Wohl kaum über eine Band wurden mehr Bücher veröffentlicht, als über die Rolling Stones, der dienstältesten Band der Welt. Jeder, der nur irgendwie mit den Stones zu tun hatte, meinte in den letzten Jahrzehnten seine Memoiren veröffentlichen zu müssen, mit mehr oder weniger zweifelhaftem Inhalt. Inzwischen dürfte wohl jede Affäre Mick Jaggers und jeder Joint Keith Richards in zumindest einem Werk dokumentiert worden sein. Der Neuigkeitsgehalt vieler Biographien hält sich daher in Grenzen.Was Willi Winkler, der sich einen Namen als Feuilletonist der Süddeutschen Zeitung gemacht hat, getrieben hat, sich in die endlose Liste von Veröffentlichungen einzureihen, ist mir nicht ganz klar. Sein Metier scheinen eher die kleinen Begebenheiten zu sein, die vermeintlichen Nebensächlichkeiten, was durchaus als Rechtfertigung für eine weitere Biographie herhalten könnte. Allerdings dürften Zweifel über die schöpferische Leistung Willi Winklers durchaus angebracht sein. Da ist beispielsweise die millionenfach kolportierte Geschichte über den wohl berühmtesten Marsriegel der Welt, nämlich jenen, der zwischen Marianne Faithfuls Beinen klemmte, und an dem Mick während einer Wochenendparty auf den Redlands, dem Wohnsitz Keith Richards, mit sichtlichem Wohlgefallen geschleckt haben soll, bis er leider von einer Polizeirazzia unterbrochen wurde. Eine schöne Geschichte wäre das, wenn sie nur wahr wäre; mindestens ebenso oft, wie sie erzählt wurde, ist sie nämlich dementiert worden, die Sache mit dem Riegel wohl bemerkt, nicht die Razzia selbst! Und so beschleicht einen das ungute Gefühl, Winkler habe letztlich nur zusammengefasst, was andere bereits geschrieben haben, denn dabei war er ja wohl nicht, oder?Ärgerlicher noch als Winklers Wiederholungen sind allerdings seine psychologischen Ergüsse über einzelne Bandmitglieder, beispielsweise über Brian Jones, der sich angeblich stets die Haare gewaschen haben soll, wenn er deprimiert war, oder über Keith Richards, der laut Winkler in Wahrheit schüchtern ist und nur die Gitarre als Freund betrachtet. Kaum zu glauben, nun müssen wohl ganze Bibliotheken umgeschrieben werden! Und schließlich die für den einen oder anderen durchaus lohnenswerte Erkenntnis, dass Mick Jagger "überrascht, aber noch mehr geschmeichelt war", als ihn ein britischer Parlamentsabgeordneter einmal wegen seines enormen Gemächtes lobte. Woher Winkler das wohl weiß?