Ein schönes Ding!Der Autor Strunk überzeugt immer wieder durch eine sehr eigene Sprache, die mir immer wieder sehr gefällt. Auch in diesem Werk sind wieder einige bemerkenswerte Stellen, die sehr schön formuliert sind.Der Alltag von Herren im mittleren Alter mit all den Problemen, die man so haben kann, wenn man z.B. noch bei Mutti wohnt und dies auch immer stichhaltig zu begründen weiß. Der Leser merkt u.a. dann schnell, das Joachim es sehr schätzt, dass die laufenden Kosten von Muttis Rente und Pflegegeld bezahlt werden.Mithin Dinge, die viele Leser auch aus Ihrer Umgebung kennen mögen. - Und davon gibt es natürlich einige in dem Buch.Etwas angejahrte Junggesellen und deren schrullige Welt.Ein Lesevergnügen mit viele Highlights in Strunks virtuoser Sprache.Leider etwas zu schnell vorbei.....
Jürgen ist ein armes Würschtl, irgendwie. Mit den Frauen geht (auch) schon lange nix mehr, das muss und soll sich ändern. Theoretisch wüsste er schon wie es geht. Mit seltsamen Methoden, angegrauten Tricks und wissenschaftlich angehauchtem und tiefenpsychologischem Halbwissen macht er sich (nicht besonders motiviert) auf die Pirsch. Das kann ja nicht klappen. Das ist in bestem Strunk-Style tragik-urkomisch. Manchmal hat man jedoch den Eindruck das Buch wurde mit angezogener Handbremse verfasst - da wäre oft mehr gegangen, vielleicht der Versuch nicht in brachialhumorige Tiefen abzudriften. Auch die eine oder andere Episode ist so dermaßen hanebüchen das man wider merkt das man "nur" ein "Märchen" vor Augen hat - reisst einem so aus der Geschichte irgendwie, wieso also? Dennoch: Ich habe mich (stellenweise) königlich amüsiert. Für Heinz Strunk Fans sicher ein (gewohnter, zu gewohnter?) Genuss, jedoch bestimmt kein "Meisterwerk".
Diese Rezension richtet sich vor allem an jene, die Fans und Kenner von Strunks (alias Matthias Halfpapes) Werk sind. Wer sich damit angesprochen fühlt, der wird wahrscheinlich schon vor Jahren das Hörspiel „Trittschall im Kriechkeller“, sowie die genialen Telefonstreiche von „Studio Braun“ kennengelernt haben.Und genau deshalb wird er, oder sie, bei der Lektüre von „Jürgen“ enttäuscht sein, weil man alle paar Seiten den Eindruck hat: Das kenne ich doch! Dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr, denn wie eine kurze Recherche offenlegt, sind weite Passagen des Buches 1:1 aus dem Hörspiel oder anderen Werken des Meisters geklaut, oder sagen wir schmeichelhafter: wiederverwertet. Selbst wer weder das Hörspiel noch die Telefonstreiche kennt, aber dafür die bisherigen Buchveröffentlichungen, dem werden folgende Stichworte einiges sagen: Pflegebedürftige Mutter, Pflegestufe 3, Ferienlager, Pickel, Fleischappetit, Notgeilheit, Trieb. Na, klingelt’s? Eben. Und damit haben wir auch schon 50% des Buchs zusammengefasst. Der Rest des Roman besteht überwiegend aus Versatzstücken der Hörspiele; ganze Kapitel sind mit maximal leichten Variationen „geklaut“, also von einem Skript abgetippt, beispielsweise der Besuch am Würstchenstand oder das Quartettspiel mit Freund Bernd, der nach wie vor Bernd heißt, aber nicht mehr bei Nordalarm („Alarmanlagen mit Herz“) arbeitet und keine Tubalippe mehr hat; die kommt einem anderen Charakter zu. (Dafür sitzt er im Rollstuhl.)Die notdürftig dazu geschusterte Rahmenhandlung, die über das bereits Bekannte zu Jürgen Dose (der selbstverständlich nur ein strunksches Alter Ego zu den Protagonisten aus „Fleisch ist mein Gemüse“, „Fleckenteufel“, und „Junge rettet Freund aus Teich“ ist) hinausgeht, ist schnell erzählt: Jürgen Dose fällt auf eine Partnervermittlung rein, fährt zusammen mit Bernd nach Polen (nicht ohne unterwegs an dem aus dem Hörspiel bekannten Wanderhoden zu leiden – ein eigenes Kapitel!), wird verarscht, und kehr wieder heim. Ende.Insgesamt ist der ganze Roman eine Kompilation generischer Strunk-Motive – Pickel, Eckkneipen, Milieustudien, Versager, usw. Für sich genommen interessant und erfrischend, aber im Kanon der Romane nichts Neues. Nicht im Ansatz kann „Jürgen“ mit „Der goldene Handschuh“ mithalten. Offensichtlich war hier das schnelle Geld die Motivation, denn anders kann ich es mir nicht erklären, dass Strunk, der sonst für Innovation und Witz steht, so ein offensichtliches Recycling betreibt.Fazit: Wer noch nichts von Strunk kennt – am besten zum Hörbuch greifen, denn da kommt noch gutes Voice-Acting bei rüber. Alleine betrachtet ein unterhaltsames Buch, deshalb drei Sterne.Für die Fans: Finger weg und bis zum Taschenbuch warten, wenn überhaupt.Und Heinzer selbst – der muss, im Buch, wie auch im realen literarischen Leben, endlich mal von der bettlägerigen Mutter loskommen.Edit 25.03.: Tippfehler.