Ich folge Prof. Dr. Michalsen seit Jahren, mit seiner naturheilkundlichen Expertise gehört er zu den gefragtesten Experten, nicht nur in Deutschland. Das beweist er auch mit seinem neuen Buch, das wieder durch die vielen wertvollen Praxistipps besticht.
Das Buch bietet einen guten Überblick über die unterschiedlichen alternativmedizinischen Therapieansätze für die Gelenkarthrose und Rheumaerkrankungen. Aus dem über 200 Erkrankungen fassenden Spektrum der entzündlichen Rheumaerkrankungen werden allerdings gerade mal die Rheumatoide Arthritis, der Morbus Bechterew, die Psoriasisarthritis und die Gicht angeführt. Die modernen Behandlungsmöglichkeiten mit monoklonalen Antikörpern werden zwar positiv erwähnt, die "Schulmedizin" hätte trotz aller Erfolge jedoch bisher zu keiner ursächlichen Heilung geführt. Das ist prinzipiell zwar richtig, jedoch hat die gesamte Alternativmedizin inklusive 5000 Jahre Ayurveda das auch nicht vollbracht, also wozu diese Aussage? Gäbe es eine ursächliche Behandlung bräuchte es dieses Buch auch nicht. Die Gicht wird als Resultat falscher Ernährung dargestellt, was völlig überholt ist, zumal Ernährung bei der überwiegenden Zahl der Gichtpatient:innen nur eine untergeordnete Rolle spielt und der Harnsäurespiegel sich über Ernährungsinterventionen nur wenig beeinflussen lässt, wenn die falsche Ernährung nicht die alleinige Ursache für die erhöhte Harnsäure ist (bei Alkoholikern zum Beispiel). Ausserdem ist eine Ernährungsberatung und -umstellung sehr wohl Teil der "schulmedizinischen" Gichtbehandlung und keine Domäne der Komplementärmedzin. Auch scheint der Autor, was die medikamentöse Behandlung der Gicht angeht, in den 80ern stehengeblieben zu sein, da ihm ausser Allopurinol keine anderen Medikamente bekannt zu sein scheinen.Die naturheilkundlichen Behandlungsempfehlungen werden dann für eine Auswahl einzelner Erkrankungen im Detail geschildert, wiederholen sich aber eigentlich nur gebetsmühlenartig... vegetarisch/vegane Ernährung, Akupunktur, Physiotherapie, Ergotherapie, physikalische Behandlungen, Blutegel mal dort und da, Ayurveda, Heilpflanzen etc.. Zu allem Überfluss wird die alte Sau der Übersäuerung wiederbelebt und schnell nochmal durchs Dorf getrieben und unkritisch als medizinische Erkenntnis verkauft.Dafür, dass der Autor einen Professorentitel trägt, fehlt mir die klare Abgrenzung wissenschaftlicher Erkenntnisse gegen pseudomedizinische Märchen. Die Zitate von belastbaren Studien sind mehr als dürftig. Die Erwähnung der eigenen Blutegelstudie mit 16 (!) Probanden inklusive einer netten Anekdote eines älteren Herren, der gut von der Behandlung profitiert habe, findet hingegen ausreichend Platz.Aber immerhin ein Spiegel-Bestseller, dazu kann man Hrn. Michalsen persönlich nur gratulieren, alles richtig gemacht, zumindest ökonomisch.