Nach einigen Seiten Einarbeitung finde ich diesen Teil von Hegels Werk durchaus interessant und auch für heutige Themen und Fragen zielführend. Sicherlich sind nicht alle Schlüsse Hegels trivial, aber das erwartet man auch nicht. Mit ein wenig Mühe ein wertvolles Stück deutsche Philosophie, welches eine -meiner Meinung nach- zeitlose Sprachliche Eleganz aufweist!
Ja, die Rechtsphilosophie Hegels ist eines der wirkmächtigsten Bücher der Philosophie überhaupt. Es muß hier aber in aller Klarheit und Deutlichkeit gesagt werden, daß Hegel weder den damaligen Preußischen Staat als als Summum Bonum, als das Ultimum an Staat und an Gesellschaft meinte, noch gar den vergangenen Nationalsozialismus, auch die DDR/SU nicht, besonders aber auch die heutige BRD nicht, auch die heutige Welt nicht. Wenn das Diktum Hegels aus dem Vorwort kein philosophisches wäre, dann hätte die Banalität, die an dieses Hegel-Wort seit je geheftet worden ist, recht. Dann wäre wirklich der Holocaust und der Archipel Gulag, dann wäre der damalige Preußische Militarismus wirklich das "Reich der Vernunft"! Aber dann bräuchte es ja gar keine Philosophie. Dann genügte ein Goebbels, oder ein anderer Propagandaminister, der das, was ist, schlechterdings als "vernünftig" erklärt. Das tun zwar alle totalitären Staaten und Systeme, das tut auch der Westen heute, und nicht nur die BRD. Auch der heutige Kapitalismus sagt von sich aus, daß er "vernünftig" ist. Oder? Hegel, der Philosoph kann aber solches nicht gemeint haben. Das, was Hegel damals unter "Vernunft", unter "vernünftig" verstanden hat ist eben keine pure Seinsmetaphysik, die alles Sein schlechterdings als "vernünftig" erklärt. Diese Banalität pariert Hegel in seinem Text, und in all seiner Philosophie. "Vernunft" oder das Telos der Eule der Minerva sind allemal ein Ausstehendes, eine Idee. Und erst darin, erst in der Idee, wenn die Wirklichkeit mit der Idee übereinstimmt, würde Hegel sagen, daß "alles, was ist, vernünftig ist". Wobei Hegel durchaus auch noch sagen würde, daß Vernunft bereits je in allem ist und die totale Unvernunft es gar nicht gibt. Aber der Begriff, die Idee letzten Endes sind dann noch mehr als das Unterwegs des Geistes, das in Hegels Rechtsphilosophie praktisch, politisch werden soll. Das ist ja das Ärgernis: Das, was Hegel mit diesem Buch vorlegt, ist bis heute nicht eingelöst, denn sonst wäre die Philosophie und die Politik heute am Ende. Am Ende soll heißen: "erfüllt." Heute aber kann doch wohl niemand sagen, daß im globalen Kapitalismus Freiheit und Recht, die obersten Ideen Hegels, bereits zu sich gekommen wären, bei sich sind, erfüllt sind, und schon gar nicht im NS-Sozialismus oder im Stalinismus je erfüllt waren. Hegels Buch ist demnach also eines der heutigen Zeit, in der die "Anstrengung des Begriffs" mehr sein sollte als eine einfache Deklaration, daß alles, was ist, sowieso schon vernünftig ist. Aber dieser "Anstrengung des Begriffs" will sich heute keiner unterziehen. Oder?