Am Beispiel meines Bruders
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EAN 9783462007862

Am Beispiel meines Bruders

Hersteller: Kiepenheuer & Witsch Gmbh  ·  MPN: 7078811
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Produktfakten auf einen Blick

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Kiepenheuer & Witsch GmbH
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9783462007862
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Produktbeschreibung

Am Beispiel meines Bruders | Uwe Timm | Buch | 176 S. | Deutsch | 2024 | Kiepenheuer & Witsch GmbH

Bewertungen & Erfahrungen

4,5 von 5,0
6 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 23.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Eine wirklich beeindruckende und tiefgründige Biografie, die mich sehr fasziniert hat. Die neu durchgesehene Ausgabe mit dem aktuellen Nachwort ist eine hervorragende Quelle für alle Interessierten.
Redaktion 23.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Eine interessante und informierende Darstellung des Lebens von Karl-Heinz Timm, die durch die Neuaufbereitung sehr anschaulich ist. Das Nachwort ergänzt den Text gut, obwohl ich mir eine etwas detailliertere Auseinandersetzung mit einigen historischen Details gewünscht hätte.
Redaktion 23.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Gut!
Bernhard Nowak 12.06.2024 amazon.de
Uwe Timm hat einen eindringlichen und eindrucksvollen autobiographischen Roman über seinen toten Bruder geschrieben. Karl-Heinz Timm, geboren 1924, gestorben 1943 in einem Lazarett in der Ukraine, hat sich der SS-Totenkopf-Division angeschlossen. Warum hat er dies getan? Diese Frage stellt sich Uwe Timm immer dringender, als er einen wichtigen Tagebucheintrag seines Bruders entdeckt, der zu einem Schlüsselerlebnis für ihn wird: "März 21. Brückenkopf über den Donez. 75 m raucht Iwan Zigaretten, ein Fressen für mein M.G. (S. 19). Hier schreibt Timm: "Das war die Stelle, bei der ich...nicht weiterlas, sondern das Heft wegschloß. Und erst mit dem Entschluß, über den Bruder, also auch über mich, zu schreiben, das Erinnern zuzulassen, war ich bereit, dem dort Festgeschriebenen nachzugehen." Erst nachdem alle seine Familienangehörigen - Mutter, Vater und Schwester - gestorben sind, bringt Uwe Timm den Mut auf, dieses Buch zu schreiben: "Solange sie [die Mutter, B.N.] lebte, war es mir nicht möglich, über den Bruder zu schreiben. Ich hätte im voraus gewußt, was sie auf meine Frage geantwortet hätte. Tote soll man ruhen lassen. Erst als auch die Schwester gestorben war, die letzte, die ihn kannte, war ich frei, über ihn zu schreiben, und frei meint, alle Fragen stellen zu können, auf nichts, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen." (S. 11/12). Wieso ist das Leben des Bruders so schrecklich falsch verlaufen, warum stieg er zum Idol der Familie auf? Diese Fragen stellt sich Timm - und stellt eine enorme Ähnlichkeit mit dem 1899 geborenen Vater fest, der sich im ersten Weltkrieg freiwillig gemeldet hat und zum Militär eingerückt war. Der Impuls, über den Bruder zu schreiben, ist auch der, sich über eigene - evtl. autoritäre - Prägungen klarzuwerden: "Der Bruder und ich. Über den Bruder schreiben, heißt, auf über ihn schreiben, den Vater. Die Ähnlichkeit zu ihm, meine, ist zu erkennen über die Ähnlichkeit, meine, zum Bruder. Sich ihnen schreibend anzunähern, ist der Versuch, das bloß Behaltene in Erinnerung aufzulösen, sich neu zu finden."Uwe Timm ist ein intensiver Erzähler. Er zeigt beispielhaft, dass die Erinnerung nicht tot ist, dass der Schrecken des Dritten Reiches Familien spaltet und bis heute fortlebt. Sein Buch spürt dem Nationalsozialismus mit ungewöhnlichem Blick nach - betroffen und reflektierend zugleich. Dies schrieb - völlig zu recht - die Rezensentin Gudrun Norbisrath. Dem kann ich mich nach der Lektüre des ungewöhnlich eindringlichen Buches nur anschließen; ich habe selten ein Buch gelesen, welches mich so sehr beeindruckt hat. Unbedingt lesenswert.
Karl-Heinz Heidtmann 12.06.2024 amazon.de
