Wichtiger Beitrag zum Verständnis des Aufbaus der DDR-Organisationen. Teils sperrig zu lesen, da auch teils wissenschaftliches und interpretatives Auswerten sich mischen. Auch sehr dunkle Einblicke, die herzzerreißend nahgehend sind. Insgesamt beeindruckend, verstörend, wichtig zur Geschichtsverarbeitung. Für mich gehört auch alles zusammen, dass persönliche und das Gesamthistorische.Ich empfehle dieses Buch sehr, auch wenn manches schwer zu ertragen ist.Einziger Kritikpunkt:Der Verarbeitung der eigentlichen Entscheidungen zum Buch und zu den Details ist ein bisschen zu viel Raum gegeben worden für meinen Geschmack, spiegelt aber sicher einen wichtigen Teil der inneren Zerrissenheit wider. Ich persönlich habe keinerlei Rechtfertigung für das Aufgeschriebene benötigt, vermutlich sind auch eher Personen aus dem Umfeld hierfür Zielpersonen.Vielen Dank für den Mut!
Bisher kannte jeder sie als eine kluge, rhetorisch versierte, kritische junge Frau. Jetzt legt sie eine Art Zeitdokument vor. Es ist eine Synthese aus schonungsloser Abrechnung mit dem widerlichen Stasi-System einerseits und ihrem schrecklichen familiären Missbrauchs-Schicksal andererseits. Beide zerstörerische Katastrophen geschahen im Kindesalter!Man liest das Buch ohne Unterbrechung, legt es aus der Hand und ist zunächst sprachlos, entsetzt, traurig und empfindet ein tiefes Mitgefühl für einen Menschen, der eben gerade keinen fürsorglichen Vater und keine liebevolle Mutter hatte (alle waren im Stasi-Spitzel-System verstrickt). Nirgendwo ist von einer echten Freundschaft, von Elternliebe, von Vertrauen oder Geborgenheit die Rede. Geschweige denn von dem, was man gemeinhin als Glück und Freude empfindet bei der Begegnung mit der Natur oder Kultur. Stattdessen umgibt die Autorin (und damit auch uns) bedrückende Einsamkeit und Verlassenheit, Kälte und Brutalität, Lüge, Spitzeldienste und immer wieder Hilflosigkeit. Für mich ist dieser Text ein einziger Schrei nach Hilfe,...Ist es nicht erschütternd, wenn jemand formuliert, dass "in seinen 18 Lebensjahren die Mauer nie präsent gewesen" war, der also gar nicht gespürt hat, dass und wie er eingesperrt und isoliert war? Oder: Wie "ausgetrocknet", isoliert und allein gelassen muss jemand sein, dem sozusagen eine Wahlkampftour auf einem Elb-Dampfer oder Zusammenkünfte in einer Berliner Stammkneipe das höchste Glück bedeuten? Wir erleben, wie eine zutiefst verletzte Frau nach der "Wende" ihren Weg aus einer Welt von Lug und Betrug sucht, wie sie an die Spitze einer Partei (PDS) gespült wird und nach weiteren Irrwegen schließlich eine beruflich-politische neue Heimat gefunden hat. Aber wir spüren auch, dass diese Persönlichkeit sehr ehrlich ist zu sich, viel verletzlicher, als es den Anschein hat, dass sie ihr Schicksal sehr mutig wieder in den Griff bekommen zu haben scheint und dass die tiefen Narben ihrer Verletzungen wohl nie ganz verheilen werden. Ein persönliches Stück deutscher Geschichte, das uns höchst eindrucksvoll beschrieben wird.Zusammenfassend ein wichtiges, ein gutes, ein sehr lehrreiches Buch. N.B. Im Gegensatz zu meinem "Vor-Rezensenten" ( der alle paar Tage ein Buch liest und es zumeist mit 5 Sternen bedenkt) belasse ich es bei 4 Sternen, weil mich orthographische Fehler, stilistische Unsauberkeiten und inhaltliche Wiederholungen - die eigentlich vom Verlag korrigiert werden sollten - ein ganz klein wenig stören.