Der Erste Weltkrieg: Eine europäische Tragödie
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Der Erste Weltkrieg: Eine europäische Tragödie

Hersteller: Rowohlt Taschenbuch Verlag  ·  MPN: 9783499611940
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Produktfakten auf einen Blick

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Rowohlt Taschenbuch Verlag
EAN
9783499611940
Hersteller-Artikelnr.
9783499611940
Kategorie
Bücher
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Farbe
Yellow
Breite
35.09 mm
H├Âhe
190 mm
Länge
125 mm
Erscheinungsdatum
2001-10-01T00:00:01Z

Produktbeschreibung

Der Erste Weltkrieg | Eine europäische Tragödie | John Keegan | Taschenbuch | 640 S. | Deutsch

Bewertungen & Erfahrungen

4,3 von 5,0
3 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 3 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 03.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Taschenbuch bietet eine sehr gute und kompakte Einführung in die Kultur und Barbarei des Ersten Weltkriegs sowie seine Auswirkungen auf das 20. Jahrhundert. Allerdings sind einige sehr spezifische Details für fortgeschrittene Leser etwas zu oberflächlich.
Redaktion 03.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Beim ersten Betrachten fiel mir auf, dass die Schrift für eine große Lesegröße gut geeignet ist. Die Seiten sind ausreichend groß, was das Lesen erleichtert. Die Druckqualität ist klar genug für mich.
Michael Bentz 26.05.2023 amazon.de
Der 2012 verstorbene Autor „unterrichtete […] viele Jahre Militärgeschichte an der britischen Militärakademie in Sandhurst“ (Klappentext) und veröffentlichte nebenher zahlreiche militärgeschichtliche Werke. In die Spätphase seines literarischen Schaffens (1998) fällt dieses Buch zum 1.Weltkrieg, das 2000 in deutscher Übersetzung als „Standardwerk“ (Klappentext) auf den Markt gebracht wurde. Zeitzeugen können wohl bestätigen, dass die deutschsprachige Fachliteratur zu diesem Thema seinerzeit recht überschaubar war. Günstige Voraussetzungen also für die Buchveröffentlichung. Die Anregung zu diesem Buch empfing Keegan aus hunderten von Gesprächen mit „direkt oder indirekt in die Tragödie des Krieges verwickelten Veteranen“ (Vorwort).Keegan legt in beeindruckender sprachlicher Gewandtheit (Dank auch an die Übersetzer) eine Überblicksdarstellung zum 1.Weltkrieg vor, die zumindest im deutschen Sprachraum m.E. Neuland betrat. Abgesehen von der Entstehungsgeschichte des Weltkrieges, die Keegan in recht umfänglicher Weise darstellt, bleibt dieses Buch sehr stark militärgeschichtlich ausgerichtet. Wirtschafts-, Politik-, Gesellschaftsthemen spielen hier faktisch keine Rolle. Dabei bewegt sich Keegan sehr geschmeidig zwischen den verschiedenen Ebenen des Krieges. Als roter Faden dient ihm dabei die strategisch-operative Ebene, die er fortlaufend mit dem Kriegsalltag des „einfachen“ Soldaten verwebt. Im Fokus stehen dabei – wohl entsprechend der Motivation zum Buch – die Erfahrungen der britischen Soldaten und punktuell auch ihrer deutschen Gegner. Der primär britische Blickwinkel auf den Weltkrieg äußert sich auch in dem Umfang, mit dem einzelne Schlachten geschildert werden. So nehmen die Kämpfe um Gallipoli 1915 etwa 20 Seiten ein, während die Kämpfe um Verdun 1916 auf gerade einmal 10 Seiten abgehandelt werden.Damit man von dem Buch auch fortlaufend gefesselt bleibt, sollte man sich ergänzendes Kartenmaterial bereitlegen. Die schwarz-weißen Karten des Buches sind jedenfalls in aller Regel völlig