Uwe Timm ist von seinem ersten Buch an immer schon ein ganz anderer" deutscher Autor gewesen, zeichnen sich seine Bücher durch einen hohen Grad an Authentizität bzw. Realitätsbezug aus. Die Gattung Roman oder Erzählung - auch wenn diese oftmals den Buchdeckel verziert - ist deshalb letztlich nicht immer wirklich passend.Beschrieb Timm in seinem ersten Roman die Zeit der 68er, oder erzählte er später die Geschichte des Hochrads oder der Currywurst, so war dies immer auch ein Stück non-fiktionale" Zeitgeschichte. Immer sauber recherchiert, immer interessant, immer erbaulich.Besonders spannend wird es dann, wenn Timm seine eigene Geschichte erzählt, wie in Heißer Sommer", Rot" oder besonders hervorzuheben Der Freund und der Fremde".Das vorliegende Buch, das ganz bezeichnenderweise ganz ohne Gattungsbegriff auskommt, ist Uwe Timms intimstes Buch. Das Aufarbeiten der Lebensgeschichte seines im Russlandsfeldzug umgekommenen deutlich älteren Bruders Karl-Heinz hat Timm lange vor sich her geschoben. Es hat ihn spürbar viel Überwindung und Kraft gekostet.Dabei ist dieses Buch nur zum Teil seinem Bruder gewidmet. Mindestens ebenso einfühlsam nähert sich Timm seinen anderen verstorbenen Familienmitgliedern an: Dem Vater, der Mutter, der Schwester. Nicht nur wer sich in der systemischen Theorie auskennt weiß, dass die eigene Lebensgeschichte untrennbar von den anderen Familienmitgliedern ist. Wer etwas über sich erfahren will, kann dieses also nur im Spiegel und in der Begegnung mit den anderen.Martin Walser hat in einem gemeinsam mit Günter Grass kürzlich erschienenem Interview gesagt, er, ein Schriftsteller, schreibe immer über das, was ihm fehlt. Uwe Timm hat ein ergreifendes aber keineswegs sentimentales Buch über seine verstorbene Familie geschrieben, über Menschen, die ihm fehlen und formuliert am Ende seines Buches passend einen bemerkenswerten Gedanken: Schreiben ist Notwehr.Fazit: Ein höchst empfehlenswertes Buch für alle, die etwas erfahren wollen über das Subjekt in den Unzeiten des deutschen Faschismus, den Menschen, wie er gelebt, gelacht, geweint oder einfach nur versucht hat zu überleben. Vor dem Hintergrund später Autorenbekenntnisse wie denen eines Günter Grass wirkt dieses kleine und doch ganz große Buch wie eine Entdeckungsreise in das Innere der eigenen Familie mit befreiender Wirkung. Uwe Timm hat sich nachträglich im besten Sinne mit Vater, Mutter, Bruder und Schwester ver-söhnt".
buechermaxe 12.06.2024 amazon.de
Uwe Timms Buch ist eine Annäherung an seinen Bruder, den er nur in einem Erinnerungsschatten aus frühester Kindheit noch kannte; also Annäherung an seine Briefe, ans Tagebuch, Schriftstücke, die er an der Ostfront als Soldat der Waffen-SS schrieb. Schriftstücke, in die er sich hineinlegte, sich aus ihnen auslegte, aber so, dass die Worte schweigender sind als leere Seiten beredt. Und wie Uwe Timm liest aus diesem Fragwürdigsten, biografische Chiffren ergründet, unlesbare Lettern biografischen Herkommens und Suchens, ergründet er nicht nur den Bruder, sondern zugleich sich, den Vater und seine Schwester und noch die ganze Familie, diese unbedeutende Keimzelle deutschen Daheimseins und Sorgens. Ergründet diese deutsche Geschichte ganz tief im Empfinden des je einzelnen, die in verbergenden Lettern vor ihm ausliegen wie gelegte Karten des Schicksals. Dieses empfindsame Buch lässt den Leser nachdenklich zurück, fragt nach Schuld, nicht aber, um zu verteufeln, sondern um zu begreifen. Um zu verstehen das Unverstehbare. Das Unglaubliche. Das schuldig Gewordene, das die Schuld selber nicht suchte, nicht sucht, sondern immer nur Dasein. Als Schlichtes eigenes Werden im schon Gewordenen, im Verwerflichsten noch. Diese Behauptung, Selbstbehauptung im Unverstehbarsten noch. Ist das Schuld? Einfach Schuld oder was? Was ist Aufklärung, was Humanismus, wenn Dasein einfach nur Dasein sucht und so ausgeht? Im Unvorstellbarsten noch? Oder verstehen wir mehr als wir glauben? Uwe Timms Buch ist ein filigranes, sehr sensibles Buch. Eine biografische Archäologie am Unort noch, wo Fragen fast schon Verzweiflung ist, nicht Zweifel nur, sondern gleich noch Negation alles Utopischen.
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