Mit dem kompakten Buch „Glücksmomente für Menschen mit Demenz“ legen die beiden Autorinnen einen kurzen und gelungenen Praxisleitfaden zur Begleitung von Menschen mit Demenz vor.Im Vorwort machen die Autorinnen deutlich, dass sie ihr Buch als eine Ergänzung zu den bisherigen Konzepten verstehen. Sie wollen einen kleinen „Reisebegleiter“ an die Hand geben. Der dabei hilft, nicht nur die Defizite des Krankheitsbildes zu sehen, sondern den Menschen. Und vor allem das Gute im Schlechten. Dass ein gutes Leben trotz der Demenz möglich ist und wie wichtige es ist, dass Angehörige und Fachpersonal gut für sich selbst sorgen.Im ersten Kapitel wird kurz und prägnant die Demenz unter medizinischen und phänomenologischen Gesichtspunkten in den verschiedenen Erscheinungsformen erklärt.Im zweiten Kapitel geht es um die Frage, was Glück überhaupt bedeutet, wie es erlebt wird und was dabei im Körper geschieht.Wie können Glücksmomente ermöglicht werden? Darum geht es im dritten Kapitel anhand des anschaulichen Modells der „Glückshand“ mit den fünf Tipps der jeweiligen Finger. Dieses Konzept eignet sich vor allem für Menschen, die sich im mittelgradigen Stadium der Demenz befinden. Damit verbinden die Autorinnen das Ziel, die „Betreuungs- und Pflegekräfte ffür den Umgang mit Menschen mit Demenz zu schulen und zu sensibilisieren. Wir wollen Ihnen einen Leitfaden bieten, wie Sie individuell und abgestimmt auf die Bedürfnisse Ihres anvertrauten Menschen mit Demenz und abgestimmt auf Ihre Bedürfnisse agieren können.“ (S. 33)In den nachfolgenden Kapiteln werden die verschiedenen Zutaten für einen „Feel-Good-Coktail“, wie es die Autorinnen nennen, im Einzelnen sehr anschaulich und inspirierend vorgestellt.Im Einzelnen geht es um „Bewegung und Betätigung“ (Autostimulation, Tiefenwahrnehmung), „empathische Kommunikation“ (deeskalierend; Umgang mit Emotionen), „bestehende Erinnerung“ (wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen die Dinge, wie wir sind!“ S.60; Das Heute braucht das Gestern; Schubladenöffner), „Ressourcen als Potenzial“ (Sehr gute Checkliste auf S. 76+77) und schließlich „Ruhe und Entspannung“ (guter und verständlicher Hinweis auf die Auswirkungen der unterschiedlichsten Geräuschkulissen und wie dies Denken und Wahrnehmung negativ beeinflussen. Es geht um eine hilfreiche Balance zwischen Ruhe und Aktivität).Im 9. Kapitel richtet sich der Blick auf die Reisebegleiterin unter dem Aspekt der Selbstfürsorge. Das Bild des Akkus bzw. der „Powerbank“ soll die begrenzte eigene Kraft vor Augen führen. Gegenüber diesem eher mechanischen Menschenbild würde ich eher das lebendige Bild der Pflanze wählen, um die Notwendigkeit der Selbstsorge zu veranschaulichen (gießen, Lichtquelle, verdorren, wachsen, aufatmen…) Dies würde auch besser zum dem Tipp für die Achtsamkeit passen. (Stop, Check, Operate).Im Schlusswort ermutigen die Autorinnen zur Reflektion über das Gelesene, geben wertvolle Literaturtips und liefern hilfreiche Adressen für weitere Informationen zur Begleitung von Menschen mit Demenz.Das Literaturverzeichnis ist sehr ausführlich.Am Ende des Buches findet sich noch ein Sachregister.Für meine Arbeit als Seelsorger in stationären Einrichtungen der Altenpflege war die Lektüre dieses kompakten Buches zum einen eine sehr hilfreiche Wiederholung zum Krankheitsbild der Demenz.Vor allem habe ich die sehr anschaulichen und eingängigen Beispiele für die Ermöglichung von Glücksmomenten für Menschen mit Demenz mit Gewinn für meine Arbeit gelesen.Ich kann das Buch allen ans Herz legen, die mit Menschen mit Demenz arbeiten. Die Lektüre ist ein echter Mutmacher und eine Vitaminspritze. Ein Glücksmoment.Kleiner Hinweis an den Verlag: Bei einer Neuauflage des Buches sollte die Zeichnung der Kommode im sechsten Kapitel an die Ausführungen im Text angepasst werden. D.h. die Schubladen der Erinnerung sollten eine unterschiedliche Größe haben. S.62Wolfgang Klimm, Hamburg November 2021
Vielen Dank für diesen sehr praktischen Ratgeber. Schön ist, dass die Anregungen nicht abstrakt bleiben. Sondern sie werden an fünf konkreten Handlungstipps festgemacht (Bewegung, Kommunikation, Erinnerungen, Ressourcen, Entspannung). Hat man diese Begriffe einigermaßen im Kopf, fallen sie einem im Pflegealltag auch wieder ein – und es besteht die Chance, sich an eine konkrete Handlungsanweisung zu erinnern (z.B. die individuellen Ressourcen herauszufinden, die in die aktuelle Situation hinein passen).Sympathisch ist auch die Idee, die fünf Handlungstipps anhand der fünf Finger einer Hand zu erklären. Zum Teil kann man sie sich dadurch besser merken. Etwa wenn der Zeigefinger für Kommunikation steht (Eselsbrücke: Erhobener Zeigefinger).