ungeeignet, um den Ausführungen auf operativer Ebene folgen zu können. Keegan arbeitet sehr umfassend mit Fußnoten, die übersichtlich auf konkrete Quellen am Ende des Buches verweisen.Dennoch gibt es auch an diesem knapp 600 Textseiten umfassenden Wälzer ein paar Kritikpunkte. Auf 2 grobe Patzer möchte ich vorweg näher eingehen:• Sehr umfänglich widmet sich dem „Franktireurkrieg“ im Sommer 1914 in Belgien. Hierzu schreibt er u.a.: „Wie spätere Untersuchungen zeigten, gab es 1914 in Belgien nur wenige oder keine franc-tireurs. Die Belgier waren kein militärisches Volk […]. Gewaltlosigkeit vermochte die Eindringlinge nicht zu besänftigen. Fast von den ersten Stunden an wurden unschuldige Zivilisten erschossen und Dörfer niedergebrannt. […] Zu den Opfern zählten nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder, und das Töten wurde planmäßig durchgeführt.“ (S.127f)Dieser hier gekürzt vorgetragene Sachverhalt stellt die seit 1914 unveränderte Sicht der Entente dar, die so auch nach dem 2.Weltkrieg von der deutschen Wissenschaft bedenkenlos adaptiert und bis in die jüngste Zeit kolportiert wurde (z.B. 2013 bei Stachelbeck vom MGFA in „Deutschlands Heer und Marine im Ersten Weltkrieg“, S.26)Fakt ist, dass sich deutsche Truppen auch selbst beschossen. In Band 1 des Reichsarchivwerkes heißt es bspw. zu den Kämpfen um Lüttich: „Es entstand ein wilder Kampf, in dem sich die Angreifer zum Teil selbst beschossen.“ (S.113) Dies ist auch nichts Ungewöhnliches. Dieser von den Deutschen selbst eingestandene Teilaspekt wurde nunmehr von der Entente-Propaganda verallgemeinernd als wesentliche Erklärung für die ganzen „Franktireurgeschichten“ herangezogen. Günter Spraul (2016: „Der Franktireurkrieg 1914“) und Ulrich Keller (2017: „Schuldfragen“) haben sich quellenbasiert dieses Themas angenommen und die Unhaltbarkeit der bisherigen Anschuldigungen herausgestellt. Sönke Neitzel fasst dies in einem Interview ggü. der Welt zu dem Buch von Keller 2018 wie folgt zusammen:„Der entscheidende Punkt ist für mich, dass man die deutschen Quellen nicht einfach als unzuverlässig, gefärbt, unrealistisch abtun sollte und die belgischen als die allein wahrheitsbringenden betrachtet. Konkret hat Keller meines Erachtens gezeigt, dass es einen weit umfassenderen Widerstand sogenannter Franktireurs in Belgien gab, als wir bislang dachten, und dass dies eine von mehreren wichtigen Erklärungen für die deutschen Gewalttaten ist.“• Besonders erstaunt bin ich über die Ausführungen Keegans zu den Kämpfen 1914 in Flandern, da er hier den Mythos von Langemarck in Reinform präsentiert. Zu den neu aufgestellten und in Flandern eingesetzten Reserve-Korps heißt es: „[…] sie bestanden aus Kriegsfreiwilligen, die noch keine militärische Ausbildung erhalten hatten. […] Die besten unter ihnen waren Studenten […]. (S.191) „Auf dem Soldatenfriedhof von Langemarck liegen […] 25 000 gefallene Studenten in einem Massengrab.“ (S.193) Und schließlich zitiert er auf Seite 197 kommentarlos aus Beumelburgs Buch „Ypern 1914“: „In Flanderns blutigen Gefilden sang sterbend und kämpfend die Schar der Söhne Deutschlands […]: Deutschland, Deutschland über alles…“Bereits in Band 5 des Reichsarchivwerks (S.273) hätte Keegan zu den neu aufgestellten Reservekorps lesen können: „Die Mannschaften setzten sich überwiegend aus nicht ausgebildeten Kriegsfreiwilligen zusammen, ferner aus Rekruten. […] Im Gesamtdurchschnitt waren 61 Prozent der Mannschaften ungedient“. Karl Unruh ist dem Thema u.a. auf Basis der zahlreichen Regimentsgeschichten nachgegangen und hat seine Ergebnisse 1986 in dem lesenswerten Buch „Langemarck“ veröffentlicht, die im Wesentlichen die Aussagen des Reichsarchivs bestätigen und ergänzen.Fazit: Keegan hat hier völlig unverständlich groben Unsinn fabriziert.Schließlich sind mir noch einige andere inhaltliche (kleinere) Fehler aufgefallen, die ich hier als Auswahl nur für den keinen Teil des Buches anführen möchte:• Zu den Kämpfen um Lüttich im August 1914 lässt Keegan (S.130f) die 11.,14. 