Man fragt sich, wie ein so fulminanter Roman mit nur 157 Taschenbuchseiten auskommt.Im Kern geht es um die Lebensbilanz eines einigermaßen mittelmäßigen Menschen, eines Jedermann eben - preisgegeben dem Verfall des Alters. Eine Krankheitsgeschichte mit ihrem Mühsal und immer neuen Risiken, kontrastierend zudem mit der vitalen Gesundheit des älteren und zudem erfolgreicheren Bruders (Eine Variante der Abel-Kain-Geschichte, weil deswegen gezürnt wird.), aber doch fatalistisch getragen nach dem wiederholten Motto: Man muss es nehmen, wie es kommt.Alt zu werden, krank zu sein, das wird hier - ohne zu jammern - nicht zuletzt als ein ästhetisches Problem beschrieben und sogar als empfundene Peinlichkeit.Und genau dies setzt der Autor in Verbindung mit den Leidenschaftsgeschichten seines Helden, mit der Bewunderung von Weiblichkeit im weiteren und dem sexuellen Furor im simpel engeren Sinne, gekoppelt an all die Verlogenheit und den Betrug, von dem ebenfalls beinahe jedermann, also im Wortsinne jeder Mann, ja weiß. In genitaler Fixiertheit zählen oberflächlicher Chic mehr als tiefgängiger Charakter.Unfreiwillige Komik immer neben echter Tragik, Glückseligkeit im Sinnlichen, vermeintliche jedenfalls, naturgemäß einer kurzfristige, neben dem Leid, das man dem Partner unweigerlich antut. Immer schwingt die Frage mit: Was aber bleib von allem? Der Tod, über den nichts mehr hinauszuweisen scheint, "die größte Beunruhigung des Lebens."Geschildert wird die Geschichte eines dank medizinischer Möglichkeiten abgeflachten, aber dem Helden doch schmerzlich bewussten körperlichen Verfalls, der sich um die große Sehnsucht wie um die schwer zu beantwortenden Fragen nach den letzten Dingen nicht schert. Also wieder mal die Differenz zwischen dem Menschen, der vernünftig fragt, und der Natur, zumal der eigenen, die vernunftwidrig schweigt.