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Schon der Titel dieses Buches hält nicht, was er verspricht, geschweige denn die Inhaltsangaben, die mir vielerorts begegneten, bevor ich die Zeit fand, dieses Buch zu lesen. Wer die bisherigen Bücher von Julia Friedrichs (insbesondere "Gestatten, Elite!" und "Ideale") gelesen und geschätzt hat, dürfte meine Enttäuschung teilen.Ich würde nicht so weit gehen, von persönlichem Neid der Autorin zu sprechen, doch das Buch ist ganz klar darauf ausgerichtet, das Thema Sozialneid nicht nur zu untersuchen, sondern diesen auch noch zu bedienen. Es lassen sich drei Ebenen erkennen, auf denen die Autorin das Thema angeht:1. Belletristik und soziologisch-philosophische Literatur, die das Erben zum Thema hat, insbesondere mangels belastbarer wissenschaftlicher Literatur zu dem Thema; auffällig ist die Skepsis, mit der die Zitierten dem familiären Geldfluss gegenüberstehen und welche Horrorszenarien zu herauf beschwören.2. Gespräche mit einigen wenigen "durchschnittlichen" Erben, also von Personen, die von dem Vermögen ihrer Familie profitieren, alles in allem jedoch ein unscheinbares Leben führen. Charakteristisch sind hier die Skepsis gegenüber dem Geld und das schlechte Gewissen, hierauf angewiesen zu sein bzw. es angenommen zu haben, obwohl es gar nicht oder nur zur Deckung eines eigenen Defizits wie bspw. bei einem Immobilienerwerb genutzt wurde.3. Schillernde Gespräche mit noch schillernderen Persönlichkeiten aus Familiendynastien.Dazwischen findet der Leser sehr viel Frust der Autorin über gescheiterte Interview-Anfragen und die Tatsache, dass heutzutage demographisch bedingt große Geldsummen vererbt werden (was die Autorin nicht müde wird zu wiederholen).Der Leser findet hingegen keine Antwort darauf, was Geld denn tatsächlich mit Menschen macht. Nichts von dem, was Julia Friedrichs in diesem Buch schildert, kann man nicht auch in seinem eigenen Bekanntenkreis oder in der Regenbogenpresse verfolgen.Leider völlig außen vor bleibt die Kehrseite der Medaille: Es kommt keine einzige Person zu Wort, die Schulden geerbt hätte. Und auch "der Mittelstand" kommt reichlich kurz: Nur ein Gesprächspartner hat seine (wahrscheinlich gesamte) Erbschaft der Eltern aus gutbürgerlichem Hause (also wahrscheinlich weit ab von Millionenbeträgen) für Rechtsstreitigkeiten ausgegeben. Zudem wird zwar vielfach die Rückforderungsfrist des Staates und anderer Erbberechtigter von 10 Jahren für vorgezogene Erbschaften genannt, es findet jedoch niemand Platz in diesem Buch, für den ein solches Geschenk schon einmal zum Verhängnis geworden wäre.Alles in allem: Schade!
Das Buch ist flüssig geschrieben und leicht zu lesen. Anfangs wird von Thomas Piketty gesprochen und man erwartet eine Weiterführung seiner Theorien oder zumindest deren Auswirkungen hier in Deutschland. Das aber nur kurz. Der Rest des Buches ist eine Auflistung von Erbgeschichten, überwiegend kleinere und mittelgroße Erben, wo die Beteiligten meist alle unglücklich werden. Da sind die linken Berlinern, die seelische Qualen leiden, weil sie mehr Geld als ihre Freunde haben. Da sind mehrer Erbschleichern, die alte Leute umbringen um an ein Paar hundert tausend Euro zu kommen. Da sind Geschwister, die nicht miteinander reden und viel Geld für Rechtsanwälte ausgeben. Tja, das Geld nicht immer glücklich macht, das wussten wir wohl schon? Was hat das mit der Arbeit von Piketty zu tun? Durch das ganze Buch fragt man sich; hat die Frau Friedrichs Piketty überhaupt gelesen? Am Ende taucht er doch wieder auf. Vielleicht hat sie ihm gelesen, aber nicht verstanden? Und dann besucht sie die finanzpolitischen Sprecher der Bundestagsparteien, wo drei von vier schon für höhere Erbschafts- und Vermögenssteuern sind - angeblich. Das sie seit Jahrzehnten eine ganz andere Politik geführt haben und wohl in absehbarer Zukunft weiter führen werden, das wird nicht kommentiert! Man setzt sich nur deprimiert hin und gibt auf.Die Problematik, die Piketty in seiner Arbeit behandelt wird hier praktisch komplett übersehen. Wer einen Hang nach Schadenfreude und Neid hat, kann aber eine Menge traurige Geschichten lesen, die unterhaltsam geschrieben sind, aber mit der ernsthafte Problematik der Vermögenskonzentration hat dieses Buch nichts zu tun. Enttäuschend!
Ich hätte mir mehr Neutralität gewünscht. Der Unterton der Autorin klingt verbittert, ihre persönliche Meinung zum Thema drängt sich zu sehr auf, Raum für die persönliche Bewertung von Fakten ist nicht gegeben. In dem Buch kann man vor allem lernen, was Julia Friedrichs zum Thema Erbensteuer denkt….
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Letzte Aktualisierung: 10.10.2026 18:13 Uhr.