Verena Bogner, Jahrgang 1992, hat schon viel zum Thema New Work, Feminismus und vielen anderen Themen veröffentlicht. Nun kondensiert zwischen zwei Buchdeckel hat sie ihre Aha-Momente des Arbeitslebens zusammengefasst mit dem knalligen Titel: Not your business, babe! Alles, was du als Frau über die Arbeitswelt wissen musst.Sie ist, genau wie ich, Teil der Generation Y (1981 – 1996), auch wenn uns 11 Jahre trennen. Daher kann ich ihr inhaltlich an vielen Stellen folgen und bejahen was sie zur Hustle-Culture und zum Allgemeinen Ansatz unserer Arbeitswelt schreibt. Was uns trennt ist die jugendliche und sehr lebendige Sprache in die sie es verpackt. Daher, trotz Inhalt der einem Puls gibt, sehr kurzweilig!Warum Puls? Weil sie gekonnt Verhalten, Einstellungen und Werte in Relation setzt und soziologisch alles auseinandernimmt was die Arbeitswelt der letzten 30-40 Jahre prägte. Welche Narrative uns leiteten und natürlich – not to forget – welche Rolle die Boys Clubs dieser Welt spielten und (leider, leider) immer noch spielen.Dieses Buch richtet sich explizit an Frauen und sicherlich tendenziell eher an eine jüngere Zielgruppe. An Frauen Mitte, Ende 20, die unsere Fehler nicht wiederholen sollten und gleich viel schlauer durchstarten so wie sie Bock haben oder eben auch nicht. Wer hat schon die Definition einer Karriere gepachtet?Aber neben dem Anspruch, dass dieses Buch junge Frauen einmal durchschüttelt und ihnen eine politische Dimension für ihr Arbeits- und Privatleben an die Hand gibt, ist es auch eine gute Lektüre für all die Führungskräfte in diesem Land, die es nicht schaffen attraktive Arbeitgeber zu sein. Für Führungskräfte, die sich über die „komische Einstellung“ der nächsten Generationen wundert. Auch hier kann es Verständnis und Anregung geben.Eine Anmerkung kann ich mir allerdings nicht verkneifen: Marita Haas, Gender-Expertin und Consultant (Warum nicht als Beraterin tituliert, wenn sie schon Gender-Expertin ist…?) wird so häufig zitiert, dass sie aus meiner Sicht fast als Co-Autorin hätte genannt werden müssen. Ihre qualitativ guten Quotes geben dem ganzen mehr Gewicht!Fazit: Für eine tolerantere und gerechte Arbeitswelt, in der wir alle unseren Platz finden!
‘*‘ Meine Meinung ‘*‘Dass ich zur Generation der Boomer (Kurzform für Babyboomer, Deutsch: geburtenstarke Jahrgänge) gehöre, kann ich nicht leugnen. Denn ich war in der Klasse 5f! Und ich sitze mal wieder zwischen den Stühlen. Einerseits bin ich für die Belohnung von Leistung und andererseits auch für die, sich in aller Munde befindende, „Work-Life-Balance“.Ich hatte mir viele Klebezettel ins Buch geklebt, weil ich dazu etwas sagen wollte, doch wer hat schon Lust auf eine Rezi, die locker vier Din A4 Seiten umfasst.Also mache ich es mal wie die Autorin und verallgemeinere und übertreibe. Und da sind wir auch schon mitten im Buch. Alle Generationen wurden über einen Kamm geschoren und alle außer den Millenials sind böse und machen alles falsch.Was ist falsch daran, wenn ich bereit bin, dienstlich mal die „Extra-Meile“ zu gehen, um einen besseren Job zu bekommen? Es ist meine Entscheidung. Was ist falsch daran, wenn man mal Überstunden macht, weil es pressiert?Ich finde, nichts.Genau so ist es okay, wenn das nicht gewünscht ist, aber dann bitte nicht beschweren, wenn Menschen, die mehr machen, mehr bekommen. Und nein, es sind nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen. Kleines Beispiel aus meinem Leben: vier Assistentinnen -> die zwei Teilzeitkolleginnen wollten uns zwei Vollzeitkräfte ausbremsen und meckerten, wenn wir mehr Aufgaben übernahmen.Kleiner Gedankenanstoß: Warum nur Solidarität zwischen Frauen? Ich bin für geschlechterunabhängige Solidarität, da würde auch die LGBTQI+-Community mit einbeziehen.Ich frage mich immer, wie Millenials ihr Privatleben, vor allem wenn Kinder im Spiel sind, auf die Kette bekommen. Wird den Kindern dann gesagt „Ich kann jetzt nicht, meine „Work-Life-Balance“ ist aus dem Gleichgewicht und du musst jetzt erst mal noch eine Stunde in der nassen Windel liegen.