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EAN 9783499011863
Hab ich noch Hoffnung, oder muss ich mir welche machen?
Hab ich noch Hoffnung, oder muss ich mir welche machen? | Till Raether | Taschenbuch | 128 S. | 2023
Bewertungen & Erfahrungen
4,3 von 5,0
3 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 3 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion19.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Das Buch bietet eine sehr nachdenkliche Betrachtung der aktuellen Weltlage und vermittelt eine gewisse Zuversicht, auch wenn die Umstände schwierig sind. Es ist eine gute Lektüre für alle, die nach Perspektiven suchen.
„Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es“, sagte einst Erich Kästner. Ins Handeln kommen, sich wehren, etwas sagen. Anstatt die Decke über den Kopf zu ziehen, den Besuch abzuwehren und in Mutlosigkeit zu versinken, einfach mal gemeinsam ins Kino zu gehen, zur Demo oder ein gutes Buch zu lesen. Und nun kommt die Überleitung zu dem, was ich euch eigentlich zeigen möchte: das letzte gute Büchlein, was ich gelesen habe, hatte gerade einmal 126 Seiten und trägt den Titel „Hab ich noch Hoffnung, oder muss ich mir welche machen?“Sagt im Grunde schon alles, eröffnet einem aber noch um einiges mehr. Till Raether schreibt über Glauben, Selbstfürsorge, Optimismus, Lebensvorfreude und die fröhliche Sehnsucht. Darüber, wie man das Gefühl der Sinnlosigkeit überwinden kann und was die Zutaten sind fürs Hoffnung-Machen.Davon, wie sehr Hoffnung unseren banalsten Alltag zusammenhält, und dass im Grunde alles, was wir tun, auf Hoffnung beruht.Raether verschweigt aber auch nicht, wie schwer das oft sein kann mit der Hoffnung, im Angesicht von Depressionen, Klimabangen und Ängsten um Krieg und Armut. Schließlich ist es viel leichter sich zu sorgen, wir neigen einfach nicht zum Optimismus.Es ist immer wieder mit Anstrengungen verbunden, denn Hoffnung ist eine Handlung. Wer lebt und gut zu sich ist, für sich sorgt, anderen etwas Gutes tut, drückt damit auch aus, dass es einen Sinn hat und dass es noch Möglichkeiten gibt, Richtungen, in die sich das Leben entwickeln kann. Für die Abwesenheit von Hoffnung hingegen muss man einfach gar nichts mehr tun.Darum sollten wir ihr immer die Gelegenheit geben, indem wir einfach losziehen, tun, auch wenn wir nicht wissen, was passiert, als nicht loszuziehen und zu wissen: dann passiert definitiv nichts.Absolute Leseempfehlung von mir – zum Verschenken und selbst behalten.
Zum Jahreswechsel machen wir uns ja immer ein bisschen Hoffnung. Neues Jahr, neues Glück. Die bösen Geister des alten Jahres werden weggeböllert. Und so weiter und so fort. Ist vermutlich mehr Gewohnheit als tatsächliche Hoffnung. Haben wir diese überhaupt noch? In Zeiten von Klimawandel, Rechtsruck und Kriegen? Genau dieser Frage geht Till Raether in seinem neuen Essay nach. Persönlich, ein-, aber nicht aufdringlich und durchaus auch humorvoll.Raether startet seine Hoffnungsreise in seiner Jugend, in den 80ern. Der Kalte Krieg ist noch nicht zu Ende, die Angst vor einem Krieg in Europa, vor einer Atombombe ist präsent. Wer in der Zeit aufgewachsen ist, kennt das Gefühl. Wer später aufgewachsen wer, hatte ähnliche Ängste zu Zeiten von 9/11 und Irakkrieg oder natürlich aktuell mit Klimakrise und Ukraine-Krieg, zu denen Raether einen passenden Bogen spannt.Aber auch private Hoffnungslosigkeit ist in seinem Essay präsent: Seine eigene Depression, schon ausführlicher in seinem Vorgänger „Bin ich schon depressiv, oder ist das noch das Leben?“ behandelt, die seiner Mutter und ihre letzten Lebensjahre im ungeliebten Hamburg, die Corona-Pandemie. Und Wege daraus. Das Schöne, das Gute, das wirklich Wichtige daran: Raether gibt hier nicht den Life-Coach, er hat kein Patentrezept, kein „So sprühst du morgen zu 100 % wieder voller Hoffnung“-101.Er erzählt von seinen Erfahrungen, von kleinen persönlichen Schritten, die ihm geholfen haben. Zum Beispiel seinem Japanisch-Kurs. Ist nix für jeden, aber vielleicht ist es in einem anderen Fall ja Zeichnen, Wandern oder das Erlernen von Flechtfrisuren für Langhaarhunde. Schreibe ich, schreibt nicht Raether, so quatschig ist er nicht. Er wirkt eher, so gottlos er aufgewachsen und so fern er der Institution Kirche noch heute ist, eher wie ein gutmütiger Pater in einer Art Religionsunterricht für Erwachsene.Nicht belehrend, aber Anstöße gebend, Mut machend, dass man zwar vielleicht alleine in einem Boot ist, aber ganz viele Boote um einen rum sind, in denen Menschen mit gleicher Gefühlslage sitzen. Und das funktioniert bei mir persönlich beispielsweise besser als in Daniel Schreibers „Die Zeit der Verluste“, ein Buch über Trauer. Schreiber verliert sich für meinen Geschmack zu sehr in Venedig, so dass die wirklich guten, wichtigen Passagen seines Essays untergehen, so wie vermutlich eines Tages die italienische Hafenstadt.Der Hamburger Raether bleibt bei seiner Sache, verliert sich und vor allem mich nicht und schafft es, dass ich das Buch in einem Rutsch durchlese, obwohl ich es auch schön häppchenweise hätte machen können – ein bisschen Hoffnung morgens, mittags, abends über vier Tage verteilt. Gutes Rezept eigentlich, nicht mal verschreibungspflichtig.Und das Fazit? Lässt sich am besten so zusammenfassen: Es ist nicht schlimm, keine Hoffnung zu haben. Solange man noch Lust hat, wieder welche zu bekommen.
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Letzte Aktualisierung: 28.09.2026 06:17 Uhr.