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Enzensbergers Panoptikum | Zwanzig Zehn-Minuten-Essays | Hans Magnus Enzensberger | Taschenbuch
Bewertungen & Erfahrungen
4,8 von 5,0
5 Bewertungen
5 ★4
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2 ★0
1 ★0
Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion30.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Die Essays von Enzensberger sind eine faszinierende und tiefgründige Lektüre, die einen wirklich anregenden Gedankenaustausch über den Sportlerischen und die Natur bietet. Ich empfehle diese Sammlung jedem, der sich für philosophische Tiefe und spannende Beobachtungen interessiert.
In ein gedrucktes Panoptikum also lädt uns Hans Magnus Enzensberger diesen Herbst. Natürlich werden wir hier nicht in jenes trostlose Gefängnis verbracht, das Jeremy Bentham ersann und als „Panoptikum“ bezeichnete. Panoptikum meint für Enzensberger vielmehr ein Kuriositätenkabinett, mithin eine Ausstellung alltäglicher Erscheinungen, deren ungeahnte Bedeutung vermittels des Essay zu ergründen ist.Es kann niemanden verwundern, dass Enzensbergers Eideshelfer hierfür Montaigne und Lichtenberg sind. Ersterer ist der Erfinder des Essay (deutsch: „Versuch“), letzterer der Virtuose des Aphorismus. Gemein ist beiden die Betrachtung des scheinbar Banalen, dem überraschende Facetten abzuringen sind. Mehr noch: Essay wie Sinnspruch eint die Kürze. Gründlichkeit sei nicht seine Stärke, bekennt der Autor im Vorwort. Deshalb also „Zehn – Minuten – Essays“ – die Kürze ist Programm, die Leichtigkeit Grundlage.Schreibtisch mit Fenster zur WeltDie zwanzig Beiträge umfassen jeweils 5 – 6 Seiten. Das Buch eignet sich daher für eine Lektüre in kleinen Portionen so gut wie für einen unterhaltsamen Nachmittag. Wie nun sind diese Essays gearbeitet? Sie sind keineswegs akademische Abhandlungen mit möglichst komplizierten Titeln, sondern bewegen sich regelmäßig von einer scheinbaren Alltäglichkeit hin zu einer grundsätzlichen Betrachtung.Ein Essay, sagt Enzensberger, sei ein diskursiver Text, bei dem er am Anfang noch nicht wisse, was am Schluss dabei herausspringe. Als Leser stellt man sich den Autor vor, wie er seinen Blick durch das Arbeitszimmer gleiten lässt. Aus der alten Theaterkarte kann ein Text über die Zumutungen der Kulturindustrie und die eigentümliche Faszination des Publikums werden. Der Wirtschaftsteil der Zeitung lädt zu einer Betrachtung von aberwitzigen wirtschaftswissenschaftlichen Hypothesen ein, die Finanzkrisen auslösen. Ein Kaffeefleck auf dem Hemd wird zur Verteidigung der Unreinheit als Prinzip moderner Gesellschaften. Das alte Foto an der Wand wirft die Frage auf, wie Fotografie unser Bewusstsein beeinflusst. Und, überhaupt, kann man nicht vom Schreibtisch aus Nationen erfinden?Enzensbergers kleine Texte sind immer klug und unterhaltsam. Und sie sind meinungsstark im dialektischen Sinn: Man spürt Enzenserbers Freude, wenn er zur allgemeine Verblüffung sechs Milliarden Experten in der Weltbevölkerung vermutet oder einen Abgesang auf die (verwirklichte) aufklärerische Forderung nach Transparenz formuliert. Langweilig wird dem Leser in diesem Panoptikum keinesfalls.Mirkroökonomische MärchenstundenDa ich selbst Wirtschaftswissenschafter bin, würde ich gerne kurz an einem Essay Enzensbergers Prinzip und seinen scharfen Verstand illustrieren. In dem Text „Mikroökonomie“ (wie einige andere