“?Andererseits finde ich es völlig richtig, dass die berühmt-berüchtigte „Care-Arbeit“ nicht immer bei den Frauen abgeladen wird. Aber da sind die Frauen gefordert, „Nein“ zu sagen. Ich habe z.B. die Geburtstagskasse in einer Firma abgeschafft, weil ich mich immer darum kümmern musste. Wobei ich solche Sachen eh völlig sinnbefreit finde bei Erwachsenen und mich daran seit 15 Jahren nicht mehr beteilige.Auch stimme ich der Autorin absolut zu, dass die gleiche Reaktion von Frau und Mann total anders gesehen wird. Hat ein Mann einen Wutanfall, ist er ein knallharter Kerl. Einer Frau wird in diesem Falle Hysterie und Unfähigkeit bei der Kontrolle der Gefühle bescheinigt. Mal abgesehen davon, dass dieses Verhalten bei niemandem akzeptabel ist.Teilweise stimme ich Bogner zu 100% zu, aber leider zeigt sie keine Alternativen auf, um etwas zu ändern. Die mehrfach wiederholte Aussage „Am System muss sich etwas ändern“ ist völlig korrekt. Aber im gleichen Atemzug zu schreiben, dass es nicht Verantwortung der Frauen, der Einzelnen selbst sein kann, die Änderungen zu beleben und im Kleinen herbeizuführen, halte ich für völlig absurd. Ein System lebt von Menschen und ihrem Verhalten. Also müssen auch Menschen ihr Verhalten ändern, um das System zu ändern. Und das fängt im Kleinen an. Natürlich ist es nicht jeder gegeben, für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen, aber dann bitte denen, die aufstehen, den Rücken stärken und sie unterstützen.Der Schreibstil der Autorin war typisches „Büro-Germish-Denglish“. Wenn ich Sätze wie „… haben Sie sich related.“ lese, fällt mir nur „eyes-roll“ ein. Aber mal ernsthaft. Ja, es gibt Begriffe, die sind eingedeutscht und Sprache verändert sich, aber in dem Buch war es definitiv zu viel. Man braucht sein Wissen nicht mit solchen Banalitäten zu unterstreichen, wenn man es wirklich besitzt. Nur mal kurz am Rande, selten so viele Verweise auf andere Quellen, wie in diesem Buch, erlebt. Kommt bei mir als Zusammenfassung an und nicht als eigenes Werk. Denn es wurden logischerweise nur Quellen bemüht, die die Meinung Bogners untermauerten.Amüsiert hat mich die Musikauswahl der Autorin, die Empowerment (welch Wort) geben soll. Selbst als sie erkennt, dass es nicht so funktioniert, überdenkt sie die Auswahl der Interpretinnen nicht. Einerseits denke ich, dass jede Frau ihre eigene Playlist erstellen sollte, denn jede von uns verbindet mit Liedern unterschiedliche Erlebnisse und wird dementsprechend unterschiedlich motiviert (oder „empowered“, wie die Autorin schreiben würde). Andererseits fehlten mir persönlich Whitney Houston „Greatest Love“ (es geht um Selbstliebe) und Lieder von P!NK. Aber das mal nur so am Rande.Alles in allem ein Buch, das zum Nachdenken und Reflektieren, Überdenken anregt, und ich habe lange überlegt, wie viele Sterne ich vergeben soll. Es wurden gute 3 Business-Sterne.‘*‘ Klappentext ‘*‘Wie Du Dich in der kaltherzigen Welt des Kapitalismus zurechtfindest, ohne Dich dabei selbst zu verlieren.Ungleiche Bezahlung, toxische Hustle Culture und sexistische Boomer-Chefs: Unter den Ungerechtigkeiten der Arbeitswelt leiden vor allem diejenigen, die weiblich sozialisiert wurden. Denn diese Sozialisierung hinterlässt Spuren und nagt an der mentalen Gesundheit. Viele Frauen fühlen sich wie unfähige Hochstaplerinnen, die Popkultur präsentiert ihnen problematische Vorbilder und Girlboss-Parolen in den sozialen Medien fördern Einzelkämpferinnentum. Kurz: Das Patriarchat ist längst nicht überwunden und strukturelle Ungleichbehandlung an der Tagesordnung.In »Not Your Business, Babe!« berichtet Verena Bogner von ihren eigenen Erfahrungen, spricht mit Expert*innen über Red Flags bei der Jobsuche und analysiert, wie Netflixserien und Popsongs unser Bild von arbeitenden Frauen prägen. Außerdem beantwortet sie die Fragen, die sie sich selbst immer gestellt hat: Wie können Frauen in einem fehlerhaften System solidarisch zusammenarbeiten? Welche Playlist sollte ich auf dem Weg zur Gehaltsverhandlung hören? Und wie lasse ich mich von dem Wahnsinn der Arbeitswelt nicht verändern, sondern bleibe ich selbst?