Während meines Studiums habe ich einige Werke von Hesse im Rahmen von Hausarbeiten gelesen und interpretiert.Um dieses hier zu beschreiben, bediene ich mich eines Zitates aus "Demian":"Schicksal und Gemüt sind Namen eines Begriffs."Was soll das heißen? Nicht weniger, als dass alles was wir tun und lassen ein Teil unserer je individuellen Persönlichkeit ist. Nicht weniger, als dass alles, was uns passiert, so passieren muss - weil alle unsere Regungen unweigerlich zu diesem Ergebnis führen. Wir können uns, so lässt sich schlussfolgern, nicht vor unserem Wesen verschließen, uns diesem nicht entziehen.Siddharta durchläuft eine Entwicklung hin zu einer solchen Erkenntnis. Das Leben, mit allen seinen Höhen und Tiefen, führt, wenn wir es als das unsere akzeptieren und schätzen, zur Erleuchtung.Wir erleben die Geschichte von Menschen auf der Suche nach ihrem Selbst, nach Glück und Erfüllung, die sich auf ihren Wegen in fremden Erwartungen verlaufen - und demgegenüber Siddharta, der das Ende dieses Weges im Weg selbst findet.Es handelt sich hierbei um ein Meisterwerk, das ich jedem dieser neumodischen (und auch älteren, pseudo-wissenschaftlichen) Lebensratgeber vorziehen würde.Alle diese Werke versuchen entweder, eine Belehrung des Menschen herbeizuführen, die sich auf diesem Wege jedoch nicht erreichen lässt, wie uns Siddharta lehrt - oder sie kommen ebenso zu diesem Ergebnis, wobei die Erkenntnis nicht vom Leser selbst kommt, sondern vorgegeben ist und deshalb in die erste Kategorie fällt: Bücher, die eine Erkenntnis erzwingen wollen.Nun ließe sich sagen: Versucht Hesse dann mit seinem Buch nicht genau dies? Eine Erkenntnis zu vermitteln? Ich würde sagen: nein. Denn es erhebt zu keinem Zeitpunkt den Anspruch, ein Lebensratgeber zu sein und es lebt nicht von einer vermittelten Lehre, sondern unabhängig von dieser von den geschilderten Schicksalen.Es handelt sich bei dieser Einschätzung selbstredend um meine individuelle Erfahrung mit dem Buch, die ich mit Ihnen teile, in der Hoffnung, dass Ihnen das Buch so gut gefällt wie mir - wenn auch auf Ihre je eigene Weise.Das beschriebene Dilemma fasse ich als ein grundlegendes von Bildung und unserem Bildungsverständnis.Das Medium der Erzählung, wie dies hier gewählt ist, eignet sich bei Hesse jedoch gleichermaßen wie bei Nietzsche in "Also sprach Zarathustra..." besser, um die angesprochenen Bildungsprozesse wiederzugeben und diese mitunter zu initiieren.Doch merke: was der Leser aus einem Werk zieht, kann der Autor nicht lenken.Schicksal und Gemüt sind Namen eines Begriffs.