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Verschwörung gegen Amerika | Philip Roth | Taschenbuch | 543 S. | Deutsch | 2007 | EAN 9783499240874
Bewertungen & Erfahrungen
4,2 von 5,0
6 Bewertungen
5 ★3
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2 ★1
1 ★0
Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion31.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieser Roman von Philip Roth ist absolut faszinierend und regt zum Nachdenken an. Die Art und Weise, wie er die Geschichte von Charles Lindbergh und die dahinterliegenden Zusammenhänge beleuchtet, ist meisterhaft geschrieben.
Redaktion31.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein absolut fesselnder und tiefgründiger Roman, der zum Nachdenken anregt und die Geschichte mit unglaublicher Intensität erzählt. Ich kann diesen Bestseller nur wärmstens empfehlen.
Was wäre wenn Charles Lindbergh Präsident der USA geworden wäre? Genau darum geht es in diesem Roman. Erstaunliche Parallelen zur Trump-Administration tun sich auf, die Philipp Roth so nicht beabsichtigt haben kann.
Was wäre gewesen, wenn das Fliegeridol und der Nazi-Sympathisant Charles A. Lindbergh im Jahre 1940 als republikanischer Präsidentschaftskandidat Roosevelt geschlagen und ins Weiße Haus eingezogen wäre? Was wäre geschehen, wenn die Amerikaner sich mit Hitler verbündet und tatenlos zugesehen hätten, wie die Deutschen England in Grund und Boden bombardieren und Russland überrennen? Was wäre geschehen, wenn zur gleichen Zeit in den USA der latente Antisemitismus der angelsächsischen Bevölkerungsmehrheit unter stillschweigender Duldung der Regierung offen ausgebrochen wäre?Diese hypothetischen Fragen werden in dem vorliegenden Buch aus der Perspektive einer jüdischen Kleinbürgerfamilie aus Newark beantwortet. Der hart arbeitende und etwas engstirnige Vater Hermann Roth verkauft Versicherungen, die Mutter hält das Haus zusammen, der älteste Sohn Sandy ist ein begabter Zeichner und der Jüngste, eben der kleine Philip Roth, ist die Person, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Es ist eine interessante Geschichte, die langsam und sorgfältig entwickelt wird und deren zahlreiche Charaktere der Fiktion Farbe und Tiefe geben. Da ist der problematische Cousin Alvin, der nach Kanada geht um in Europa gegen Deutschland zu kämpfen und als Krüppel heimkommt, ehe er in einer semikriminellen- Halbwelt verschwindet, da ist Tante Hedwig, die einen lindberghfreundlichen Rabbi heiratet und sogar zum Empfang des Nazi-Außenministers Ribbentrop ins Weiße Haus eingeladen wird. Als sei das Buch als potenzielles Drehbuch verfasst, spart Roth nicht mit starken Bildern, die förmlich nach Verfilmung drängen - etwa, wenn Präsident Lindbergh höchstpersönlich unter dem Jubel seiner Bürger jeden Tag mit seiner Maschine seine Runde über Washington dreht oder Zigtausend Deutschamerikaner in großen Veranstaltungen in den USA die nationalsozialistische Ideologie propagieren.Als der Krieg in Europa sich seinem blutigen Höhepunkt nähert und die Japaner dabei sind ganz Asien zu erobern, steht schließlich eine Riesenmehrheit der Amerikaner hinter dem isolationistischen Präsidenten, der sie aus diesen Gemetzeln herausgehalten hat. Sogar viele Juden geben ihren Widerstand gegen Lindbergh auf, weil der Präsident die Formen wahrt. In Wahrheit aber beginnt eine unübersehbare Ausgrenzung der jüdischen Amerikaner, die Roth in deutlicher Anspielung an die Judenräte des Zweiten Weltkrieges beschreibt. Denn unterstützt und angespornt von etablierten jüdischen Verbänden beginnt die Regierung damit, jüdische Familien aus den Städten auszusiedeln und über das ganze Land zu verteilen - während FBI Agenten gleichzeitig dafür sorgen, dass jüdische Amerikaner, die sich diesen Anordnungen widersetzen, in berufliche und soziale Schwierigkeiten geraten.Hellsichtige wandern nach Kanada aus, Duldsame lassen sich in die Provinz verschicken, nur wenige protestieren, allen voran der windige Rundfunkmoderator Walter Winchell, der die faschistischen Anwandlungen des Präsidenten unverdrossen und drastisch anprangert ehe er seinen Job und am Ende auch sein Leben verliert. Denn unter der stillschweigenden Duldung der offiziellen Stellen hat sich längst jener Mob organisiert, der immer dabei ist, wenn es gilt, unter irgendeinem Vorwand Menschen zu erschlagen.Bis hierhin liest sich das Buch wie eine spannende Fiktion, und der Leser ist gespannt, mit welchem Dreh der Autor die Handlung wieder in den sicheren Hafen der Weltgeschichte zurückführen wird, denn daran, dass die USA den Krieg schließlich doch an der Seite der Briten geführt und gewonnen haben, kann auch