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EAN 9783458682035
Der denkwürdige Fall des Mr Poe: Kriminalroman | Die Buchvorlage zum Netflix-Film-Hit mit Christian Bale (insel taschenbuch)
In einigen Rezensionen hier wird der Roman als langatmig bezeichnet. Ja, er nimmt sich Zeit, erzählt langsam und ausschweifend. Ich habe das aber als Stärke dieses Romans empfunden. Durch den Erzähler, Landor, hat der Roman eine melancholische Grundstimmung, wozu dieses gemächliche Erzähltempo sehr gut passt. Dadurch habe ich mich wirklich in Landors Welt, das Hudson Valley und die West Point Academy 1830, hineingezogen und mich ihm und den Charakteren, denen er begegnet - insbesondere Poe - verbunden gefühlt. Gerade der sich im Verlaufe des Romans entwickelnde Freundschaft zwischen Poe und Landor wird viel Raum zugestanden, die ihr aber auch absolut zusteht. Diese Freundschaft ist eines der absoluten Highlights des Romans. Gerade die Szenen, in denen Poe und Landor gemeinsam trinken und sich in melancholischer und nachdenklicher Stimmung unterhalten, haben mir sehr gut gefallen. Dadurch sind mir die beiden im Laufe des Romans sehr ans Herz gewachsen. Gerade Landor, durch dessen Perspektive man den Großteil der Ereignisse erlebt. Der Roman ist langsam, aber meiner Meinung nach, gerade deswegen äußerst stimmungsvoll. Auch das Rätselraten um die Auflösung des Falles wird erst dadurch, dass man die Charaktere in und um die Akademie immer besser kennenlernt, gerade so interessant.Obgleich die Ermittlungsarbeit und der Fall durchaus spannend und mitreißend gestaltelt sind, sollte jemand, der auf all das oben genannte verzichten und nur einen spannenden, rasanten Krimi haben möchte, wahrscheinlich eher zu einem anderen Buch greifen.Mit dem Ende und der Auflösung ist dem Autor ein Geniestreich gelungen. Mich hat das Ende überrascht und emotional etwas erschüttert. Selbst wenn jemand die Auflösung bereits zuvor errät oder erahnt, glaube ich nicht, dass ihn das Ende kaltlässt.
REZENSION - „In zwei oder drei Stunden werde ich tot sein“, beginnt Erzähler Augustus „Gus“ Landor im Roman „Der denkwürdige Fall des Mr. Poe“ seine Geschichte. Und doch reicht ihm die Zeit, um ausführlich auf 500 Seiten über seine Ermittlungen zur Aufklärung von zwei Morden an jungen Kadetten im Herbst 1830 an der US-Militärakademie West Point zu berichten. Der ehemalige New Yorker Polizeidetektiv hat sich aus Gründen, die wir in dem bereits 2006 im Original, aber erst jetzt nach 16 Jahren auf Deutsch im Insel Verlag veröffentlichten Kriminalroman des amerikanischen Schriftstellers Louis Bayard ganz am Schluss erfahren, als 48-jähriger „Constable im Ruhestand mit schwacher Lunge und Kreislaufproblemen“ in einem Haus nahe der Militärakademie zurückgezogen. Er wird nun von der Kommandantur beauftragt, diese beiden Morde ohne großes Aufsehen aufzuklären.Der erste Mord hatte einen grausamen Fortgang: Der in der Krankenstation der Militärakademie zur Untersuchung aufgebahrte Leichnam war mitten in der Nacht gestohlen worden. Als man ihn wiederfand, war dem toten Kadetten das Herz entnommen worden. Schon bald wird ein zweiter Kadett ermordet. Da die Situation immer rätselhafter wird, Gus Landor aber verdeckt ermitteln soll und ihm der unbegleitete Zugang zum Militärgelände verboten bleibt, fordert er einen Kadetten als Assistenten an, der seine Kameraden und das Geschehen innerhalb des Kasernengeländes für ihn beobachten und ihm regelmäßig berichten soll. Landors Wahl fällt auf den poetisch veranlagten Edgar Allan Poe (1809-1849), der viele Jahre später durch seine Kriminal- und Schauergeschichten weltberühmt werden sollte, zum jetzigen Zeitpunkt aber gerade im Sommer 1830 als Kadett in West Point aufgenommen worden war. Die Kommandeure sind von Landors Wahl nicht begeistert: In seinem Vierteljahr an der Akademie war Poe bereits zum