Jon Kalman Stefanssons Trilogie, bestehend aus den Bänden ,Himmel und Hölle‘, ,Der Schmerz der Engel‘ und ,Das Herz des Menschen‘ ist Weltliteratur. Ich habe lange nichts Schöneres gelesen – wenn überhaupt.In allen drei Bänden geht es um nichts weniger als die existentiellen, die wirklich großen Dinge des Lebens: Das Leben selbst, die Liebe, Tod und Sterben, die gewaltige Natur, Meer und Berge, Überlebenskampf, Armut, Einsamkeit. Die Macht der Worte, Literatur und Musik.Stefanssons lakonische Sprache steht dabei oft in deutlichem Gegensatz zu der dramatischen Handlung, in der ein falscher Schritt, eine unachtsame Bewegung oder ein vergessener Anorak den Unterschied machen kann zwischen Leben und Tod.Stefansson schreibt schlicht, scheinbar einfach, mit schnörkelloser Klarheit. Und gerade deswegen so poetisch und philosophisch, mit berührender, wunderschöner Sprache und tiefen, einfachen Wahrheiten. In jedem Kapitel stößt man auf Sätze wie „Viele ziehen es vor, zu schweigen, wenn das Leben gerade wehtut“ oder „Wo wird dem Tod Einhalt geboten, wenn nicht in einem Kuss?“Stefansson hat es verdient, dass man jedes seiner Worte bedenkt, jede seiner Weisheiten, dass man sich an sie erinnert.Er schildert die Anstrengungen und Entbehrungen im harten Alltag der Seeleute, Fischer und Bauern Islands zu der Zeit, als der Welthandel zur See noch von Segelschiffen abhing und die ersten auftauchenden Dampfer ganz allmählich den Anbruch anderer, moderner Zeiten ankündigten.Stefansson beschreibt seine Charaktere mit großer Sympathie. Immer wird deutlich, welche wunderbare, warme, menschliche Sicht dieser Autor auf das Leben hat.Er schreibt über starke Frauen und oft gewalttätige, aber erstaunlich schwache, zuweilen hilflose Männer, die nie gelernt haben, Gefühle zuzulassen, geschweige denn, diese auszudrücken. Sein Held, der Junge, ist anders. Vielleicht kein guter Fischer, aber ein junger Mann, der noch eine andere Welt kennt: die Welt der Literatur, das Universum der Worte.Die Trilogie sollte man in der vorgegebenen Reihenfolge lesen. Band eins kann man noch als „abgeschlossen“ betrachten, Band zwei und drei aber gehören so eng zusammen, dass die Aufteilung fast willkürlich erscheint. Die Geschichte hört am Ende von Band zwei nicht auf und geht nahtlos mit dem ersten Satz in Band drei weiter. Das Erzählte wird dabei immer noch schöner. Nicht, weil der jeweils vorangegangene Band schwächer wäre als der nachfolgende. Sondern weil sich die Geschichte und die Charaktere entwickeln. Weil man die Personen noch besser kennen lernt, noch tiefer in ihr Schicksal eintaucht.Das einzige Problem: Am Ende von Band drei ist man ziemlich ratlos, was man nach Stefansson lesen kann, damit das nächste Buch nicht so unendlich gegen diesen isländischen Autoren abfällt. Nicht zuletzt liegt das übrigens auch an der hervorragenden Übersetzung von Karl-Ludwig Wetzig, dem es gelingt, den Text so zu übertragen, dass Stefanssons Stil in seiner schlichten Schönheit auch auf Deutsch unverwechselbar erscheint.
Der Roman "Himmel und Hölle" von Jón Kalman Stefánsson ist voller Poesie aber trotzdem mit deftiger Sprache gewürzt. eine banale Geschichte aus dem Leben Islands vor etwa 100 Jahren bringt dem Leser das harte Leben der Bewohner der Insel nahe. Die Themen Tod, Freundschaft, Liebe werden großzügig ausgelotet. Man sollte das Buch ohne große Pausen lesen, also als Urlaubslektüre. Ansonsten fällt es schwer den roten Faden wieder auf zu nehmen. Die Szenen sind so ausschweifend beschrieben, dass man es förmlich vor sich sieht.