Roth kaum vorbeikommen.Die Lösung ist verblüffend einfach: (1) Auf dem Höhepunkt der Krise verschwindet der fliegerbegeisterte Präsident bei einem Alleinflug und wird nie mehr gesehen. (2) Der amoklaufende Vizepräsident wird vom Senat abgesetzt, Franklin D. Roosevelt wird zum neuen Präsidenten ernannt und alles ist wieder gut.Ein willkürlicheres und dürftigeres Finale eines Buches, dass immerhin über weite Passagen den Leser zu fesseln vermochte, kann man sich kaum vorstellen - dass dies einem Premium-Autor von der Klasse Philip Roth geschieht, ist kaum zu fassen. Wenn der antisemitische Spuk wirklich so leicht hinwegzufegen ist wie dies am Ende des Buches suggeriert wird, dann hätten sich die Exzesse, unter denen die Juden immer mehr zu leiden hatten, niemals entwickeln können. Und wenn die antisemitischen und faschistischen Tendenzen, die Roth für die USA beschwört auch nur einen Funken Wahrscheinlichkeit besitzen, dann hätte FDR nicht so locker an die Macht zurück gelangen können. Diese Lösung passt hinten und vorne nicht zusammenAuch erzählerisch kann das Buch am Ende nicht mehr überzeugen. Die Zweigleisigkeit der Darstellung, d. h. die parallele Geschichte der Familie Roth und die Schilderung der großen Politik, kommen immer weniger zur Deckung. Am Ende ist Roth nur noch dort überzeugend, wo er die Empfindungen und Verhaltensweisen konkreter Personen beschreibt - sobald er aber den Blick ins politische off wendet, wird es hölzern und langweilig. Schade, da war mehr drin.
Was wäre gewesen, wenn F. D. Roosevelt 1940 nicht abermals zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden wäre, sondern stattdessen Charles Lindbergh, der amerikanische Held, Atlantik-Überquerer und bekennende Hitler-Verehrer, als Kandidat der Republikaner? Die Antwort auf diese Frage legt Philip Roth in seinem neuesten Buch vor, einer Utopie über ein faschistisches Nordamerika.Im weitgehend jüdischen Teil Newarks leben die Roths. Der Vater ist Versicherungsvertreter, Mutter Bess hütet Haus und Kinder, die Jungs Sandy und Philip sind 10 und 7 Jahre alt, außerdem lebt Vetter Alvin im Haushalt. Das Leben ist einfach und übersichtlich, hat seine Rituale und seine kleinen Katastrophen, aus denen große werden, als der charismatische Lindbergh zum Herren des Weißen Hauses bestimmt wird. Alvin zieht für Kanada in den Krieg - und verliert ein Bein. Sandy wird zum Vorzeigejuden für ein obskures Programm, dessen Ziel darin besteht, die jüdischen Amerikaner umzusiedeln und ihre sozialen Strukturen aufzubrechen. Einzig Papa Roth leistet Widerstand gegen die Deportationspläne.Philip Roth hat sich in seiner sieben Jahre alten Fassung zum Ich-Erzähler gemacht; die Geschichte endet seltsam und verstörend abrupt.Das Buch bietet einen hohen Wiedererkennungswert; Teile der Kindheitsgeschichten sind ähnlich in einigen Büchern des häufig geehrten Autors, der auch immer wieder für den Literatur-Nobelpreis gehandelt wird, erzählt worden. Leider gelingt ihm das im vorliegenden Roman weniger gut, dessen Aufbau und Konzeption noch einige andere Schwächen aufweist. Vor allem aber enttäuscht das Buch sprachlich; sinnarme Bandwurmsätze und seitenlange Aufzählungen wirken nachgerade zersetzend auf den Erzählfluß, der auch sonst nicht so recht aufkommen will. Anders gesagt: „Verschwörung gegen Amerika" ist streckenweise sterbenslangweilig.Die Tragödie der Familie soll exemplarisch sein für die Auswüchse des Monstrums Faschismus, aber es liest sich, als hätte Roth beim Schreiben die ganze Zeit mit einem Fuß auf der Bremse gestanden, als wäre das überhaupt nicht das Buch, das er schreiben wollte, als hätte sich die - möglicherweise nicht einmal schlechte - Ausgangsidee gegen den Autor gewendet. Die Bedrohung wirkt häufig sehr diffus, andererseits erscheint vieles vorhersehbar, zu konsequent und auf dramatische Weise undramatisch. Das Schicksal der amerikanischen Juden nimmt sich, so, wie Roth es erzählt, zuweilen beinahe banal aus gegenüber dem Schicksal der europäischen Juden, wohinter natürlich auch eine Absicht steht, aber es geht hier um die Konsequenz. Letztlich zeigt Roth lediglich, daß es möglich gewesen wäre - und immer noch ist, denn der Roman hat durchaus seine aktuellen Bezüge -, aber Ansatz und Setting verweigern sich dem zu sehr, um tatsächlich ein Exempel zu liefern. Größter Kritikpunkt an diesem sehr unbefriedigend endenden Roman ist jedoch sein sprachliches Scheitern, an dem die unglückliche und gelegentlich sehr unglaubwürdige Erzählperspektive ihren Anteil hat. Großes Thema, schwaches Buch.
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Letzte Aktualisierung: 28.09.2026 14:11 Uhr.