Sehr gutes Buch, schön erzählte Story mit ernstem Hintergrund. Fesselnd geschrieben. Absolut faszinierende Ausdrucksweise und ich frage mich: warum kann man heute nicht mehr mit soviel Rücksicht und Respekt miteinander umgehen - und auch mal versuchen, sich in sein Gegenüber einzufühlen?
Das Buch ist für meine Enkeltochter in Bochum. Ich selbst besitze das Buch (Englisch und Deutsch) und habe es als Teenager gelesen. Ich habe es bewusst gewählt, ungeachtet des Woke-Hypes und des Shitstorms in den USA und mit Verspätung auch hier bei uns. Persönlicch finde ich, dass das Buch weder rassistich ist, noch Minderheiten verunglimpft und immer noch eine interessante und wirklichkeitsgetreue Schilderung der Südstaaten im Amerika der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gibt. Darüber hinaus ist es hilfreich, die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft während der Trump-Administration zu verstehen. Und ein Sensorium gegen Xenophobie und Misogynie zu entwickeln. Und trtz allem ist das Buch keine Moralkeule!
Achtung, dieser Text kann Spoiler enthaltenEs hat mich einige Zeit gekostet, Zugang zu dem Buch zu bekommen. Ungefähr die ersten hundert würde ich fast sagen. Am Anfang waren es mir einfach zu viele Namen, Orte und Begebenheiten, welche ich nicht vernünftig zuordnen konnte. Vermutlich etwas, was so alten Büchern eigen ist. Mir hat es dennoch schwer zu schaffen gemacht.Erzählt wird das Buch aus der Sicht von Scout, einem kleinem Mädchen von Anfangs noch sechs Jahren. Sie läuft lieber in Hosen statt in Kleidern durch die Gegend, möchte sich nicht wie eine kleine Dame, sehr zum Bedauern ihrer Tante, benehmen und versteht trotz ihres jungen Alters schon wahnsinnig viel von der Welt. Was sie wohl auch der Art und Weise wie sie aufwächst zu verdanken ist. Zusammen mit ihrem älteren Bruder Jem ist sie meistens mit ihm und seinen Freunden unterwegs, turnt durch die Gegend, versucht den Nachbarn heraus zu locken und hat dauernd irgendwelchen Unfug im Kopf. Denn er ist, neben ihrem Vater, ihr großes Vorbild und sie versucht ihm ständig nach zu eifern. Doch am Abend kuschelt sie sich gerne auf den Schoß ihres Vaters, Atticus. Das dieser tatsächlich so gut wie immer beim Vornamen genannt wird, auch von seinen Kindern, hat dafür gesorgt, dass ich etliche Seiten gebraucht habe um seine Rolle zuordnen zu können.Ein richtiger Spannungsbogen fehlt leider. Dennoch war die Geschichte nicht langweilig und ist wohl nach wie vor sehr wichtig. Es war wohl, zumindest fiktiv, einer der ersten Fälle, in denen ein „weißer“ Mann einen „farbigen“ vor Gericht verteidigte. Nicht nur als reiner Pflichtverteidiger, sondern tatsächlich ernsthaft und mit dem Ziel, dass beste für ihn zu erreichen. Obwohl Atticus genau weiß, wie es enden wird. Er hat keine Chance vor Gericht, er kann diese Ungerechtigkeit nicht ungeschehen machen, sondern nur versuchen, allen zu zeigen, dass sie Falsch liegen. Was ihm wohl auch gelingt aber nichts daran ändert, dass sich alleine wegen der Hautfarbe entschieden wird. Etwas, was dem Idalisten in Atticus merklich zu schaffen machte von Anfang an, obwohl er versuchte immer hoch erhobenen Hauptes und mit Freundlichkeit durchs Leben zu gehen. Etwas, was er auch stets seinen Kindern mit auf den Weg gegeben hat. Sie sollten sich nicht ärgern lassen sondern lieber freundlich und ruhig bleiben.Am Ende werden sämtliche Stränge aufgelöst, alles findet sich und ich hatte mehr oder weniger ein rundes, abgeschlossenes Gefühl am Ende. Auch wenn ich dieses am Ende durch zu überstürzt fand. Denn wo sich sonst immer die Zeit genommen wurde, alles vernünftig zu verarbeiten und zu beschreiben, fand ich den Überfall einfach nur hektisch und unausgegoren, da auch danach nicht weiter auf diese paar Seiten eingegangen wurde. Das hat mir einfach gefehlt und ließ das Gefühl, nur die Rohfassung gelesen zu haben, bei mir zurück.