Die Stunde der wahren Empfindung - Neuware
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EAN 9783518030295

Die Stunde der wahren Empfindung - Neuware

Hersteller: Suhrkamp Verlag Ag  ·  MPN: 501
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Die Stunde der wahren Empfindung | Peter Handke | Buch | 167 S. | Deutsch | Suhrkamp Verlag

Bewertungen & Erfahrungen

4,2 von 5,0
6 Bewertungen
5 ★ 2
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Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 31.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Produkt ist absolut fantastisch und hat meine Erwartungen übertroffen. Ich bin sehr begeistert von der Qualität und der Leistung.
Redaktion 31.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Das Produkt ist eine interessante Mischung aus Altbekanntem und Überdruss, wobei die tatsächliche Empfindung gemischt ist. Es erfüllt seinen Zweck, hat aber auch einige Schwächen, die man beachten sollte.
Redaktion 31.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Gut!
Christian Günther 07.11.2024 amazon.de
Da ist eigentlich keine Geschichte, zumindest kein wesentlicher Handlungsstrang, der den Leser fesselt, der einen Grund liefert Seite um Seite weiter zu lesen. Es ist die pure Wucht der Gedanken und Peter Handkes Wortkraft, die er auch schon als junger Mann von Anfang Dreißig besaß ("Die Stunde der wahren Empfindung" schrieb er im Sommer und Herbst 1974, im Jahr darauf erschien es).Ein grässlicher Traum (er hätte eine alte Frau ermordet), nichts als eine üble Nachtphantasie, ein Bild aus der Unwirklichkeit , lässt Gregor Keuschnig, den Protagonisten des Buches, mit einem Schlag sein bisheriges Leben verlieren. Auf einmal ist nichts mehr, alles verliert an Bedeutung, ist nichtssagend, überflüssig, leer. Er sieht sein Leben (und jenes beinahe aller, die ihm begegnen und die er kennt) als ewige Wiederholung, als endlose Aneinanderreihung von Beliebigkeiten, als durchgeplantes Nichts, als vorgeplante Ereignislosigkeit, schal, abgeschmackt. Er sieht sein Leben, durch diesen Traum erschüttert, so wie es ist. Da ist kein Sinn mehr, kein greifbares Gefühl, für nichts und niemanden, alles stumpfe Zweckerfüllung.Im Grunde ist "Die Stunde der wahren Empfindung" ein zweitägiges Denken, ein 160 Seiten Monolog, nur selten durchbrochen von Interaktionen mit anderen Personen. Die Handlungsspanne des Buches reicht vom Morgen nach dem Traum, bis zum Abend des nächsten Tages. Zwei Tage nur, die das Leben Keuschnigs, so wie es bis dahin war, vollständig auflösen und ihn auf dem schmalen Grad zwischen Wahnsinnig-werden und Neubeginn balancieren lassen.Wenig charmant schildert Handke ein durchweg taugliches Leben, daß Keuschnig bis dato lebte, mit all seiner Nichtigkeit, mit all seinem Mangel an aktiven Entscheidungen, an wahren Empfindungen. Der erste Tag vergeht verwirrt. Keuschnig versucht diese Empfindungslosigkeit zu verdecken, betont normal zu handeln, das Nichts, was ihn nichts wollen oder anstreben lässt, zu fassen. Nach und nach entdeckt er an sich und in sich vieles was er wollen würde, Gedanken, die immer da waren, immer wiederkehrten, was er aber nicht tut. Weil wir alle es nicht tun, weil es Normen widerstrebt, weil es nicht zweckgebunden ist, weil es vielleicht etwas seltsam auf andere wirken könnte, weil es albern ist oder peinlich.Am Ende des Tages eskaliert die Situation, Besuch ist im Haus und Keuschnig lässt für Momente einfach zu, was er tun will - die Stunde der wahren Empfindung. Danach ist endgültig nichts mehr wie noch am Tag davor. Tag zwei ist geprägt von zunächst orientierungsloser Suche nach Füllstoff für die nun völlige Leere seines Lebens. Ist da ein Sinn?Das Buch lebt von ein paar wenigen Kerngedanken, die Peter Handke im Ausreizen sprachlicher Möglichkeiten in alle Richtungen bis in den letzten Winkel ausleuchtet. Seinen Wortbildern zu folgen, sich von unvorhergesehen stilistischen Wendungen in der Wortwahl überraschen zu lassen, ist die Faszination, auch wenn der Autor dabei dem Leser graue Brachflächen des eigenen Lebens wenig erbaulich ins Bewusstsein drängt. Aber wer die Konfrontation mit sich selbst scheut, sollte Peter Handke besser generell nicht lesen.
