Ich lese noch. Der Austausch ist interessant und intellektuell anspruchsvoll.Ich frage mich welcher „Käufer“ das Buch bestellt, gelesen und zurückgeschickt hat. Geld sparen auf Kosten anderer. Extrem unverschämt. Hat er dann hier eine Rezession abgegeben, voller Stolz? Bildungsnah und kostenfrei?Wer durch solche Unverschämtheit zu Wissen und/oder Wohlstand gelangt ist einfach nur selbstsüchtig.Früher wurden Bücher in Folien eingeschweißt; Rückgabe nur unbeschädigt. Amazon sollte wie rebuy Papierbanderolen nutzen.Ich habe das Buch der Umwelt zuliebe behalten und nicht gegen eine ungelesene Variante getauscht
Alles ist im Fluss – und mitten in der Strömung sitzen auf schwankendem Boot zwei alerte, ältere Herrschaften, in professoralem Tuch, und versuchen ihrer Argumente Herr zu werden und dabei eine „Zeitenwende“ einzuläuten. Dabei schenken sie sich nichts, werden hin und wieder sogar persönlich, was nicht nur für ein gewissen Maß an Authentizität sorgt, sondern auch dem oft trockenen Stoff, gelegentlich eine gewisse Leichtigkeit verleiht.Dabei gehen sie einem breiten Spektrum aktueller Fragen auf den Grund, ohne dabei auf Grund zu laufen (um einmal im Bild zu bleiben) oder mit einem Eisberg zu kollidieren: „Wenn der Nationalismus in der Krise die spontane Reaktion ist, [dann ist dies] der Titanic-Moment für Europa: Die Kollision mit dem Eisberg hat schon stattgefunden, das Orchester spielt aber noch“, so Harald Welzer über die Gefahren hinsichtlich des „europäischen Projekts“. Wenn man diese Bemühungen in einem Begriffspaar zusammenfassen müsste, so könnte dies lauten: gegen Diskriminierung, für eine „Offene Gesellschaft“.Es ist auch eine von persönlichen Erfahrungen getragene Diskussion (der eine, Michel Friedman, jüdischer Intellektueller mit „entsprechender“ Biografie, ein Professor „aus kleinen Verhältnissen“ der andere, Harald Welzer), die oft in eine Art Selbstbespiegelung übergeht und den Diskutanten die Möglichkeit gibt, sich jeweils ihrer Großartigkeit zu versichern. Ohne diese persönlichen Hintergründe wäre dieses Buch vermutlich nicht geschrieben worden.Leider versanden einige Dialoge im Ungefähren, beispielsweise wenn das „Sachbuch“ des „Sachbuchautors Doktor Thilo Sarrazin, Sozialdemokrat“, lediglich als begleitender Hinweis erscheint. Ebenso wenig wie es die Deutschen oder die Ausländer gibt, gibt es auch nicht „die Politiker“ [H.W.]: „Die Politiker haben aller nur Angst, es [dass es eine „ostdeutsche Komponente“ gibt] deutlich zu benennen, weil sie um ihr Kreuzchen bangen […].“ Herausragend ist allerdings das Kapitel über den „Streit“ und die „Streitkultur“. Hier gibt es viele zustimmende Häkchen zu setzen. Wer könnte schon der folgenden Aussage von M. Friedman widersprechen: „Streiten bedeutet, bis an die Grenzen gehen zu wollen oder sie sogar zu überwinden. Mit Argumenten, die meine erschüttern.“ Oder: „Streiten ist das Suchen und Finden von verschiedenen Perspektiven mit verschiedenen Begründungen. Streit lässt Zweifel zu.“ Und die beiden Diskutanten leben diesen Streit ja auch lebhaft in diesem Buch vor.Es ist ein Buch, dass den Leser*innen einiges abverlangt. Man braucht eine gewisse Aufwärmphase, um den Gedankengängen der beiden Autoren zu folgen, zumal viele der Äußerungen einigen Widerspruch erzeugen, was allerdings ganz im Sinne des Buches bzw. der beiden Autoren ist, denn: „Gelebte Streitkultur ist der Sauerstoff des Demokratischen.“