❄❄❄❄❄ "Dass die Welt auf einen rohen Kern nicht weiter zerlegbarer Begriffe zusammenschrumpfte. Dass die Namen der Dinge langsam den Dingen selbst in die Vergessenheit folgten. Farben. Die Namen von Vögeln. Dinge, die man essen konnte. Schließlich die Namen von Dingen, die man für wahr hielt. Zerbrechlicher, als er gedacht hätte. Wie viel war schon verschwunden?" (S. 81)Dieses Buch beinhaltet eine Dystopie der ganz anderen Art, denn hier passiert im Grunde nicht viel. Keine Zombies, keine actiongeladenen Szenen und keine Bandenrivalitäten zwischen den Überlebenden.Ein Vater und sein Sohn bewegen sich in einer dystopischen Welt auf einer Straße in Amerika nach Süden, um dem kalten Winter zu entgehen und um an der Küste eventuell Hilfe zu finden, eine Gemeinschaft von Überlebenden, die ihnen nicht ans Leder wollen. Man erfährt nicht, was der Auslöser für die postapokalyptischen Zustände sind oder in welchem Jahr sie sich befinden.Man streift mit den beiden durch eine Welt, die nicht mehr so ist wie sie einmal war und nie mehr so sein wird. Eine Welt, in der es nichts mehr gibt außer verbrannte Erde, Ruß und Asche, welche selbst die Sonne nicht hindurch lässt. Eine Welt ohne Tiere, dafür mit umso mehr Überlebenden vor denen man sich in Acht nehmen muss. Denn was isst man, wenn es keine Tiere zum Schlachten mehr gibt und man von Hunger getrieben wird? "Die Stadt war größtenteils ausgebrannt. Keinerlei Anzeichen von Leben. Autos auf der Straße mit einer Aschekruste überzogen, alles von Asche und Staub bedeckt. Im getrockneten Schlick Fossilien. In einem Eingang ein ledrig mumifizierter Leichnam. Der dem Tag eine Grimasse schnitt. Er zog den Jungen näher an sich heran. Vergiss nicht, dass das, was du in deinen Kopf lässt, für immer dort bleibt." (S. 14)Der Schreibstil ist flüssig und beinhaltet, trotz der düsteren und beklemmende Atmosphäre literarisch poetische Züge.Der Erzählstil ist packend und die Dialogführung nur auf das Nötigste beschränkt. Doch gerade dies führt zu einer unheimlichen Ausdruckskraft der Gespräche zwischen Vater und Sohn. "Wenn deine Träume von einer Welt handeln, die es nie gegeben hat oder nie geben wird, und du wieder glücklich bist, dann hast du aufgegeben. Verstehst du? Und du darfst nicht aufgeben. Das lasse ich nicht zu." (S. 169)Der Autor entführt den Leser in eine unglaublich düstere und herzzerreißende Story voller Erschöpfung, Hunger, Angst, aber auch voller Liebe und Mut.Aufgrund der äußerst plastischen Beschreibungen von Setting und Gefühlen, fiebert man mit den beiden mit - spürt den Hunger und die Angst in einem hoch kriechen, riecht und schmeckt Rauch und Asche, sieht die verbrannte Welt vor Augen. Hier wird das nackte Überleben von Vater und Sohn mit einer unglaublichen Sprachgewalt erzählt, welche einem als Leser die Gänsehaut rauf und runter laufen lässt.Wie soll man in so einer Welt überleben und schafft man es trotzdem im Herzen gut und seinen Prinzipien treu zu bleiben? Kann man hier weiterhin zu den Guten gehören? "Sie kampierten auf einem terrassenförmigen Stück Land jenseits eines zugefrorenen Baches an der Straße. Der Wind hatte die Asche vom Eis geweht, und das Eis war schwarz, sodass der Bach aussah wie ein sich durch den Wald windender Basaltpfad." (S. 35)Fazit:Dieses Buch ist eines meiner absoluten Lesehighlights.Der Autor schaffte es, mich mit dieser Story völlig einzunehmen. Ich habe voller Spannung die Seiten umgeblättert, habe geweint, nachdenklich vor mich hin gestarrt und manche Passagen mit Genuß mehrmals gelesen.Eine vergleichbare Dystopie, welche mich trotz fehlender Action so sehr in die Story hineingesogen hat, ist mir noch nicht untergekommen. Eine Dystopie ohne Action, jedoch mit umso mehr Sprachgewalt und Atmosphäre.© Pink Anemone
Der Roman „Die Straße“ wurde von dem amerikanischen Autor Cormac McCarthy verfasst und 2006 erstmals veröffentlicht. Der Roman handelt von einem Vater und seinem Sohn, die durch ein vermeintlich post-apokalyptisches Nordamerika ziehen, auf der Suche nach einem sicheren Leben.Cormac McCarthy wurde im Jahr 1933 in Providence, USA geboren. Bekannt wurde er durch seine „Border-Trilogie“, die aus den Romanen „All die schönen Pferde“, „Grenzgänger“ und „Land der Freien“ besteht. Sein wohl bekanntestes Werk, welches auch als Film großen Erfolg gefeiert hat, ist der Roman „Kein Land für alte Männer“, bzw. „No country for old men“. In etlichen seiner Werke beschreibt er ein Leben in einer anderen Gesellschaft, einer anderen Welt.In „Die Straße“ sind ein Mann und sein Sohn, die sich selbst als „die Guten“ bezeichnen, auf