Rabensteyn 07.11.2024 amazon.de
Vieles, was Handke geschrieben hat, ist leider schlecht. Und vor allem: Langweilig bis zum Einschlafen. Aber eben nicht alles. Dieser Roman zum Beispiel gehört durchaus zu den »Lesbaren«. Einige Absätze sind interessant, da der ein oder andere schlüssige Gedankengang verfolgt wird und manche Betrachtung sehr wohl einleuchtet. Vermurkst hingegen ist das Ende des Romans; ebenso sind mehrere Durststrecken zu überwinden. Unterm Strich handelt es sich trotzdem um eine in geistiger Hinsicht anregende Lektüre.
Literaturempfehlungen 07.11.2024 amazon.de
Wenn ein Schriftsteller einmal in seinem Leben in einem literarischen Werk oder in einer sonstigen Äußerung politisch, stilistisch oder thematisch polarisiert hat, ist es noch selten vorgekommen, dass man den Namen des Betroffenen und letztlich auch dessen Werke stets maßgeblich immer mit diesem einen Konflikt in Verbindung bringt, der für Streit und Kontroversen sorgte. Der Österreicher Peter Handke, der nach der Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahr 2019 in seinem Status als umstrittener Schriftsteller ausschließlich auf seine Aussagen zum Jugoslawienkrieg und seiner fragwürdigen Positionierung zur serbischen Diktatur reduziert wurde, hatte allerdings schon weit vor den 90ern, in denen diese Konflikte brodelten, eben diesen Kontroversen-Status inne – hierbei allerdings vorrangig wegen seiner literarischen Werke.Und während man sein Sprechstück Publikumsbeschimpfung oder seine frühen und alternativen Romane Die Hornissen und Der Hausierer in der Tat auch als literarisch außergewöhnlich, als polarisierend und als revolutionär bezeichnen könnte, sind in den 70er Jahren dennoch auch viele Werke des in jungen Jahren in den Literaturbetrieb eingestiegenen Handke erschienen, die in das Raster des Proleten überhaupt nicht passen. Besonders ergreifend und emotional war die Erzählung Wunschloses Unglück (1972), in der er den Suizid seiner über Jahre hinweg psychisch kranken Mutter verarbeitete. Ein Spannungsfeld, das aus seiner eigenen Biografie erwachsen ist, bahnte sich ebenfalls in diesen 70er Jahren an, als Handke 1973 mit seiner Frau und seiner Tochter nach Paris zog. Die kleine Familie hatte bereits einige Reisen unternommen, Handke stand und steht seinem Geburtsort Österreich seit jeher kritisch gegenüber, und da der Schriftsteller auch teilweise als Übersetzer aus der französischen in die deutsche Sprache tätig war, bot sich der Umzug nach Frankreich an. Dass hierbei die Ehe bereits in den Brüchen lag und das Kind, das geboren worden ist, für Handke in den allerersten Monaten und Jahren dessen Lebens mehr eine Einschränkung, eine Beengung seiner Freiheiten und ein Störfaktor gewesen ist, war der Öffentlichkeit selbstredend nicht bekannt. Wer allerdings vor allem die Erzählungen Handkes aus eben dieser Zeit ab 1973 aufmerksam beobachtet und verfolgt hat, der wird bemerken, dass die Themenbereiche und die Inhalte jener Prosatexte nahezu alle um eben diese Frage der Selbstverwirklichung innerhalb eines familiären Konstrukts kreisen, die in Handkes Leben die möglicherweise erste wirklich entscheidende Frage gewesen sein dürfte, vor der er stand und auf die er als Mensch eine eigene Antwort geben musste.Eine dieser Erzählungen, die sich diesem Konflikt auf beachtliche Weise nähert, ist die in Handkes Gesamtwerk viel zu wenig beachtete Erzählung Die Stunde der wahren Empfindung. 