24., 28., 38 und 43. Brigaden und andere Verbände aufmarschieren, die alle „für dieses Unternehmen verstärkt wurden. […“ Sie drangen direkt gegen Lüttich vor auf einer Linie, die etwa der heutigen Autobahn Aachen-Brüssel entspricht.“ „Für die Einnahme Lüttichs waren 48 Stunden angesetzt.“ (S.123)Richtig: Statt der (Infanterie-)Brigaden 24 und 28 haben die Inf.-Brig. 27 und 34 um Lüttich gekämpft. Die beteiligten Einheiten waren in Friedensstärke ausgezogen. Dies bedeutet, dass z.B. das Grenadier-Regiment Nr.89 mit 37 Offizieren und 1.631 Mannschaften den Feldzug antrat, während ein kriegsstarkes Infanterie-Regiment 1914 über gut 3.000 Mannschaften verfügte (vgl. Cron, „Geschichte des deutschen Heeres“).Der Vormarsch auf Lüttich erfolgte am 4.August auf einer Breite von rd. 40 km, der Autobahnvergleich wirkt da etwas deplatziert. Im Buch „Der Schlieffenplan“ (Hrsg. Hans Ehlert u.a.) ist der Mobilmachungs-Terminkalender 1914/15 beigefügt. Dort heißt es u.a. „Gelingt es der 2.Armee bis zum 12.Mob.Tag nicht, die durch Lüttich gesperrten Vormarschstraßen zu öffnen, so wird sie…“. Zwischen Angriffsbeginn (04.08.) und 12.Mob.Tag (=13.08.) liegen deutlich mehr als 48 Stunden.• Der Autor schreibt (S.136,138), dass Frankreich 1871 durch die deutsche Annexion Elsass-Lothringens „seiner natürlichen Grenze beraubt“ wurde, das fortan „Reichsgebiet“ genannt wurde.Das „Reichsland“ Elsass-Lothringen war kulturell und sprachlich weitgehend deutsch geprägt. Eine klare natürliche Zuneigung der Bewohner zu Frankreich lässt sich m.E. 1871 nicht ableiten, es war eher ein Übergangsgebiet, das weder bei Frankreich noch im Deutschen Reich richtig „zuhause“ war.• Auf den Fotoseiten zwischen den Seiten 160 und 161 ist ein Foto wie folgt betitelt: „Wilhelm II. verleiht das Eiserne Kreuz, Warschau, September 1915“. Zu sehen sind dabei Soldaten sowohl mit Stahlhelm als auch mit Pickelhaube (wohl Offiziere).Die Deutschen haben jedoch erst 1916 den Stahlhelm eingeführt und erstmals im Februar 1916 an der Westfront ausgegeben.• Auf Seite 137 ist zu lesen: „Sowohl französische als auch deutsche Divisionsgeschichten verzeichnen…“Anders als zum 2.Weltkrieg gab es zum 1.Weltkrieg fast ausschließlich Regimentsgeschichten, auf frz. wie auf dt. Seite.• Zum Kampf um Hooge (bei Ypern) am 11.11.1914 führt Keegan aus: „Die erste Angriffswelle des 1.Gardereiments zu Fuß – des vornehmsten Regiments im deutschen Heer – wurde von Köchen und Offiziersburschen der 5.Feldkompanie der Royal Engineers abgewehrt. Später führten Teile des 2.Bataillons aus Oxforshire und der leichten Infanterie aus Buckingshamshire, nur wenige Dutzend Mann stark, einen Gegenstoß und warfen das 1. und 3. Garderegiment auf ihre Ausgangsstellungen zurück.