dem Weg nach Süden,an das Meer, da sie sich dort ein besseres Leben erhoffen. An ihrem aktuellen Standort ist ein sicheres und gutes Leben nicht möglich, da das Land zerstört ist und in Asche liegt. Die Nahrungsmittel sind mehr als knapp und das Leben der Zwei ist stark gefährdet. Die Mutter des Jungen lebt nicht mehr, sie nahm sich wahrscheinlich nach der Katastrophe das Leben. Auf ihrem Weg die Straße entlang kommen Vater und Sohn immer wieder von dem Weg ab, um nach Nahrung etc. zu suchen. An einem Haus finden sie einen Bunker, in dem sie für einige Tage unterkommen und in dem sie sich versorgen können. Nach langer Zeit erreichen sie endlich das Meer, doch dieses ist nicht so wie sie sich es vorgestellt hatten. Auch das Meer ist grau und mit Asche bedeckt. Sie finden dort ein Schiffswrack, in dem sie Nahrungsmittel und andere überlebenswichtige Materialien finden. Doch die Zwei sind nicht allein in dem Land. Hier leben noch andere Menschen, welche aber hauptsächlich Kannibalen sind, das heißt, dass der Vater und der Sohn immer auf der Flucht sind und sich immer versteckt halten müssen. Sie halten ein letztes Mal ein einer Hafenstadt an, in der der Vater von einem Pfeil ins Bein getroffen wird und nach einigen Tagen am Straßenrand stirbt. Der Junge wird von einem anderen „Guten“ gefunden, der ihn mitnimmt und versorgt.„Die Straße“ ist eines der spannendsten und fesselndsten Büchern, die ich bisher gelesen habe. Doch das wurde mir erst klar, als ich den Roman fertig gelesen hatte. Während dem Lesen war ich nicht direkt der Überzeugung, dass der Roman wirklich spannend ist, ich empfand ihn vorerst als eher langweilig, da nichts wirklich spannendes passierte. Doch beim anschließenden Nachdenken fiel mir auf, dass es auf das Äußere, also was genau passiert, gar nicht so ankommt, sondern dass McCarthy auf etwas anderes besonderen Wert legt. Dies schafft er mit einigen Dingen, die das Buch letztendlich so besonders machen. Das auffälligste ist die Auswahl der Personen. Es handeln nur sehr wenige Personen, doch durch die wenigen Personen stellt McCarthy die wichtigsten Aspekte seines Romans in den Vordergrund, nämlich die Beziehung zwischen dem Vater und Sohn. Diese Zwei führen eine sehr besondere Beziehung, die vorallem durch die gegenseitige Abhängigkeit geprägt ist. Die Dialoge zwischen den Personen sind nie besonders ausgeschmückt, sodass man eher etwas über die Personen durch ihr handeln wahrnimmt. Dass Vater und Sohn in den Vordergrund gestellt werden erreicht McCarthy dadurch, dass er Informationen über das Umfeld einfach weglässt, sodass mehr auf Vater und Sohn geachtet wird. Was mich das ganze Buch sehr beschäftigt hat war die Frage, wieso es überhaupt soweit kommen konnte, wieso alles zerstört ist. Doch McCarthy lässt in den Leser immer in der Luft hängen, wodurch er eine enorme Spannung erzeugt. Immer, wenn man damit rechnet, dass man jetzt eine Erklärung bekommt schweift er wieder vom Thema ab und so zieht es sich bis zum Schluss. Eine weitere Besonderheit ist die Gesellschaft in dem Roman. Es ist eine Gesellschaft, die kaum Normen und Werte hat und in der Kannibalismus die Überhand genommen hat. Hier stellt man sich als Leser die Frage, ob sich McCarthy hier gesellschaftskritisch gegenüber der heutigen Gesellschaft äußert. Außerdem ist der Roman höchst religiös, da der Vater seinen Sohn als Messias und Retter der Welt ansieht und sich die religiösen Grundsätze Glaube,Liebe,Hoffnung in dem Roman deutlich gemacht werden.Ich bin ehrlich, während dem Lesen sind mir immer wieder die Gedanken durch den Kopf gegangen:“ Was soll das? Das ist doch total unnötig oder auch Wann ist das Buch endlich fertig“, doch jetzt bin ich mir sicher, dass sich das durchhalten gelohnt hat. In diesem Buch wurde mir deutlich gemacht, wie wichtig Aspekte wie Vertrauen in einer Gesellschaft und noch wichtiger, in einer Beziehung sind. Die meiste Freude hatte ich nach dem Lesen, als ich über das Buch nachgedacht habe und ich mir, dank genug Freiraum für eigene Gedanken, meine eigenen Ideen dazudenken konnte. An dem Roman hat mich jedoch eine Sache besonders enttäuscht, nämlich das Ende. Das der Vater stirbt, war von Anfang an irgendwie klar, doch die Art und Wiese seines Todes hat mich enttäuscht. Doch trotz allem saß ich nach dem Lesen fassungslos an meinem Schreibtisch und hatte Gänsehaut, da mich das Buch sehr gefesselt hat. Ich kann den Roman „Die Straße“ nur weiterempfehlen, da Cormac McCarthy es geschafft hat, den Leser zu fesseln und mitfiebern zu lassen und dies meiner Meinung nach ein gutes Buch ausmacht.