1975 als erste eigenständige Erzählung nach dem Wunschlosen Unglück, welches ein literarischer Bandbreitenerfolg war, erschienen, könnte man eigentlich meinen, dass auch Literaturwissenschaftler diesen 160 Seiten, die die Erzählung zählt, etwas mehr Beachtung hätte schenken können, denn sie ist quasi der Ursprung für die Texte, die Handke darauffolgend schreiben wird, und die weitaus größere Beachtung und Resonanz hervorriefen. Handke erzählt in Die Stunde der wahren Empfindung die Geschichte von Gregor Keuschnig, einem Österreicher, der in Paris in einem dunklen Appartement im 16. Arrondissement mit seiner Frau Stefanie und seiner vierjährigen Tochter Agnes wohnt. In seiner Tätigkeit als Pressereferent der österreichischen Botschaft ist es seine Aufgabe, die französische Presse auf Aussagen, die sich auf Österreich beziehen, zu durchforsten und dem Botschafter Meldung zu machen. Mehr oder weniger engagiert wird in der dritten Person beschrieben, wie Keuchnigs Augen auf Begriffe wie z.B. „Autrichien“ schon so fixiert sind, dass er in Paris, der schönen Hauptstadt Frankreichs, schon gar nichts anderes mehr zu sehen vermag als vermeintlich relevante Aussagen über Österreich. Die Erzählung setzt ein mit einem absurden Momentum, durch das man allerdings schon unweigerlich in Handkes eigenartigem wie verlockendem und fesselndem Stil gefangen ist, aus dem man sich dann die weiteren Seiten nicht entziehen kann. Keuschnig hatte geträumt zu Beginn dieser Erzählung, und zwar nicht irgendetwas: er hat geträumt von einem Mord, den er selbst begangen hat. Keuschnig stellt fest, dass er nach diesem Ereignis sein Leben nicht mehr so weiterleben kann wie bisher, muss allerdings in seinem Inneren erst die Gelegenheit finden, sich dessen bewusst zu werden, dass es so ist.Um sein Umfeld nicht zu überfordern existiert er in der Fassade, die seine alltägliche Existenz mit Beruf und Familienleben darstellt, zunächst weiter, kann sich aber vor allem seiner Frau Stefanie gegenüber nicht zurückhalten und spielt mit Mordgedanken ihr gegenüber und spricht offen seine Verachtung aus. In Anbetracht dessen, dass diese davon überhaupt nicht berührt ist, dass diese auch offensichtlich kein Problem damit hat oder zumindest nicht überrascht ist, als Keuschnig wieder zu seiner Geliebten Beatrice geht, mit der ihn ausschließlich die sexuelle Befriedigung verbindet, deutet an, dass die Ehe schon vor dem Traum nur noch Fassade und die heile Familie überhaupt keine wirkliche Familie ist. Keuschnig lässt sein Leben hinter sich, sein Beruf rückt vollkommen in den Hintergrund, und er taucht ein in die Stadt Paris und dessen Umgebung und scheint sich in einem einzigen inneren Monolog, der auf den letzten fünfzig Seiten noch einmal richtig auszubrechen droht, von seinem ganzen bisherigen Ich zu befreien. Als er dann allerdings feststellen muss, dass diese Reise der Befreiung nicht von Ewigkeit sondern eher von kurzer Dauer ist, weiß er nicht, wie er in sein bisheriges Leben zurückkehren soll. Die Einsamkeit, auf die er einst so erpicht war, ist ihm auf einmal fremd, er möchte sterben, Frauen, denen er auf der Straße begegnet, interessieren ihn auf einmal wieder. Die Erzählung nimmt ihren Höhepunkt in einer Situation, in der Keuschnig wieder nach Hause kommt und Stefanie gerade Besuch von einem befreundeten Ehepaar hat, welches Gregor Keuschnig mehr verspottet als ernstnimmt und in der Keuschnig in einer grotesken Szene mit dem Mann aus dem Freundespaar aneinandergerät. Als sich seine Unzufriedenheit dann allerdings in ihrem gesteigerten Gewaltpotential auch noch Gegen Agnes, das Kind, zu richten scheint, ist auch für Keuschnig selbst Schluss: denn, so sagt er zu sich selbst, wenn er das Kind schlagen würde, hätte er jegliches Recht, es auch nur noch einmal in seinem Leben zu sehen, verwirkt. Dass