John Boyne ist für mich einer der genialsten Schriftsteller unsrer Zeit!Alles,was ich von ihm gelesen habe war "bestens".D.h.:Er hat sich über das Thema des Romans absolut bestens informiert und -fazinierend-auch beim schreiben in diese Zeit aktuell versetzt!!!Grosses Kompliment
Dies ist ein glänzend geschriebener, spannender Roman über die Krise der katholischen Kirche in Irland. "Erst spät in meinem Leben begann ich mich dafür zu schämen, dass ich Ire bin." So lautet der erste Satz dieses großen Gesellschaftsromans über Scham, Schuld, Machtmissbrauch, falsch verstandene Loyalität.Kurze Inhaltsangabe: Odran verliert im Alter von 8 Jahren seinen Vater und seinen jüngeren Bruder. Seine Mutter wünscht sich nach diesem doppelten Verlust, dass er Priester werden soll. 1973 tritt er in Dublin ins Priesterseminar ein und verbringt 1978 ein Auslandsjahr in Rom, als persönlicher Diener der drei Päpste, die in diesem Jahr nacheinander im Amt sind. Er wird dann Lehrer an einer Schule in Irland und führt ein ruhiges, sehr geregeltes Priesterleben, und begreift erst spät, sehr spät, was um ihn herum in der irischen Kirche vorgeht. Und dass sein guter Freund und Kollege Tom nicht der ist, der er zu sein scheint, sondern vor allem eins: ein Straftäter.Wertung: Gut ist, dass sehr einfühlsam die Person dieses Odran erzählt, entwickelt, ausgeleuchtet wird. Er ist ein aufrechter, wirklich unschuldiger Mann, der sehr geradlinig, loyal und klar seinen Weg geht. Aber schon in dem Auslandsjahr in Rom kommt auch er an seine Grenzen: Was ist wirklich mit dem Kurz-Zeit-Papst Johannes Paul I. passiert? Odran verdrängt alle kritischen Fragen und sieht nur sein persönliches Versagen. Ganz stark dann das Schluss-Kapitel "2013" (S. 388-412), in dem es erst zur Konfrontation mit dem vorgesetzten Erzbischof und danach zu einer letzten Begegnung mit dem langjährigen Freund Tom kommt. Und erst jetzt erkennt Odran, warum und in welcher Weise auch er Fehler gemacht und große Schuld auf sich geladen hat.Sehr tiefgründig, bewegend, lesenswert.
Inhalt:Odran Yates war schon immer ein eher passiver Typ. So gehorcht er auch ohne Murren, als seine Mutter dem siebzehnjährigen Jungen einredet, er sei zum Priestertum berufen, und tritt in ein Dubliner Seminar ein. Hier fühlt er sich äußerst wohl, abgeschirmt von den Versuchungen der Welt, auf einem vorgegebenen Weg. Gerne verschließt Odran die Augen vor Dingen, die nicht sein dürfen, die er nicht sehen will - auch in seinem weiteren Leben.Meine Meinung:John Boyne ist ein großartiger, vielseitiger Erzähler, so auch in „Die Geschichte der Einsamkeit“, in dem er Jahrzehnte aus dem Leben eines irischen katholischen Priesters schildert, das sehr authentisch wirkt und viele Probleme der Kirche offenlegt.Eindrücklich erzählt Boyne vom teilweisen Untergang der Kirche. Anfangs, in den 1970er Jahren, wird Odran von der Bevölkerung jede Menge Respekt entgegengebracht, später wird er beschimpft und bespuckt, obwohl er selbst nichts getan hat. Oder weil er nichts getan hat? Zu viel ist passiert in dieser Kirche, die für die Menschen dasein soll und nicht sie zerstören. Und Odran sieht all die Jahre nicht, was los ist. Er lebt nach dem Motto „Scheuklappen auf und durch“. Der Bischoff wird ihn schon richtig leiten. Erst sehr spät kommt Odran ins Grübeln, was seine mögliche Mitschuld betrifft. Hätte er erkennen können oder gar müssen, was andere Geistliche für Verbrechen begehen? Hätte er etwas dagegen tun können?Diese Fragen können die Lesenden auch für sich selbst beantworten, und nicht nur in Bezug auf die Missstände in der Kirche, sondern in allen Lebensbereichen. „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ darf nicht unsere Devise sein!Zuweilen hätte ich Odran schütteln können, weil er so blauäugig durchs Leben geht, obwohl es so eindeutig ist, dass da etwas nicht stimmt. So war einiges für mich auch schon früh vorhersehbar. Als Odran später dann aus allen Wolken fällt, war ich wenig überrascht über die Enthüllungen.Fazit:In diesem Roman nimmt sich John Boyne eines aktuellen Themas an, das nicht nur die irische Kirche betrifft, sondern auch die anderer Länder, leider auch die deutsche. Toll erzählt und sehr lesenswert!