“ Dies klingt doch stark nach Legende. In der Regimentsgeschichte des 1. Garde-Regiments zu Fuß (S.57ff) liest sich das Geschehen jedenfalls ganz anders: „Vorn bei der ersten Welle spielt sich alles in kürzester Zeit ab. […] Die Besatzung im ersten feindlichen Graben ist unfähig zu jedem Widerstand, mühelos wird sie niedergemacht oder gefangen genommen. Und dann geht’s mit „Hurra“ weiter gegen den zweiten Graben […] in dem sich englische Zähigkeit hartnäckig gegen deutschen Angriffsgeist zur Wehr setzt, genommen“ wird. „Aber hier setzt dem Vorwärtsdringen feindliches Artilleriefeuer ein Ende. […] Die preußische 1.Garde-Brigade hatte die englische 1.Garde-Brigade zerschmettert und war tief in die feindlichen Stellungen eingebrochen.“• Auf Seite 205 schreibt Keegan: „[…] anders als Deutschland musste Österreich-Ungarn nur mit einem Einfrontenkrieg rechnen – die serbische Armee erschien zunächst irrelevant – und konnte daher seine Hauptmacht gegen Russisch-Polen werfen.“ Nur wenig später (S.220) schreibt Keegan sich selbst widersprechend: „Auch die Österreicher wollten angreifen, sobald die Mobilmachung abgeschlossen war. Unklar war jedoch, ob die galizische [MB: gemeint Russisch-Polen] oder die serbische Front Priorität haben sollte.“• Keegan thematisiert wiederholt das multiethnische Heer Österreich-Ungarns, z.B. auf den Seiten 227ff, wo es u.a. heißt: „Das österreichische II.Korps bestand aus Wiener Regimentern […] das IX.Korps setzte sich aus Sudetendeutschen und das XVI. aus Ungarn zusammen […] bestand seine 3.Armee jetzt überwiegend aus Rumänen (XII.Korps) Slowenen und Italienern (III.Korps)“In diesem Abschnitt bringt Keegan jedoch sehr viel durcheinander. Das II.(Wiener) Korps umfasste überwiegend Regimenter, die nichts mit Wien zu tun hatten und sich mehrheitlich aus Böhmen und Mähren (Tschechen, Deutsche) rekrutierten und dort garnisonierten. Falsch ist auch, das IX.(Leitmeritzer) Korps sei ein Sudetendeutsches Korps gewesen. Die meisten Regimenter wiesen hier mehrheitlich einen tschechisch-sprachigen Mannschaftsbestand auf. Das XII.(Hermannstädter) Korps wiederum umfasste ganz erhebliche Anteile ungarisch-sprachiger Mannschaften (in kleinerem Umfang Deutsche). Italiener gab es beim III.(Grazer) Korps dagegen nur in verschwindend kleiner Zahl, dafür aber in ganz erheblichem Umfang Deutsche.• Im Rahmen der Winterschlacht in Masuren 1915 fielen laut Keegan den Deutschen „fast alle dort lebenden Auerochsen, die letzte wilde Büffelart Europas“ zum Opfer (S.246). Dabei ist der Auerochse bereits seit 1627 ausgestorben.• Zur Schlacht um Tannenberg heißt es bei Keegan auf S.268: „Dieser Situation war bereits in der letzten Augustwoche Rechnung getragen worden, als wegen der Tannenberg-Krise die 3.Garde-Division und die 28.Infanterie-Divison von Namur nach Ostpreußen verlegt wurden.“ Noch auf S.218 schrieb er zur Truppenverlegung: „Als Hindenburg das ganze Gewicht seiner 8.Armee – inzwischen verstärkt durch das IX.Armeekorps und das Garde-Reservekorps aus dem Westen – gegen ihn einsetzte […]“. Was denn nun?Tatsächlich verlegt wurden das Garde-Reservekorps mit der 3.Garde-Inf.-Div. und der 1.Garde-Res.-Div. sowie das XI.Armeekorps mit der 22. und der 38.Inf.-Div..Fazit: Keegan ist sichtlich bemüht, eine breite Vielfalt an militärischen Fakten in seinem Buch unterzubringen und verliert dabei leider manches Mal den Überblick mit der Folge, dass die gesammelten Fakten nicht korrekt wiedergegeben werden. Stetig wiederkehrend ist ein gewisser Pathos für die Kriegsteilnehmer seines Heimatlandes erkennbar, der jedoch in Teilen die Wirklichkeit verklärt und in dieses - dennoch spannend zu lesende - „Standardwerk“ nicht hinein gehört.
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