das Kind im Grunde genommen sein einziger emotionaler Rückhalt ist, wird auch kurz vor dem Schluss deutlich, in einer Szene, in der Keuschnig Agnes auf dem Spielplatz kurz aus den Augen verliert und sie dann nicht wiederfindet. Über den Ausgang dieser Situation genauso wie über den möglichen oder eben nicht möglichen Weg eines Ausbrechens aus den zerklüfteten Lebensverhältnissen, in denen Keuschnig lebt, bleibt der Leser im Unklaren und muss sich damit abfinden, dass eben genau das der Zauber aber eben auch das Ärgernis einer abrupt beginnenden und ebenso unvermittelt endenden Erzählung ist.Handke ist ein Meister dieses Genres, in seinen frühen Werken finden sich nahezu nur diese meist nicht viel mehr als 150 Seiten zählenden Erzählwerke, in denen fast immer der Konflikt eines alleinstehenden Mannes auf der Suche nach sich selbst über den Prozess einer Reise an einen fremden Ort und wieder zurück in die Heimat geschildert wird. Handke hat dieses Thema und letztlich auch diesen immer wiederkehrenden Handlungsstrang schon auf verschiedenen Inhaltsebenen immer wieder mit Bravour variiert, aber vielleicht mag die geringe Aufmerksamkeit, die der Stunde der wahren Empfindung zuteilwird auch maßgeblich damit zusammenhängen, dass die eigentlichen Inhalte der Texte, die hier zusammenfinden, in zwei Einzelwerken noch einmal weniger kompakt und zusammengefasst ihren eigenen Meilenstein bekommen haben. Auf der einen Seite dieser Erzählung steht nämlich der Mord, der in Handkes berühmter Erzählung Die Angst des Tormanns beim Elfmeter bereits ausführlich beschrieben wurde. Auch der Protagonist in jenem, deutlich jüngerem Text hatte nachdem er allerdings einen wirklichen Mord (nicht nur im Traum) begangen hatte, in seiner Existenz nicht verharren können und flüchtete sich in gewisser Weise vor der Justiz aus der Stadt aufs Land. Genau dasselbe passiert auch in Die Stunde der wahren Empfindung, bloß unterscheiden sich hier Traum und Realität und letztlich auch die Mordfantasien, die Keuschnig noch die gesamte Erzählung über vor allem gegenüber seiner Ehefrau Stefanie begleiten.Diese bildet zusammen mit der Tochter Agnes und der Geliebten Beatrice das zweite und weitaus interessantere Standbein der Erzählung, das dann wiederum deutlich an eine spätere Erzählung Handkes, die auf diese folgen wird, erinnert, nämlich Die linkshändige Frau. Hier denkt sich Handke erstmals nicht in die Psyche und die Konflikte eines Mannes sondern in die einer Frau hinein. Während einem diese Erzählung hier weitestgehend einfach gestrickt und aus männlicher Perspektive denkend vorkommt, ist eben diese andere Erzählung ein literarischer Text, der seine eigene Perspektive verlässt und sich von Seiten des Autors Handke in die Psyche eines anderen Geschlechts hineinzudenken versucht. Ein ebensolches Experiment des Einfindens in fremde Gedanken- und Gefühlswelten unternahm Handke dann noch einmal später in seinem ebenfalls vielbeachteten Prosawerk Kindergeschichte, in dem er die Beziehung zu seiner eigenen Tochter aufarbeitet, die über einen langen Zeitraum bei ihm lebte und groß wurde. Die Stunde der wahren Empfindung dürfte also eigentlich die Erzählung sein, in der sich Handke selbst am ehesten ausgedrückt hat und die in ihrer emotionalen Wucht und der Darstellung des inneren Konflikts des Mannes daher auch am überzeugendsten ist. Die Männer, die auf Reisen gehen, gibt es wie bereits erwähnt in allen Handke-Texten, doch der Bezug zur Familie und die Frage, ob man sich selbst in einem solchen Konstrukt verliert oder ob man nicht auch daran wachsen kann, ist hier, in diesem Text, am stärksten. Ein