Dank des niederschwelligen Zugangs sind für viele Menschen Beratungsstellen eine schnelle Möglichkeit, ihre Sorgen zu teilen und nach Wegen aus ihrer Niedergeschlagenheit zu suchen. In der Regel kommen sie in einem Zustand der Demoralisierung und Hoffnungslosigkeit, also mit typischen Anzeichen depressiver Verstimmungen. Mittlerweile ist es gut belegt, dass es statt einer medikamentösen Behandlung auch hochwirksame Instrumente und Übungen gibt, die aus der Psychoedukation, Psychomotorik, Progressiven Muskelrelaxation, Qigong, Yoga oder aus dem Kreativen Schreiben bestehen. Mit ihrer Veröffentlichung zielt die Autorin darauf ab, die je eigene Praxis der Leser*innen um neue Methoden und Instrumente der Behandlung von Depression zu erweitern. Als Zielgruppe gelten dabei ausdrücklich nicht nur Professionelle, sondern auch Betroffene, um das Wissen und die Technik aus eigener Praxis und Erfahrung zu reflektieren, Neues kennenzulernen und es praktisch einzusetzen.Fallgeschichten, die wie ein Brennglas auf die Depression gerichtet werden, lassen verstehen, in welchen Kontexten und unter welchen Bedingungen diese entstanden ist. Denn erst wenn man den Sinn im „Unsinn“ entdeckt, ist auch Heilung möglich. Hier wird dann die Stärke komplementärer Angebote deutlich. Wird etwa der aktuelle Gefühlszustand durch das Malen mit Ölmalkreiden in einen Ausdruck gebracht und dann durch Expressives Schreiben weiter vertieft, handelt sich schon um einen Schritt der Selbstermächtigung.Die Grundlage bilden Interviews mit Betroffenen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, sozialer Lebenslage sowie Krankheits- und Therapieerfahrungen. Aus diesen Interviews wurden fünf Fallgeschichten verdichtet. Faszinierend ist es, wie es durch eine große Auswahl professioneller Angebote und spezifischer Körperübungen möglich wird, der Depression die Stirn zu bieten und aufzustehen. Durch entsprechende Fotos wird nachvollziehbar, wie etwa Meditatives Gehen oder die Körperübung Krokodil aussehen kann. So wird über das im Embodiment Einfluss auf die Psyche genommen.Folgende in jeder Praxis auftauchende Themen werden konkret beschrieben und mit entsprechenden Vorschlägen zur Übung begleitet:Benjamin - Angst, Schlaflosigkeit und Midlife-Krise,Hella - Trauer und SchuldgefühleSeline - Unruhe, Panikattacken und SelbstwertproblemeDavid - Alkoholabhängigkeit und DepressionBetty - Wut, Versagensangst und StimmungsschwankungenDie gute Beschreibung der komplementären Vorgehensweisen macht neugierig und Mut, neue Wege in der Behandlung von Depressionen zu gehen.Dr. Rudolf Sanders