Roman eines Schicksallosen   rororo Taschenbücher Bd22576 - Imre Kertész Taschenbuch
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Roman eines Schicksallosen rororo Taschenbücher Bd22576 - Imre Kertész Taschenbuch

Hersteller: Kertesz, Imre  ·  MPN: 464010
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Roman eines Schicksallosen | Imre Kertesz | Taschenbuch | 288 S. | Deutsch | 2001

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Redaktion 09.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Tiefgründig
StevenStone 05.08.2024 amazon.de
Imre Kertesz schildert in „Roman eines Schicksalslosen“ Eindrücke und Gedanken eines heranwachsenden ungarischen Juden, der im letzten Kriegsjahr Auschwitz, Buchenwald, Seitz und wieder Buchwald knapp überlebt. Er ist aus dem Bus herausgeholt und arretiert worden, der ihn im Besitz eines Sonderausweises der deutschen Besatzer zur Arbeit in einer kriegswichtigen Fabrik nahe Budapest bringen sollte. Von einer auf die andere Minute ist eine solche Regelung nichtig. In einem Stall wartet er mit vielen abgefangenen jüdischen Leidensgenossen auf den Transport im offenen Güterwagen nach Auschwitz. So beginnt der Roman und er endet mit der Rückkehr nach Budapest. Der Vater ist in Mauthausen ermordet worden. Die vertraute Wohnung hat neue Mieter. Die Stiefmutter hat den Prokuristen der ehemals väterlichen Firma geheiratet. Dem war die Firma übertragen worden als der Vater ins Arbeitslager einrückte. Seine ersten Gesprächspartner nach der Rückkehr sind die Nachbarn, von denen er eben das erfährt und ein Journalist, der den entlassenen KZ-Häftling wittert und sich eine Zeitungsstory verspricht. Mit beiden scheitert die Verständigung. Die Rede der Nachbarn wie des Journalisten verfehlen die Situation und Gefühlslage des Jungen völlig. Das ist der Rahmen für eine strikt subjektive, emotional unterkühlte, zwischen Staunen und Fatalismus wechselnde Erinnerung des Vierzehnjährigen, die fast frei ist sowohl von Todesangst wie von Wut und Leidenschaft. Die Wut kommt später. Natürlich will er überleben wie alle anderen. Dazu verhelfen ihm zwei Umstände: das gnädige Schicksal seiner Jugend und damit Arbeitsfähigkeit ( und dass ihm die Altersangabe sechszehn geglaubt wird ) und sein besonderes Talent, der „Hölle“ Normalität abzugewinnen. Ein Instinkt gebietet ihm, seine Kräfte weder in vergeblicher Auflehnung letztlich gegen sich selber zu richten noch schicksalsergeben wie ein „Muselmann“ auf den Tod zu warten. Die Begriffe „Normalität“ und „Zeit“ bzw. das Prozesshaftes des „Schritt für Schritt“ sind das in der großen Zahl der Auschwitzdokumente und literarischen Bearbeitungen wohl einzigartige Moment, das beim KZ-unerfahrenen Leser einen Hauch von wirklicher Erfahrung und tieferem Begreifen freilegen kann wie das Grauen organisiert ist. Viele akkurate Dokumentensammlungen und Statistiken aber auch Augenzeugen schaffen das nicht. Dokumente schaffen schnell eine quasi wissenschaftlich-historische Distanz und Einzelfälle sind oft so grauenvoll und abstoßend, dass auch hier schon der Beginn eines Verständnisses an einer Schutzblockierung scheitert. „Normalität“, „Zeit“, „weiter“, „Schritt für Schritt“ – das sind Schlüsselbegriffe für die Realität des organisierten Grauens, der „Hölle“, die es nicht entschärfen können und erst recht keine Schuld relativieren, aber etwas weiter führen bei der Frage: „Wie konnte es ertragen werden?“ ( Makaberer Weise helfen sie auch der Frage „Wie konnte es getan werden?“ weiter, obwohl das im Buch nicht thematisiert ist). Im misslingenden Verständigungsversuch mit dem Zeitungsjournalisten widerspricht György seiner Wortwahl von „Hölle“ für das KZ. Im KZ habe es Momente des Glücks und auch der Langweile gegeben. Die Hölle stelle er sich ohne beides vor. „Und womit erklärst du dir solche Augenblicke im KZ ?“, fragt der Zeitungsmensch fast unwillig. „Mit der Zeit, das heißt, dass die Zeit hilft, bei allem“, erklärt György. „Und ich versuchte, ihm zu erklären, wie es ist, an einem nicht gerade luxuriösen aber doch annehmbaren, sauberen und hübschen Bahnhof anzukommen, wo einem alles erst langsam, in der Abfolge der Zeit, Stufe für Stufe klar wird. Wenn man die eine Stufe hinter sich gebracht hat, sie hinter sich weiß, kommt bereits die nächste. Wenn man dann alles weiß, hat man auch alles bereits begriffen. Und indes man alles begreift, bleibt man nicht untätig: schon erledigt man die neuen Dinge, man lebt , man handelt, man bewegt sich, erfüllt immer die neuen Forderungen einer jeden neuen Stufe. Gäbe es jedoch diese Abfolge der Zeit nicht und würde sich das ganze Wissen gleich dort auf der Stelle über uns ergießen, so hielte es unser Kopf vielleicht gar nicht aus, und auch unser Herz nicht – so versuchte ich es für ihn ein wenig zu beleuchten.“ So notwendig historische und dokumentarische Arbeiten sind, so kann doch letzten Endes nur Literatur überhaupt in die Nähe des Geschehenen kommen. Vor allen Dingen wenn sie so exzellent ist. Die einfühlsamste und versierteste psychologische Darstellung eines Schicksals aus wissenschaftlicher Sicht könnte beim Leser weder den Erkenntnisgewinn noch die affektive Resonanz erzeugen als der Roman Imre Kertesz, der zurecht mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden ist.