Autor, der wie Handke unzählige Bücher schreibt und einen Konflikt nicht nur in einem großen sondern in vielen kleinen Werken abhandelt, ist meist nur schwer zu verstehen und die Einzelbücher sollten immer nur hinsichtlich ihrer Aussagekraft und ihrer sprachlichen Leistung und niemals in Bezug auf ihre Allgemeinheit beleuchtet werden.Denn so könnte man vor allem dieser Erzählung hier vorwerfen, dass die Perspektive von Frau und Kind, die unter dem selbstsüchtigen Verhalten Keuschnigs, der keine Moral, keine Treue sondern nur sich selbst kennt, zu leiden haben, vollkommen ausgeblendet wird. Handke als Autor hat sich für diesen einzelnen Text allerdings eben nicht das Psychogramm aller seiner Figuren vorgenommen, sondern hier ausschließlich die Darstellung eines einzelnen Konflikts, währen die anderen Teilnehmer eines solchen Dilemmas in einer vergleichbaren Geschichte allerdings auf vollkommen andere Weise und mit anderen erzählerischen Mitteln beleuchtet wurden. Was es über diese Erzählung im speziellen zu sagen gilt, ist das hohe Beschreibungspotenzial, das hier in den Stadtdarstellungen und den Beschreibungen von Keuschnigs Innenleben zu entdecken ist. Handke ist nicht nur ein scharfer Beobachter sondern letztlich auch ein Meister in der sprachlichen Umsetzung von kniffligen Fragen des Geistes. Seine unabstreitbare Qualität ist allerdings noch eine ganz andere, die fast schon als eine unterhaltsame bezeichnet werden kann: denn so sind die männlichen Protagonisten in seinen Werken niemals sympathisch, auch Gregor Keuschnig ist ein abstoßender Mensch in seiner Eigensinnigkeit und seinen Äußerungen gegenüber Stefanie, seiner Betrachtungsweise von Beatrice als ein reines Lustobjekt. Die Stunde der wahren Empfindung ist allerdings nicht wegen sondern trotz gerade dieser Hauptfigur so interessant und auch so schön zu lesen. Denn Handke ist nicht nur ein Philosoph, nicht nur ein Student der menschlichen Psyche, sondern eben auch ein Literat, der mit den Mitteln der Sprache umzugehen weiß. Und so ist es seine ganz eigene Leistung, aus einem Thema, in dem die Beteiligten aufgrund ihres erwachsenen Egoismus selbst bei denen, die vergleichbare Lebensschicksale erlitten haben, nur Abneigung und Unverständnis hervorrufen dürften, dennoch eine derart lesenswerte Lektüreerfahrung zu machen, aus der man beschwingt, belebt und bereichert hervorgeht und nicht deprimiert, was aufgrund des harten Tobaks der hier gespielt wird, auch verständlich wäre.Und gerade weil eben dieses erzählerische Talent letztlich einfach nur Spaß macht, ist es auch ratsam, Handke nicht als Pflichtlektüre zu empfinden, sondern sich immer und immer wieder in angemessenen Abständen mit seinem seiner Bücher zu befassen. Es ist nicht nur der gigantische Umfang seines Schaffens sondern eben auch die Bandbreite an schriftstellerischen Möglichkeiten, die man als interessierter Leser offenbart bekommt, wie bei selten einem anderen Autor. Man wird gefordert, ja, und letztlich ist ja auch diese ruhige, besonnene Landschafts- und Naturbeschreibungstechnik, mit der der Schriftsteller hier seine Leser ködert, schon wieder ein bisschen Polarisierung. Ganz so aufgewühlt wie nach der Publikumsbeschimpfung oder den anderen kontroversen Werken dürfte man nach Die Stunde der wahren Empfindung nicht sein, doch man wird in der Zeit, in der man sich mit der Lektüre befasst hat, wie der Titel bereits verspricht, eine „wahre Empfindung“ gehabt haben, in der man sich nicht nur Handke sondern eben auch der Geschichte, die er schreibt, auf sonderbare Weise verbunden fühlt.
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