Essays schon vorab im Spiegel veröffentlicht) belustigt sich der Autor über den Glauben der Ökonomen an „Rational Choice“. Jenem Rationalitätsparadigma also, das die Menschen zu übervernünftigen Nutzenmaximierern erklärt, deren Handlungen allein durch Geld motiviert sind. Jeder Blick auf die Nobelkarossen, die deutsche Straßen befahren, widerlegt dieses Prinzip. Man könnte es also als lässliche Spinnerei einiger Theoretiker abtun.Nicht so Enzensberger: Er erkennt völlig zurecht in der Rationalitätshypothese den archimedischen Punkt der neoklassischen Volkswirtschaftslehre – durch „Rational Choice“ werden Menschen bzw. „Wirtschaftssubjekte“ im Wortsinne „berechenbar“. Sie bildet die Grundlage einer Ökonomie, die sich als exakte Wissenschaft versteht und somit selbst überfordert. Ihrer zahlen - , daten - und modellgestützten Expertise sollte nicht blindlings vertraut werden.Es ist beeindruckend mit welcher Präzision und Geschwindigkeit Hans Magnus Enzensberger in den verschiedensten Themenfeldern den springenden Punkt findet und ihm einem Laienpublikum nahebringt. Darin besteht die Kunst seiner Essays.Freude am DenkenWollten wir uns darauf einigen, dass Feuilleton das Auffinden des Außergewöhnlichem im allzu Gewöhnlichen ist, dann ist Hans Magnus Enzensberger Deutschlands bester Feuilletonist. Deshalb verwundert auch die geringe Resonanz, die das Buch bislang erfahren hat. Die Essays jedenfalls sind wunderbar und Höhepunkte ihres Genres.Man kann von Enzensbergers fröhlicher Weisheit sehr viel lernen: Etwa eine Haltung zur Welt, die von Neugierde und Gelassenheit geprägt ist. Nirgends wird hier Hysterie oder Panik verbreitet. Auch kontroverse Tatbestände werden geduldig verhandelt. Hans Magnus Enzensberger wurde einmal als „Philosoph des Alles – halb – so – wild“ bezeichnet. Man kann daher mit diesem Buch das eigene Verständnis für die Welt in dauerhysterisierten Zeiten trainieren.Deshalb ist das auch das größte Kompliment, das man hier machen kann, dass der Leser zum Denken angeregt wird. Man geht nach der Lektüre mit größeren Augen durch die Welt und ist bereichert. Dieses Buch kann nur empfohlen werden – und zwar jedem Leser. Es setzt keine Vorkenntnisse oder besonderen Interessen voraus. Vielmehr ist eine intelligente und heitere Lektüre, der man möglichst viele an ihr Interessierte wünscht.Das Buch lässt lediglich eine Frage offen: Warum hat eigentlich niemand Hans Magnus Enzensberger gefragt, ob er nicht vielleicht Bundespräsident werden möchte?
...würde ich zehn Sterne vergeben. Moment...ich muss den Stuhl beseite stellen...bin auch nicht mehr der jüngste...so...ich habe mich jetzt hingekniet. Mehr kann ich zu Magnus Enzensberger nicht sagen. Was für ein großes Glück wir doch haben, wir Deutschen, in unseren Reihen einen der größten Essayisten, Lyriker, Denkanstoßer, Erzähler, Sprach- und Zahlendurchleuchter und Übersetzer zu haben. Die Leichtigkeit, die Lebendigkeit, die Flexibilität seines Denkens... ach was sage ich da. Kauft euch doch das Buch selber und lernt.
und ich denke nicht so präzise wie Enzensberger, also habe ich hier eigentlich gar keine Sterne zu vergeben. Ich gebe zu, daß dies eine rein emotionale Sympathie-Kundgebung ist. Aber wenn man nebenbei noch etwas Allgemeinbildung erwerben möchte, ist das Buch auch nicht schlecht.
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Letzte Aktualisierung: 09.10.2026 18:23 Uhr.