euripides50 05.08.2024 amazon.de
In der Terrorgeschichte des Zweiten Weltkrieges war den ungarischen Juden ein besonders grausames Finale vorbehalten. Lange Zeit lebten sie unter dem Schutz des autoriären Horthy- Regimens relativ unbehelligt mitten in einem Kontinent, in dem bereits aus allen Richtungen die Todeszüge nach Ausschwitz rolten. Erst mit der Machtergreifung der Deutschen und ihren antisemitischen Pfeilkreutzer-Vasallen 1943/4 schlug das Verhängnis auch über den ungarischen Juden zusammen -innerhalb kürzester Zeit fielen 400.000 Juden Vernichtungsmärchen und Mordaktionen zum Opfer.Vor diesem Hintergrund erzählt das vorliegende Buch des ungarischen Nobelpreisträgers Imre Kertesz die bizarre Geschichte eines ungarischen Jugendlichen inmitten der nationalsozalistischen Todesmaschinerie. Bizarr ist die Geschichte nicht wegen ihres Inhaltes, sondern wegen ihrer Form - von der ersten bis zur letzten Seite wird die Leidensgeschichte aus der Perspektive eines Heranwachsenden erzählt, der in einer halb staunenden, halb gutwilligen Naivität das Verhängnis, das ihn ereilt, mit seinen normalen Verständniskategorien zu verstehen sucht. Der Übergang von der gutbürgerlichen Existenz im Umkreis der Familie über die Einberufung zum Arbeitsdienst bis zur Verschickung in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald vollzieht sich dabei als eine Abfolge von Stufen, die den Jungen immer bedrohlicher in die Nachbarschaft des Todes rücken.In einer konkret-akribischen Beschreibungssprache, wie sie Jugendlichen oft eigen ist, organisiert der Protagonist die Geschehnisse inmitten des Chaos nach den letzten ihm verbleibenden Resten von Sinnhaftigkeit, und wenn ihm das nicht gelingt, gibt er sich einem grenzenlosen Staunen hin. Selbst im Angesicht seines sterbenden Körpers bewahrt er sich diese philosophisch anmutende Perspektive des Staunens: "Ich konnte nur staunen über die Geschwindigkeit, das entfesselte Tempo, mit dem die deckende Schicht, die Elastizität, das Fleisch von meinen Knochen dahinschwand, schmolz, abfaulte und allmählich ganz verschwand. Täglich wurde ich von etwas Neuem überrascht von einem Makel, einer neuen Scheußlichkeit an diesem immer merkwüridiger, immer fremder werdenden Gegenstand, der einst mein guter Freund: mein Körper, gewesen war." (S. 183)Mit Glück und der Hilfe von Lagerenossen überlebt der Junge die letzten Tage von Buchenwald, und wie es scheint, ist er durchaus in der Lage, dieses Glück im Konzentrationslager, die Stunde vor dem Essen, einen Moment der Ruhe, einen Augenblick der Eintracht mit Lagergenossen auch zu genießen. Für den Mainstream-Leser der gängigen Holcaustliteratur hat dieser Fokus zunächst etwas Schockierendes, In Wahrheit ist er nichts anderes als eine Mischung aus Verantwortungsgefühl und Selbstverteidigung. Verantwotungsgefühl, weil jeder, auch der Protagonist, seine Familie, alle Ungarn, alle Menschen im Zweiten Weltkrieg, für das, was ihnen widerfahren ist, selbst mit verantwotlich waren, denn sie hätten sich auch ganz anders verhalten können. Und wenn es ihnen dann widerfahren ist, wenn man selbst sein Schcksal durchlebt, warum nicht mit einer möglichst distanzierten Haltung durch das Würdelose gehen, damit es einen nicht restlos infiziert und warum sich nicht auch an Nischen des Todes so sehr erfreuen, das man ihm am Ende möglicherweise entgeht?Ein großartiges Buch, das gegenüber der Mordmaschinerie der Konzentrationslager die Würde des Individuums behauptet. Dass die Behauptung dieser Würde einen so hohen Maßstab definiert, dass ihm die meisten Opfer nicht entsprechen konnten, mindert nicht den literarischen Wert des vorliegenden Werkes.
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