weg, um sowohl ihnen zu helfen als auch die Suche nach dem Dunklen Turm fortzuführen, ist der, eine Tür zu finden, die beide Welten miteinander verbindet. Gleichzeitig verlangt es nach Rolands Liebe, Jakes Willen, Eddies Gabe und Susannahs Stärke, damit alle endlich eins werden, denn die Zeit drängt...Nach den ganzen Zeitsprüngen in "Drei" wird es hier ein wenig übersichtlicher, da nun nur noch Szenenwechsel zwischen dem Geschehen in der Revolvermann-Dimension und Jakes New York der 70er Jahre stattfinden. Als Leser fiebert man geradezu dem Moment entgegen, in der unsere Freunde endlich vereint sind und sie endlich wieder den Pfad des Balkens in Richtung Turm aufnehmen können. Die Verzweiflung Rolands, seine Schuldgefühle gegenüber Jake, den er in "Schwarz" hat sterben lassen, sind genauso ergreifend wie jene Momente, in denen der Knabe und sein "Adoptivvater" überglücklich in den Armen liegen und sie wenig später auf ihrer Reise wieder getrennt werden. Ohne allzu viel vorweg zu nehmen: Es wird dramatisch und äußert emotional.Auch die Bedeutung bezüglich Eddies und Susannahs Rollen kommt hier richtig zum Tragen, denn sie sehen sich selbst nach und nach nicht mehr als bloße notwendige Werkzeuge in Rolands komplexen Vorhaben, sondern teilen sein Interesse an seiner unaufhaltsamen Suche, die mit vielen weiteren Gefahren verbunden sei wird. Sein Schicksal ist deren Schicksal - und umgekehrt. Sie alle wachsen zu einer Art Familie zusammen, in der keiner auf den anderen verzichten kann oder will. Als geschlossene Gruppe, zur der sich - nicht ohne Grund - auch noch ein Billy-Bumbler (ein Mischwesen aus Waschbär und Hund) gesellt, dringen sie noch tiefer in Mittwelt ein, bis zu einer Stadt verfallenen Stadt namens Lud, in der sie in weitere blutige Kämpfe verwickelt werden, bis sie zu einem Transportmittel gelangen, das über ein Eigenleben verfügt und ihnen eine schnelle Fahrt zum Turm verspricht, wenn sie sich zu einem Spiel auf Leben und Tod bereit erklären.Dieses Abenteuers erzählt Altmeister King mit gewohnter Leichtigkeit, in der jedes so noch so kleine, aber ungemein wichtige Detail nicht ungenannt bleibt. Die Charakterisierung seiner Helden gelingt ihm wieder vorzüglich, insbesondere Rolands innerer Konflikt, welcher das Verlangen nach dem Turm und dem Wunsch nach Unversehrtheit seiner Begleiter beinhaltet, wird wunderbar beschrieben. Umfassend betrachtet ist sein drittes Werk zum Turm-Zyklus reich an Emotionen, Spannung, überraschenden Wendungen/Ideen, brutaler Action und typischem King-Humor. Der finale Cliffhanger gehört dafür zu den Gemeinsten seit dem von "Matrix Reloaded". Wer seine ungläubige Fassungslosigkeit darüber schnell überwinden will (und die wird kommen, das verspreche ich euch), sollte besser sofort Band 4 ("Glas") mitkaufen, denn King lässt - und das kennt man sonst nicht so von ihm - den Vorhang ohne jede Vorwarnung senken. Schäm dich, Stephen ! ;)Fazit:Wer bei "Schwarz" und "Drei" Blut geleckt hat, kommt an "Tot" gar nicht vorbei. Dem Ka-Tet auf leserische Art zu folgen ist ein ungemein faszinierendes Erlebnis, gleichzeitig bildet es den Grundstein für einen besonderen Höhepunkt, der sich in "Glas" wiederfindet, in welchem wir Roland Deschain von Gilead besser kennen und verstehen lernen wie nie zuvor.
Ich könnte die Turm-Saga von King immer wieder lesen! Wer einmal in den Sog vom Dunklen Turm geraten ist, den lässt er nicht mehr los. Es ergeht einem wie Roland, dem vermeintlichen "Helden" der Reihe.Ihn begleiten wir auf seiner Suche nach dem Dunklen Turm, der das Zentrum der Welt ( oder Welten ? ) ist und alles zusammen hält. Die Welt ist aus den Fugen geraten, hat sich weiter gedreht. Als letzter Revolvermann einer vergangenen Zeit und begleitet von Eddie und Susannah, welche er aus dem New York verschiedener Zeiten in seine Welt durch Türen gezogen hat, begeben sich die drei gemeinsam auf die Suche. Im dritten Band nun glaubt Roland, innerlich entzwei gerissen zu werden. Für ihn ist Jake, der Junge aus dem ersten Band, tot, lebt aber auch zugleich. Innerlich spürt er, dass es Jake in New York der Zeit, bevor er dort starb, genauso ergeht und er versucht, Jake in seine Welt zurück holen, ein nicht ungefährliches Unterfangen...Die Bücher sind mitreißend, gefühlvoll und eine gute Mischung aus Western, Science Fiction, Fantasy und einem Ticken Romantik, aber alles andere als kitschig im Sinne von Gefühlsduselei. Man lernt Roland und seine Gefährten besser kennen und ist der unsichtbare Dritte im Bunde, der sich dieser Gruppe verbunden fühlt. Man kann sich in die Helden der Geschichte reinversetzen und vor allem Roland hat es einem angetan. Er ist nicht der typische Held mit seinen wunderbar guten Seiten, Vorsätzen und Moralvorstellungen. Er ist einerseits ein ganz normaler Mensch mit seinen eigenen Gedanken und Beweggründen, unheimlich ehrlich, auch wenn nicht immer zu seinen Gefährten oder zu sich selbst. Seine Fähigkeiten sind unbeschreiblich, seine Taten manchmal undurchsichtig, bis er sich in die Karten schauen lässt. Und gerade seine Fehler machen ihn vollkommen - und seine innere Zerrissenheit qäult einen selber. Meines Erachtens sind diese Bücher eines der besten Meisterwerke von King, wenn nicht DAS Meisterwerk.Man sollte auf jeden Fall mit dem ersten Buch "Schwarz" beginnen und sich der Reihenfolge nach bis zu "tot" und weiter vorarbeiten. Mittendrinnen anfangen, macht besonders in dieser Saga keinen Sinn.Unbedingt empfehlenswert!