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EAN 9783518066133
Bernhard Schlink - GEBRAUCHT Heimat als Utopie (edition suhrkamp) - Preis vom 17112023 061014 h
»So sehr Heimat auf Orte bezogen ist, Geburts- und Kindheitsorte, Orte des Glücks, Orte, an denen man lebt, wohnt, arbeitet, Familie und Freunde hat - letztlich hat sie weder einen Ort, noch ist sie einer. Heimat ist Nichtort. Heimat ist Utopie.« EAN: 9783518066133 Farbverschnitt: Generell werden die Bücher ohne Farbverschnitt geliefert, auch wenn die Abbildungen einen Farbverschnitt zeigen. Auflage: Neuauflage Erscheinungsjahr: 24.07.2000 Produktform: Kartoniert Titel der Reihe: edition suhrkamp## Autoren: Schlink, Bernhard Auflage/Ausgabe: Neuauflage Seitenzahl/Blattzahl: 51 Keyword: Gesells chaft; Industrielle; Vereinigte Staaten; Wohlstand Fachschema: Deutsche Belletristik / Essay, Feuilleton, Reportage~Essay~Heimat - Heimatland~Soziologie~Utopie~Soziologie / Theorie, Philosophie, Anthropologie Fachkategorie: Literarische Essays~Moderne und zeitgenössische Belletristik, Sozialtheorie Thema: Auseinandersetzen Text Sprache: ger Verlag: Suhrkamp Verlag AG, Suhrkamp Länge: 200 mm Breite: 118 mm Höhe: 10 mm Gewicht: 77 gr Genre: Sozialwissenschaften/Recht/Wirtschaft Herkunftsland: DEUTSCHLAND (DE)
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Redaktion20.07.2026
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Diese Ausgabe von Bernhard Schlink ist ein wahrer Schatz und eine wunderbare Reflexion über die Bedeutung von Heimat, die mich tief berührt hat. Die Texte sind meisterhaft und bieten eine tiefgehende Betrachtung der Orte, an denen wir leben und glücklich sind.
Heimat, wo ist das? Geburtsort? Kindheitsort? Für Schlink zum Beispiel da, wo man den Geruch der Blätter auf der nassen Straße nach dem Regen hat. Für mich der Geruch verbrannten Laubs im Herbst im Sauerland. Oder noch viel mehr: Genua - 1969, die Treppen, die Fahrstühle , die überlebensgroßen Türen der Einschüchterungsarchitektur, das Hafenviertel, jener rote Lackmantel, der Bahnhof. Der Zug voller erzählender Leute, die Hühner in den Käfigen im Abteil. Später, in Cervo, der kreisrund gepflasterte Hof, das kleine Hotel, der Blick aufs Meer, die Dusche, das Frühstück am kleinen Tisch: Heimat, das ist oft der gewählte Ort. Der, wo man bleibt, weil dort die Menschen sind, die einen beleben. Heimat ist aber oft auch der Ort, an den man zurückkehrt, und an dem nichts mehr so ist, wie die Erinnerung erzählt. Ist Heimat nur in der Erinnerung? Ist Heimat, das Wohlgefühl, welches wir uns im Laufe der Zeit zurecht gelegt haben? Ist Heimat womöglich eine Konstruktion von Glück, die wir uns zurecht gelegt haben und der wir eine Leben lang nachlaufen, womöglich (wie der französische Reiseschriftsteller Antoine) um den halben Globus herum? Oder ist Heimat etwas, wo die anderen drin sitzen und einen nicht reinlassen? Oder gar eine Region, aus der alle heraus getrieben werden, die etwas anders erscheinen, die in der Minderheit sind? Die Konflikte in Serbien oder im Irak, in Frankreich oder in Ostdeutschland, - sie zeigen, dass, vom Einzelschicksal mal abgesehen, die Angelegenheit politischer, nationaler, immer mehr auch auf Religion bezogener Konfliktstoff wird, welcher sich auf der privaten Ebene gar nicht mehr abrunden und entschärfen lässt. So landet Schlink, zunächst von literarischen und psychoanalytischen Landschaften aus aufbrechend, letztendlich auf der juristischen Ebene, wo er beruflich ja auch seine Heimat hat. Vielleicht ist Heimat schlicht der Beruf, eine Berufsschicht – und hat mit einem Ort nichts mehr zu tun. Heimat ist das Synonym für sich Wohlfühlen, mit denjenigen Menschen und Handlungen ständig in Kontakt stehen, die zur eigenen Begabungsstruktur konform sind. Wenn man Glück hat, erreicht man solch ein Level, lebt im Gefühl des Angekommen-Seins. Wenn man Pech hat, rennt man ein Leben lang diesem Sättigungsgefühl hinterher und alles bleibt Utopie. Der Begriff, wie Schlink ausführt, kommt aus dem Griechischen: „ou tópia“ heißt übersetzt: NICHT-ORT. Den Ort gibt es für einige gar nicht – oder gescheiter übersetzt: Das Wohlfühlen ist ortsunabhängig. Manchmal gibt es sogar die „Ehre der Nicht-Zugehörigkeit“ (Schlink). Es ist ein soziales Eingebettetsein, das man sich selbst (ignorierend den geographischen Ausgangspunkt, den jedem eine Geburt setzt) geschaffen hat, gewählt hat, organisiert hat, das man erreicht hat - und woraus man sich nun nicht mehr wegdrängen lässt. Ernst Bloch, der Meister des utopischen Denkens, hätte wahrscheinlich mit großem Interesse die Ausführungen von Bernhard Schlink gelesen.
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Letzte Aktualisierung: 15.10.2026 18:14 Uhr.