disziplinarischen Problemfall geworden, durch Alkoholexzesse aufgefallen und hatte etliche Strafpunkte angesammelt.Die Einbindung einer realen Person in eine fiktive Handlung ist bei US-Autor Bayard nichts Neues: In „Die Geheimnisse des schwarzen Turms (2011) ist der Chef der Pariser Geheimpolizei, François Vidocq (1775-1857), einer der Protagonisten, in „Algebra der Nacht“ (2012) ist es der englische Mathematiker und Universalgelehrte Thomas Harriott (1560-1621). In „Der denkwürdige Fall des Mr. Poe“ erfahren wir nun sehr viel Interessantes über die wilden Jugend- und Entwicklungsjahre Edgar Allan Poes, der nach dem Tod seiner Mutter ungeliebt bei Pflegeeltern aufwachsen musste, sich wohl auch deshalb als 18-Jähriger bei der US-Army verpflichtet hatte und nun 1830 Offizier werden wollte. In Bayards Roman sind Poes Berichte an seinen Auftraggeber Landor keine militärisch nüchternen Beobachtungsprotokolle, sondern in ihrem literarischen Stil lässt der Autor schon den späteren Meister der Kurzgeschichte erkennen.Bayards Buch wirkt in seiner szenischen Ausführlichkeit und in seinem Sprachstil weniger wie ein Krimi, sondern eher wie ein – wegen der Biografie Poes – auch literarisch interessanter Roman. Erst gegen Schluss wird er durch eine überraschende Wendung noch zum Krimi, wodurch auch der Romantitel „Der denkwürdige Fall des Mr. Poe“ eigentlich erst verständlich wird. Der lockere Plauderton des Autors oder seines Erzählers, der gelegentlich auch direkt seine „sehr geschätzten Leser“ anspricht, macht den Roman zu einer recht unterhaltsamen Lektüre, deren 500 Seiten man trotz einzelner Längen gern liest. Anschließend ist es wohl unvermeidbar, dass man sich – durch diesen Roman neugierig geworden – noch ausführlich mit der Biografie des Schriftstellers Edgar Allan Poe beschäftigt, der zum Zeitpunkt der Romanhandlung in West Point im Jahr 1830 bereits zwei Gedichtbände veröffentlicht hatte und neun Jahre später durch seine Kurzgeschichte „Der Untergang des Hauses Usher“ berühmt wurde.
Über dieses Buch habe ich im Vorfeld schon einiges erfahren, deshalb war ich sehr gespannt darauf. Ich wurde davon auch gut unterhalten, auch wenn die Storyline mich dann doch nicht so mitgerissen hat, wie ich das erwartet habe.Die Geschichte spielt im Jahr 1830. An der angesehenen West Point Academy wird ein junger Kadett tot aufgefunden – er wurde erhängt und sein Herz herausgeschnitten. Keinesfalls darf die Öffentlichkeit von dem grauenhaften Verbrechen erfahren, so beauftragt man Augustus Landor, einen ehemaligen New Yorker Polizeidetektiv, mit den Ermittlungen. Schon bald folgen weitere brutale Morde, und der Fall wird immer rätselhafter. Doch Landor erhält unerwartet Hilfe – von einem jungen Kadetten mit dunkler Vergangenheit, Hang zum Trinken und poetischen Ader: Edgar Allan Poe …„Anfangs hatte ich ein paar Probleme in die Geschichte hineinzufinden, aber das hat sich im Laufe der Zeit gelegt. Der Schreibstil ist auf jeden Fall sehr flüssig und bildlich. Der Erzählstil in „Ich“-Form ist zudem mal was ganz anderes, denn so kenne ich das von wenigen Büchern, die ich lese. Mr. Gus Landor ist ein interessanter Charakter und hat einen richtig schönen, trockenen Humor. Sowas mag ich. Und auch Poe ist ein sehr interessanter Charakter, auch wenn er so ganz anders ist.Jedoch muss ich sagen, dass ich nicht so von der Storyline mitgerissen wurde, wie ich mir das erhofft hatte. Die Geschichte selbst war zwar schon auch spannend, aber es gab auch sehr oft Längen, so dass es sich gezogen hat und ich mich teilweise durch die Zeilen gequält habe. Zum Ende hin wurde die Spannungsschraube dann zwar etwas angezogen, aber zusammengefasst war ich dann doch ein wenig enttäuscht. Deshalb kann ich nur 3 von 5 Sternen vergeben.
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Letzte Aktualisierung: 13.10.2026 18:15 Uhr.