Was bewegt eine Autorin die H.v. 12, wo man sich im frühen 20.Jahrhundert Gedanken gemacht hat, wie das Pferd als militärisch interessantes Objekt zielgerichtet einer nutzbaren Lebenserwartung von 2-3 Jahren optimal zugeführt werden kann, als Grundlage der sie faszinierenden Freiheitsdressur zu verwenden? Mangels Alternativen? Mangels Kenntnis anderer Grundlagen? Weil Freiheitsdressur gerade Mode ist? Weil man den Pfad der FN Grundlagen nicht verlassen darf ohne als hoffnungsloser Romantiker und in Berufskreisen als Nestbeschmutzer abgestempelt zu werden? Es kommen Zweifel hoch, wie sich Frau Rieskamp aus dieser Situation befreit.Spätestens seit Fredy Knie sen. wissen wir um die Faszination der Freiheitsdressur. Erfrischend wortreich und nachvollziehbar eröffnet die Autorin einem diese für viele noch unbekannte Welt. Einer Welt, in dem das Pferd einem den Spiegel vorhält, unemotional und direkt, und wo man zuerst über sich selbst im Klaren werden muss. Es ist am Menschen zuerst an sich zu arbeiten und zu lernen. Die gemeinsame Sprache ist jene des Körpers. Die primären Bedürfnisse des Pferdes müssen berücksichtigt werden. 1. Das Gefühl der Sicherheit vermitteln. Hängt auch mit artgerechter Haltung zusammen. 2. Immer wieder Komfort anbieten: Loben, Pause, Druck wegnehmen, keine endlosen Repetitionen, eine Übung beenden; Leckerli als positive Verstärkung und nicht als Bestechung 3. Spiel, Spass und Humor. Sich einlassen auf spontan entstandene Situationen. Das verlangt Flexibilität. Also keine eingespielten Zirkuslektionen. Ausdrücke wie Achtsamkeit, Vertrauen aufbauen, ganzheitliches Denken, Vertiefen einer Beziehung, Kontrolle der Atmung, Einssein, Wertschätzung und Respekt sind Schlüsselbegriffe. Das selbe Gedankengut findet man in der Philosophie des Horsemanship, deren Bezug die Autorin vermeidet (Ray Hunt, 1929-2009) und man spricht dort von Partnerschaft, was alles umfasst.Der Aufbau zu den folgenden Übungen bis zu dressurmässig anspruchsvollen Figuren sind logisch aufgebaut und mit Bildern illustriert. Es irritiert ein wenig, dass nur gerade zwei Pferde abgebildet werden. Gibt es keine weiteren? Nichts desto trotz macht es Spass der Autorin zu folgen und weckt das Interesse, auch mit dem eigenen Pferd diesem Weg zu folgen. Man ist versucht ihr zuzurufen: Mehr Mut! So könnte der Spagat zu einem Sprung auf die andere Seite werden und den Gesichtspunkt endgültig verschieben. Das wäre dann konsequent und würde einem neue Horizonte eröffnen. Alois Podhaisky hat es gewagt.«The horse will teach you if you’ll listen», R.H.